Das Prachtboot

Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten

Was für ein Prachtstück, das große Auslegerboot von der Luf-Insel, die 1899 bis 1914 zur deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea „gehörte“. Heute stellt das rund 15 Meter lange Schiff den spektakulären Mittelpunkt des Humboldt-Forums dar, das unter anderem die Sammlungen des ehemaligen Ethnologischen Museums Dahlem beherbergt. Die Umbenennung und „neue Ausrichtung“ ethnologischer Sammlungen, also der Aneignung von Kulturgütern außereuropäischer Gesellschaften im Rahmen des Kolonialismus ändert aber nichts am Charakter der Sammlungen und der jeweiligen Art der Aneignung. Am Beispiel des Prachtbootes von Luf beleuchtet Götz Aly nicht nur die Herkunft und Beschaffung des zentralen Ausstellungsstückes, sondern auch exemplarisch die Problematik der „Rückgabediskussion“, wie sie in Zusammenhang mit der heutigen Provenienzforschung augenscheinlich wird.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ethnologie, Kolonialisierung, Rezension

Die Hamburger Südsee-Expedition

Über Ethnographie und Kolonialismus

Zwischen 1908 und 1910 fand eine wissenschaftliche Expedition in deutsche Kolonialgebiete des Pazifiks statt. Diese als Hamburger Südseeexpedition in die Kolonialgeschichte eingegangene Unternehmung hat der 2019 verstorbene Hamburger Ethnologe und ehemalige Direktor des Hamburgischen Museums für Völkerkunde (heute Museum am Rothenbaum), Hans Fischer, beschrieben. In seiner 1981 erstmals erschienenen und nun neu aufgelegten Fallstudie dokumentiert er die Verwicklungen zwischen Kommerz, Politik und Wissenschaft in der Ära des Kolonialismus.

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ethnologie, Kolonialisierung, Rezension

Rassistisches Erbe

Wie wir mit der kolonialen Vergangenheit unserer Sprache umgehen.

Wer sich ernsthaft mit Geschichte befasst und auch mit der kolonialen Vergangenheit und dem Prozess der Globalisierung auseinandersetzt, wird kaum bestreiten können: Rassismus ist weiß, europäisch und christlich. Und er hat eine lange Geschichte, eine Geschichte, die weit vor den ersten „Entdeckungsreisen“ begonnen hat und sowohl unser Bewusstsein, unser Selbstverständnis, unsere Wahrnehmung Anderer und eben auch unsere Sprache bis heute prägt. In ihrem Buch beschäftigt sich die Kulturwissenschaftlerin Susan Arndt insbesondere mit der Sprache als koloniales Erbe, ihrer Funktion und Wirkung und der daraus resultierenden Notwendigkeit ihrer Veränderung.

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Eingeordnet unter Allgemein, Rezension

Rom Verstehen

Das Römische Reich in Infografiken

Rund 800 Jahre römische Geschichte haben der Geschichtswissenschaftler John Scheid und der Grafikdesigner Nicolas Guillerat in rund 100 detailreiche Infografiken umgesetzt, um wie es im Klappentext heißt, „die legislativen, administrativen und sozialen Strukturen und Entwicklungen sowie das immense Potenzial der Kriegsmacht“ anschaulich zu erklären. Und so wird der Betrachter mit großformatigen Schaubildern, Flussdiagrammen, Zeitleisten und Karten konfrontiert, die die Dynamik des römischen Reiches im Zeitraum zwischen etwa dem 4. Jh. vor und den 4. Jh. nach Unserer Zeitrechnung vermitteln.

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Eingeordnet unter 2 Antike, Rezension

Zur Kulturgeschichte des Karakals

(Kapitel aus Rotbarts wilde Verwandte)

1654 war die Welt des Caracal caracal zumindest in der südafrikanischen Kapregion noch halbwegs in Ordnung. Die Holländer hatten erst zwei Jahre zuvor ihren Handelsstützpunkt am Tafelberg errichtet und bis auf die Festung und ein paar Gärten noch kaum Land für sich in Anspruch nehmen können. Das war von den nomadischen Khoi und den Jägern und Sammlern, den San, besiedelt, für die die Koexistenz mit Beutegreifern zum alltäglichen Leben gehörte.

 Ins Blickfeld der Europäer gelangte der Karakal im folgenden Jahrhundert. Wie überall, wo Menschen in ihren Lebensraum eindrangen, bediente sich die außerordentlich scheue, opportunistische Raubkatze nach dem Muster, man nimmt, was man kriegt, gelegentlich auch bei den Haustieren, wie Hühnern, Schafen oder Ziegen. Da kam es ganz gelegen, dass man das Fell des Karakals, wie Alfred Brehm in seinen Tierleben zu berichten wusste, „Am Vorgebirge der guten Hoffnung … in hohem Werte“ hielt „… weil man ihm Heilkräfte gegen Gliederschmerzen und Fußgicht zuschrieb. Solche Felle wurden auch nach Europa verhandelt und hier ebenfalls gut bezahlt.“ Lesen Sie weiter auf Katzenkultur

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt

Das Lange 19. Jahrhundert

Von den europäischen Revolutionen über die Blütezeit des Kapitals bis zum imperialen Zeitalter

Eric Hobsbawms dreibändiges Werk zum langen 19. Jahrhundert ist nicht nur ein Werk über Geschichte, sondern auch selbst ein Stück Geschichte. So hat der 2012 verstorbene, marxistisch geprägte Historiker nicht nur den Begriff langes 19. Jahrhundert geprägt, sondern auch eine neue Art der Geschichtsschreibung entwickelt. Als Titel wurde das lange 19. Jahrhundert jedoch erst für die dreibändige Theiss-Gesamtausgabe 2017 verwendet, die nun als Taschenbuchausgabe neu aufgelegt wurde. Tatsächlich handelte es sich ursprünglich um drei zwar inhaltlich aufeinander aufbauende jedoch hinsichtlich ihrer Veröffentlichung weit auseinanderliegende Arbeiten. So ist The Age of Revolution 1962, The Age of Capital 1975 und The Age of Empire 1987 erschienen.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, Rezension

4000 Jahre altes Boot bei der antiken Stadt Uruk notgeborgen

Pressemitteilung DAI vom 28.03.22: Ein antikes Boot, hergestellt aus Bitumen und nicht mehr erhaltenem organischem Material, wurde im Zuge der Frühjahreskampagne 2022 der irakisch deutschen Mission des State Board of Antiquities und der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Institutes ausgegraben, dreidimensional digital dokumentiert und zur weiteren Rettung und Erhaltung komplett geborgen. An 23. März 2022 konnte es dem Irak-Museum in Bagdad übergeben werden.

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Eingeordnet unter 1 Frühzeit, Archäologie, Pressemitteilungen

Karl Marx und der Kapitalismus

Das waren schon spannende Zeiten, als die „Blauen Bände“, die MEW-Ausgaben aus der DDR, in jedes linke Bücherregal gehörten. Gelesen dürften die allerdings nur wenige sozialismusbewegte 68er haben, verstanden wohl noch viel weniger. Selbst unter den pflichtgemäß belesenen „Salonsozialisten“ herrschten eher dogmatische Diskussionen vor, weit entfernt von der wissenschaftlichen Methode und permanenten Selbstkorrektur des Philosophen, Journalisten, Ökonomen und politischen Aktivisten Karl Marx. Mit dem Begleitband zur Ausstellung „Karl Marx und der Kapitalismus“, die bis zum 21. August 2022 im Deutschen historischen Museum zu sehen ist, werden das Schaffen eines der einflussreichsten Personen des 19. Jahrhunderts in seinem historischen Kontext vermittelt und die Aktualität seiner Fragestellungen beleuchtet.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, industrielle Revolution, Rezension

Zwischen Verbundenheit und Ausbeutung

Das Mensch-Natur-Verhältnis im Laufe der Zeit

„Sind wir ganz besondere Lebewesen oder einfach eine Tierart unter vielen?“ Diese Fragestellung durchzieht das Buch der schweizer Biologin Helen Müri wie ein roter Faden. Dabei scheint die Antwort angesichts unseres einzigartigen Einflusses auf Natur, Klima und Lebensräume, unserer Fähigkeit uns im globalen Maßstab unsere eigene Welt zu erschaffen, klar. Und dennoch zeichnet eine nähere Betrachtung unseres Handelns und Wirkens ein differenziertes Bild des Menschen als hin und her gerissen zwischen besonderen Fähigkeiten und klaren Abhängigkeiten von Natur und Evolution.

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Eingeordnet unter Rezension

Neues von Prize Papers Projekt

Jahrhundertealte Kaperdokumente jetzt online: Projekt „Prize Papers“ startet Internetportal

Aus der Pressemitteilung der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg vom 22.02.2022: Jahrhundertealte Dokumente von Kaperungen sind ab sofort online frei zugänglich: Das Projekt „Prize Papers“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen stellt der internationalen Forschung unter http://www.prizepapers.de Gerichtsunterlagen aus gut 1.500 Kaperprozessen zur Verfügung. Kaperungen gegnerischer Schiffe, sogenannte Prisen, waren einst legitimes Mittel der Kriegsführung. Seit 2018 katalogisiert und digitalisiert das an der Universität Oldenburg sowie dem Nationalarchiv in London (The National Archives, UK) angesiedelte Forschungsprojekt sämtliche Prisenpapiere („Prize Papers“), die aus Gerichtsprozessen zu Kaperungen der englischen/britischen Marine zwischen 1652 bis 1817 erhalten sind. Finanziert wird das Vorhaben über das Akademienprogramm aus Mitteln des Bundes und des Landes Niedersachsen. Das Projekt arbeitet eng mit dem Deutschen Historischen Institut London (DHI) und den IT-Experten der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (VZG) zusammen.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Allgemein, Schifffahrtsgeschichte