Souvenirs, Souvenirs

Diavortrag an der VHS Werra-Meissner

Illustrierte Geschichte eines Geschäfts mit falschen Erinnerungen
Es ist nicht das, wonach es aussieht. Diese Aussage trifft nicht nur auf einst so beliebte Souvenirs wie beispielsweise Schrumpfköpfe zu. Oft genug aber handelt es sich bei den Mitbringseln Reisender vergangener Jahrhunderte, deren Sammlungen in naturkundlichen Museen, fürstlichen Menagerien oder Zoos landeten, um genau das, wonach es aussieht, nämlich tote oder lebende Tiere aller Arten, auch inzwischen ausgestorbener oder vom Aussterben bedrohter Spezies. Dabei war auch die Beschaffung wissenschaftlicher und zoologischer Exponate und damit eng verbunden die Großwild- und Trophäenjagd und nicht zuletzt die Fälschungsindustrie schon immer ein gutes Geschäft gewesen. Der Vortrag beleuchtet die historische „Tourismusbranche“ und bietet dabei einige Überraschungen.

Vortrag 222-00E315
Wolfgang Schwerdt, Kulturhistoriker, Journalist, Buchautor
ESW, vhs, Vor dem Berge 1, R. 202 (Aula)
Do, 13.10.2022, 18:30-20:00 Uhr
9,00 € (2 UE)
Verbindl. Anmeldung bis 06.10.2022

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Veranstaltung

Sensible Provenienzen

Forschungsprojekt will Wege für Rückführung menschlicher Überreste in ehemalige Kolonialgebiete eröffnen

Provenienzforschung in der Blumenbachschen Schädelsammlung: Asst. Prof. Dr. Tarisi Vunidilo, University of Hawaii, Hilo, Dr. Maximilian Chami, National Museum, Tansania, und Alma Simba, University of Dar es Salaam, Tansania.
Quelle: Universität Göttingen/Peter Heller

Pressemitteilung der Universität Göttingen (pug), 27. September 2022: Das Forschungsprojekt „Sensible Provenienzen“ der Universität Göttingen will Wege für eine potenzielle Rückführung menschlicher Überreste in ehemalige Kolonialgebiete eröffnen. Bei einem gemeinsamen Pressetermin haben die am Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kamerun, Tansania, Fiji und Palau, die zurzeit in Göttingen zu Gast sind, ihre Arbeit nun vorgestellt. Die Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler forschen an rund 100 der insgesamt 1.800 „human remains“, die aktuell in der Blumenbachschen Schädelsammlung und in der Sammlung der historischen Anthropologie der Universität Göttingen lagern.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Kolonialisierung, Ausstellungen, Pressemitteilungen

Die Rückkehr der Drachen

EBook eines Aufsatzes zu Mensch-Tier-Studien

Bei der Untersuchung der Mensch-Tier-Beziehungen früher Zivilisationen in Mesopotamien, bilden Ikonographie und Keilschrifttafeln die erste Quelle. Sie zeigen und beschreiben Drachen, Hybriden und mächtige Tiere wie Löwen in ihrer mythologischen, rituellen und profanen Bedeutung. Die Entstehungsmythen weisen weit in die vorbiblische Zeit zurück, deren religiöse und soziale Grundlagen einschließlich der Mensch-Tier-Beziehungen weitgehend unbekannt sind, wie die Interpretationsversuche der Archäologie von Heiligtümern und Siedlungen vorkeramischer neolithischer Gesellschaften zeigen. Der Aufsatz weist unter anderem auf die gesellschaftliche Instrumentalisierung von Tieren sowie die Grenzen des Wissens hin, die sich nicht nur aus einer traditionellen anthropozentrischen Interpretation archäologischer Funde ergeben. Umfang ca. 35 Buchseiten.

12 Jahre nach Erscheinen meines Buches Andre Zeiten, andre Drachen. Eine Kulturgeschichte des Drachen, habe ich das Thema auf Anfrage des Herausgebers von Dhau – Jahrbuch für außereuropäische Geschichte* unter dem Aspekt Human-Animal-Studies noch einmal aufgegriffen. Vor einer Woche erhielt ich jedoch die Information, dass die Herausgabe des Jahrbuchs kurzfristig eingestellt wurde, sodass ich mich entschieden habe, den Beitrag nun in eigener Regie als eBook herauszugeben.

*Prof. Dr. Christoph Marx, Universitätsprofessor/in, Historisch

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 1 Frühzeit

Verlosung Tierliche Migranten

Es ist ein Grund zum Feiern! Der zweite Band meiner Reihe „zur Kulturgeschichte des anthropogenen Artensterbens“ wird in wenigen Wochen im Überall im Buchhandel zu erhalten sein. Es war (auch emotional) ein hartes Stück Arbeit, aber ich bin sicher, dass es sich gelohnt hat.

Und deshalb möchte ich auch meine LeserInnen (und die, die es werden wollen) an dem Ereignis mit einer kleinen aber feinen Verlosung beteiligen:

Es ist ganz einfach: Ihr kommentiert unter diesem Post warum ihr das Buch „Tierliche Migranten“ (hier der Klappentext) unbedingt haben möchtet, was euch an diesem Thema besonders interessiert und schon seid ihr im Lostopf und könnt ein persönlich signiertes Exemplar der Sonderausgabe für Lesungen (Taschenbuch 14,8 x 21 mm, 244 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen) samt Lesezeichen, einen Magnetbutton (Rotbarts wilde Verwandte) und die exklusive Tierliche-Migranten-Tasse als Paket gewinnen. Innerhalb von Deutschland sogar portofrei.

Die ganze Aktion läuft bis zum 30.09.2022.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen

Weil ich ein Inuk bin

Johann August Miertsching, ein Lebensbild

LeserInnen, die sich wie ich recht intensiv mit dem Kolonialismus beschäftigen, verarbeiten das Buch sicherlich unter einer speziellen Perspektive. Und so ist die Biografie Johann August Miertschings, Mitglied der weltweit organisierten und missionierenden protestantischen Herrnhuter Brüdergemeine, nicht nur die Wiedergabe der Lebensgeschichte eines zweifellos vielschichtigen, vielleicht sogar besonderen, in jedem Fall aber bemerkenswerten Menschen seiner Zeit. Mechthild und Wolfgang Opel gelingt es auch, den/die LeserIn durch die akribische Auswertung von Miertschings schriftlichen Hinterlassenschaften sowie langjährigen, weltweiten vor Ort-Recherchen in die damalige Zeit, die Vorstellungen, Werte und ideologisch-religiösen Zwänge hineinzuziehen.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, Rezension

Captain Behring’s Journal

Unbekannte Dokumente zu Vitus Behrings Kamtschatka-Expeditionen

Die „Entdeckung der Welt“ verbinden wir vor allem mit Namen wie James Cook oder de La Pérouse mit ihren Südseereisen oder natürlich John Franklin mit seiner tragisch gescheiterten Suche nach der Nordwestpassage. Auch Cook und de La Pérouse ließen auf ihren Südseereisen Abstecher in den hohen Norden, in die heutige Beringsee, nicht aus, um einen Seeweg zwischen dem Atlantischen und Pazifischen Ozean zu finden. Doch bei der Suche nach einer Passage zwischen Russland und Alaska taucht auch der Name des dänischen Marineoffiziers Vitus Bering auf, der in russischen Diensten zwei Expeditionen in die nordöstlichen Regionen unternommen hatte. Zu diesen beiden als Kamtschatka-Expeditionen bezeichneten Reisen in die damals noch weitgehend unerschlossenen Regionen des östlichen Zarenreiches präsentiert Gerd von den Heuvel im vorliegenden Buch zwei bislang in der Öffentlichkeit unbekannte Originaldokumente aus dem Niedersächsischen Landesarchiv Hannover.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension, Zeitalter der Entdeckungen

„Dear Mama“, Nachtrag zu den Tagebüchern des Fritz Stegherr

Im Oktober 2021 hatte ich auf die Publikation „Dear Mama“ hingewiesen, die in Hobart als Übersetzung des Originalmanuskriptes des deutschen Kriegsgefangenen Fritz Stegherr in der australischen Quaratänestation auf der tasmanischen Insel Bruny erschienen ist. Stegherrs Enkelin, Roswitha Müller, hatte dem tasmanischen Verein „Friends of Bruny Island Quarantine Station (FOBIQ)“ zu diesem Zweck das Originalmanuskript des ersten von mehreren Tagebüchern aus der Zeit seiner Internierung in Australien als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Für die Freunde der Bruny Quarantänestation gehört das Originalmanuskript, wie die Vorsitzende Frau Kathy Duncombe, mitteilte, jedoch wieder zurück in seine Heimat, zumal vor Ort keine Möglichkeit besteht, das empfindliche Original fachgerecht aufzubewahren. Und so ist es nun zu den anderen Manuskripten, die Frau Müller dem Deutschen Tagebucharchiv hinterlassen hat, zurückgekehrt. Hier wird nun auch Fritz Stegherrs Tagebuch Nr. 1 gegen entsprechende Gebühren zur Recherche zugänglich sein.
Im Museum der Quarantänestation können es aber trotzdem bewundern, als Fotokopie unter Glas. Zudem, so Kathy Duncombe, „haben wir das Tagebuch ja nun als Buch in englischer Übersetzung“.

Mehr zu „Dear Mama“ in Neuerscheinung „Dear Mama“
Mehr zu den Tagebüchern in Interniert in Australien

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 20. Jahrhundert

Das Prachtboot

Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten

Was für ein Prachtstück, das große Auslegerboot von der Luf-Insel, die 1899 bis 1914 zur deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea „gehörte“. Heute stellt das rund 15 Meter lange Schiff den spektakulären Mittelpunkt des Humboldt-Forums dar, das unter anderem die Sammlungen des ehemaligen Ethnologischen Museums Dahlem beherbergt. Die Umbenennung und „neue Ausrichtung“ ethnologischer Sammlungen, also der Aneignung von Kulturgütern außereuropäischer Gesellschaften im Rahmen des Kolonialismus ändert aber nichts am Charakter der Sammlungen und der jeweiligen Art der Aneignung. Am Beispiel des Prachtbootes von Luf beleuchtet Götz Aly nicht nur die Herkunft und Beschaffung des zentralen Ausstellungsstückes, sondern auch exemplarisch die Problematik der „Rückgabediskussion“, wie sie in Zusammenhang mit der heutigen Provenienzforschung augenscheinlich wird.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ethnologie, Kolonialisierung, Rezension

Die Hamburger Südsee-Expedition

Über Ethnographie und Kolonialismus

Zwischen 1908 und 1910 fand eine wissenschaftliche Expedition in deutsche Kolonialgebiete des Pazifiks statt. Diese als Hamburger Südseeexpedition in die Kolonialgeschichte eingegangene Unternehmung hat der 2019 verstorbene Hamburger Ethnologe und ehemalige Direktor des Hamburgischen Museums für Völkerkunde (heute Museum am Rothenbaum), Hans Fischer, beschrieben. In seiner 1981 erstmals erschienenen und nun neu aufgelegten Fallstudie dokumentiert er die Verwicklungen zwischen Kommerz, Politik und Wissenschaft in der Ära des Kolonialismus.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Ethnologie, Kolonialisierung, Rezension

Rassistisches Erbe

Wie wir mit der kolonialen Vergangenheit unserer Sprache umgehen.

Wer sich ernsthaft mit Geschichte befasst und auch mit der kolonialen Vergangenheit und dem Prozess der Globalisierung auseinandersetzt, wird kaum bestreiten können: Rassismus ist weiß, europäisch und christlich. Und er hat eine lange Geschichte, eine Geschichte, die weit vor den ersten „Entdeckungsreisen“ begonnen hat und sowohl unser Bewusstsein, unser Selbstverständnis, unsere Wahrnehmung Anderer und eben auch unsere Sprache bis heute prägt. In ihrem Buch beschäftigt sich die Kulturwissenschaftlerin Susan Arndt insbesondere mit der Sprache als koloniales Erbe, ihrer Funktion und Wirkung und der daraus resultierenden Notwendigkeit ihrer Veränderung.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein, Rezension