Zur Kulturgeschichte des Karakals

(Kapitel aus Rotbarts wilde Verwandte)

1654 war die Welt des Caracal caracal zumindest in der südafrikanischen Kapregion noch halbwegs in Ordnung. Die Holländer hatten erst zwei Jahre zuvor ihren Handelsstützpunkt am Tafelberg errichtet und bis auf die Festung und ein paar Gärten noch kaum Land für sich in Anspruch nehmen können. Das war von den nomadischen Khoi und den Jägern und Sammlern, den San, besiedelt, für die die Koexistenz mit Beutegreifern zum alltäglichen Leben gehörte.

 Ins Blickfeld der Europäer gelangte der Karakal im folgenden Jahrhundert. Wie überall, wo Menschen in ihren Lebensraum eindrangen, bediente sich die außerordentlich scheue, opportunistische Raubkatze nach dem Muster, man nimmt, was man kriegt, gelegentlich auch bei den Haustieren, wie Hühnern, Schafen oder Ziegen. Da kam es ganz gelegen, dass man das Fell des Karakals, wie Alfred Brehm in seinen Tierleben zu berichten wusste, „Am Vorgebirge der guten Hoffnung … in hohem Werte“ hielt „… weil man ihm Heilkräfte gegen Gliederschmerzen und Fußgicht zuschrieb. Solche Felle wurden auch nach Europa verhandelt und hier ebenfalls gut bezahlt.“ Lesen Sie weiter auf Katzenkultur

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt

Das Lange 19. Jahrhundert

Von den europäischen Revolutionen über die Blütezeit des Kapitals bis zum imperialen Zeitalter

Eric Hobsbawms dreibändiges Werk zum langen 19. Jahrhundert ist nicht nur ein Werk über Geschichte, sondern auch selbst ein Stück Geschichte. So hat der 2012 verstorbene, marxistisch geprägte Historiker nicht nur den Begriff langes 19. Jahrhundert geprägt, sondern auch eine neue Art der Geschichtsschreibung entwickelt. Als Titel wurde das lange 19. Jahrhundert jedoch erst für die dreibändige Theiss-Gesamtausgabe 2017 verwendet, die nun als Taschenbuchausgabe neu aufgelegt wurde. Tatsächlich handelte es sich ursprünglich um drei zwar inhaltlich aufeinander aufbauende jedoch hinsichtlich ihrer Veröffentlichung weit auseinanderliegende Arbeiten. So ist The Age of Revolution 1962, The Age of Capital 1975 und The Age of Empire 1987 erschienen.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, Rezension

4000 Jahre altes Boot bei der antiken Stadt Uruk notgeborgen

Pressemitteilung DAI vom 28.03.22: Ein antikes Boot, hergestellt aus Bitumen und nicht mehr erhaltenem organischem Material, wurde im Zuge der Frühjahreskampagne 2022 der irakisch deutschen Mission des State Board of Antiquities und der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Institutes ausgegraben, dreidimensional digital dokumentiert und zur weiteren Rettung und Erhaltung komplett geborgen. An 23. März 2022 konnte es dem Irak-Museum in Bagdad übergeben werden.

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Eingeordnet unter 1 Frühzeit, Archäologie, Pressemitteilungen

Karl Marx und der Kapitalismus

Das waren schon spannende Zeiten, als die „Blauen Bände“, die MEW-Ausgaben aus der DDR, in jedes linke Bücherregal gehörten. Gelesen dürften die allerdings nur wenige sozialismusbewegte 68er haben, verstanden wohl noch viel weniger. Selbst unter den pflichtgemäß belesenen „Salonsozialisten“ herrschten eher dogmatische Diskussionen vor, weit entfernt von der wissenschaftlichen Methode und permanenten Selbstkorrektur des Philosophen, Journalisten, Ökonomen und politischen Aktivisten Karl Marx. Mit dem Begleitband zur Ausstellung „Karl Marx und der Kapitalismus“, die bis zum 21. August 2022 im Deutschen historischen Museum zu sehen ist, werden das Schaffen eines der einflussreichsten Personen des 19. Jahrhunderts in seinem historischen Kontext vermittelt und die Aktualität seiner Fragestellungen beleuchtet.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, industrielle Revolution, Rezension

Zwischen Verbundenheit und Ausbeutung

Das Mensch-Natur-Verhältnis im Laufe der Zeit

„Sind wir ganz besondere Lebewesen oder einfach eine Tierart unter vielen?“ Diese Fragestellung durchzieht das Buch der schweizer Biologin Helen Müri wie ein roter Faden. Dabei scheint die Antwort angesichts unseres einzigartigen Einflusses auf Natur, Klima und Lebensräume, unserer Fähigkeit uns im globalen Maßstab unsere eigene Welt zu erschaffen, klar. Und dennoch zeichnet eine nähere Betrachtung unseres Handelns und Wirkens ein differenziertes Bild des Menschen als hin und her gerissen zwischen besonderen Fähigkeiten und klaren Abhängigkeiten von Natur und Evolution.

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Eingeordnet unter Rezension

Neues von Prize Papers Projekt

Jahrhundertealte Kaperdokumente jetzt online: Projekt „Prize Papers“ startet Internetportal

Aus der Pressemitteilung der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg vom 22.02.2022: Jahrhundertealte Dokumente von Kaperungen sind ab sofort online frei zugänglich: Das Projekt „Prize Papers“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen stellt der internationalen Forschung unter http://www.prizepapers.de Gerichtsunterlagen aus gut 1.500 Kaperprozessen zur Verfügung. Kaperungen gegnerischer Schiffe, sogenannte Prisen, waren einst legitimes Mittel der Kriegsführung. Seit 2018 katalogisiert und digitalisiert das an der Universität Oldenburg sowie dem Nationalarchiv in London (The National Archives, UK) angesiedelte Forschungsprojekt sämtliche Prisenpapiere („Prize Papers“), die aus Gerichtsprozessen zu Kaperungen der englischen/britischen Marine zwischen 1652 bis 1817 erhalten sind. Finanziert wird das Vorhaben über das Akademienprogramm aus Mitteln des Bundes und des Landes Niedersachsen. Das Projekt arbeitet eng mit dem Deutschen Historischen Institut London (DHI) und den IT-Experten der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (VZG) zusammen.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Allgemein, Schifffahrtsgeschichte

Ifni

Spaniens letztes koloniale Abenteuer

„Es gibt keine Gefangenen“ kabelte im Januar 1934 der spanische Journalist Manuel Chaves Nogales aus Tanger an seine Redaktion der Madrider Tageszeitung AHORA. Damit entlarvte er das von reaktionären Kräften in Spanien geschürte Gerücht über 300 bei den ehemaligen maurischen Aufständischen seit Jahren gefangen gehaltenen spanischen Soldaten als reine Propaganda. Bei der Lektüre des Buches erfährt nicht nur der nichtspanische Leser vieles über den in Vergessenheit geratenen Journalisten und die spanische (Kolonial-) Geschichte zwischen den Weltkriegen.

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert, Rezension

Souvenirs, Souvenirs

illustrierte Geschichte eines Geschäfts mit falschen Erinnerungen

Vortrag an der VHS-Eschwege am 14.02.2022
Es ist nicht das, wonach es aussieht. Diese Aussage trifft nicht nur auf einst so beliebte Souvenirs wie beispielsweise Schrumpfköpfe zu. Oft genug aber handelt es sich bei den Mitbringseln Reisender vergangener Jahrhunderte, deren Sammlungen in naturkundlichen Museen, fürstlichen Menagerien oder Zoos landeten, um genau das, wonach es aussieht, nämlich tote oder lebende Tiere aller Arten, auch inzwischen ausgestorbener oder vom Aussterben bedrohter Spezies. Dabei war auch die Beschaffung wissenschaftlicher und zoologischer Exponate und damit eng verbunden die Großwild- und Trophäenjagd und nicht zuletzt die Fälschungsindustrie schon immer ein gutes Geschäft gewesen. Der Vortrag beleuchtet die historische „Tourismusbranche“ und bietet dabei einige Überraschungen.
Der Vortrag findet im Rahmen der Woche der Nachhaltigkeit* statt. Weitere Infos und Anmeldung hier

*Artenschutzausstellung in der Woche der Nachhaltigkeit vom 14.02.2022 . 18.02.2022: Anschauliche Infostationen in Form von Bannern sowie ein permanentes großformatiges Slide-Video führen den/die Besucherin der Ausstellung durch die vielschichtige Welt des Artenschutzes. Dabei werden die Probleme der komplizierten Mensch-Wildtier-Beziehung immer wieder auch aus dem Blickwinkel und den Bedürfnissen der Tiere vorgestellt. Für das Land steht hier beispielhaft der Gepard, für das Meer die Schildkröte. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden durch die gut verständlichen Bild/Text-Banner an globale ökologische Zusammenhänge und Bedrohungen der Artenvielfalt herangeführt. Gleichzeitig werden aber auch Möglichkeiten aufgezeigt, diese Probleme u. a. durch das eigene Verhalten z. B. beim Einkauf oder im Urlaub zu lösen. Fair trade, Müllvermeidung, sanfter Tourismus und vor allem Kenntnis und Respekt des tierischen Lebens seien hier als Beispiele genannt. Die Ausstellung zeigt zudem, dass Artenschutzprobleme nicht nur ferne Urlaubsländer und exotische Tiere betreffen, sondern auch den Mensch-Wildtier-Konflikt in Deutschland mit Wolf, Luchs und Bär. Die Ausstellungsbanner werden freundlicherweise von der Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AgA) zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung kann vom 14.02.2022 ab 12:00 Uhr bis zum 18.02.2022 während unserer Öffnungszeiten besichtigt werden.

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Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen

Sprachbegegnungen im Zeitalter der Entdeckungen

Als sich die Europäer aufmachten, die Welt zu entdecken und zu erobern, stießen sie nicht nur auf natürliche Barrieren oder vermeintlich feindselige Eingeborene, sondern zuallererst auf sprachliche, auf kommunikative Grenzen. Und doch fand ein erstaunlich intensiver Austausch zwischen den oft so unterschiedlichen Kulturen statt. Maßgeblich für das Funktionieren dieses Austausches war und ist immer die sprachliche Verständigung, die Sprach- und SprecherInnenbegegnungen, wie es die Autorin des Buches „Als Humboldt lernte, Hawaiianisch zu sprechen“ ausdrückt. Und 42 Geschichten eben solcher SprecherInnen- und Sprachbegegnungen stellt Rita Mielke in ihren von Hanna Zeckau wunderschön illustrierten Buch vor.

Botschafter und weiße Elefanten

Rita Mielke beginnt bei den Sprachbegegnungen mit einem spektakulären Ereignis: Am 20, Juli 802 kehrte eine Gesandtschaft Karls des Großen in seine 400-Seelen Residenz Aachen zurück. Insgesamt viereinhalb Jahre waren die fränkischen Botschafter unterwegs, die zwischen dem Kaiser und dem Kalifen von Bagdad Vereinbarungen über die heiligen Stätten in Jerusalem zu regeln. Das nach außen Spektakulärste waren die reichhaltigen Geschenke, die der Kalif dem Hofe Kaiser Karls zukommen ließ, darunter ein ausgewachsener und lebendiger indischer (der Legende nach weißer) Elefant.

Viele mögen sich fragen, wie das Rüsseltier transportiert wurde und ob und wie lange es hier in unseren Breiten am Leben blieb. Welche politischen Vereinbarungen zwischen immerhin rund 4.000 Kilometern voneinander entfernten mittelalterlichen Herrscherhäusern wurden getroffen, welche Herausforderungen brachte die Reise in der damaligen Zeit?

Für Rita Mielke stellt sich jedoch eine ganz andere, wesentlich zentralere und in unserer Globalisierungsgeschichte kaum gestellte Frage: Wie fand eigentlich die Verständigung zwischen den so unterschiedlichen Kulturen statt. Wie konnte ein komplexes Abkommen zwischen der fränkisch-/lateinischsprachigen und der arabischsprachigen Welt zustande kommen. Wer waren die Sprachvermittler und wie konnten sie ihre Kenntnisse erwerben? Die Botschafter selbst, die fränkischen Ritter Lantfried und Sigmund, dürften kaum des Arabischen mächtig gewesen sein, aber die waren ohnehin bereits auf der Anreise erkrankt und verstorben.

Sprache als Instrumente für Kooperation und Herrschaft

Wir erinnern uns an die Reisen Marco Polos ins Reich der Mitte, an Ibn Batuta den arabischen Weltreisenden, die europäischen Entdecker, Eroberer und Forscher der vergangenen Jahrhunderte und lauschen ihren bzw. lesen ihre spannenden Berichte über fremde Kulturen, ihre Sitten, Gebräuche, Glaubensvorstellungen und sozialen Systeme. Aber wie, wenn nicht über die Sprache kommt der jeweilige Reisende an diese Informationen? Doch woher haben Dolmetscher ihre fremdsprachigen Kompetenzen, welcher Strategien, Konzepte und Methoden bedienten sich unsere Vorfahren zur Überwindung der Sprachbarrieren, zu einer Zeit, als es noch keine Sprachschulen, Wörterbücher oder gar online-Übersetzer gab?

Natürlich, irgendwer musste die Sprache des jeweiligen Kommunikationspartners lernen. Aber wer? Für die europäischen Kolonialherren war die Antwort einfach, die Eingeborenen hatten die Herrschaftssprache, also Portugiesisch, Spanisch, Englisch oder Französisch zu lernen. Für die europäischen Siedler in von den Indigenen noch beherrschten Ländern empfahl es sich, ebenso wie für Forschungsreisende in entlegenen Gegenden der Erde, sich mit der Sprache des jeweiligen Gegenübers auseinanderzusetzen. Und so zeichnet die Autorin in jedem der 42 Kapitel ein Bild von Partnerschaften, Leidenschaften, Herrschaften, kulturellen Grenzüberschreitungen und Genialitäten, immer gebunden an konkrete Personen. Denn das Überwinden von Sprachbarrieren ist immer eine persönliche Angelegenheit und das Ergebnis von wie auch immer gearteter kommunikativer Interaktion.

Nicht alles Deutsche ist deutsch

Sprachliche Grenzüberschreitungen sind letztendlich eine existenzielle Voraussetzung für die Kommunikation zwischen Kulturen und so ist es natürlich auch kein Wunder, dass es in jeder Sprache kaum noch als solche wahrgenommenen Lehnwörter gibt, die auch auf eine gewisse interkulturelle Tradition hinweisen. Auch diesen Aspekt greift die Autorin in Form von Infokästen zu jedem Kapitel auf und am Ende kristallisiert sich bei dem/der LeserIn die Erkenntnis voraus, dass Sprache und Kommunikation nicht nur zu den wichtigsten, sondern auch spannendsten Bestandteilen von menschlicher Kultur gehört und im Einzelfall sogar spannender und spektakulärer sein können als weiße Elefanten.

Rita Mielke, Hanna Zeckau: Als Humboldt* lernte, Hawaiianisch zu sprechen. Duden 2021. Gebunden 239 Seiten

*an dieser Stelle sein noch ergänzt, dass es sich für viele wider Erwarten bei Humboldt nicht um den berühmten Forschungsreisenden Alexander, sondern um seinen Bruder, dem Kultur- und Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt handelt.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, 5 Neuzeit, Rezension

Die Vulkane des William Hamilton

Naturreportagen von den Feuerbergen Ätna und Vesuv

Vielen dürfte der Name Hamilton eher in Zusammenhang mit der legendären Affäre zwischen Admiral Nelson und der Ehefrau des britischen Gesandten am sizilianischen Königshof ein Begriff sein. Lord Hamilton allerdings war nicht nur der Dritte im Bunde der skandalträchtigen Ménage-à-trois, sondern vor allem ein leidenschaftlicher Vulkanologe, dessen Beobachtungen der süditalienischen Vulkanwelt von wissenschaftsgeschichtlicher Bedeutung sind. Immerhin gehörte er zu den Vertretern der sogenannten Plutonisten, jener Wissenschaftler, die die Veränderungen der Erdoberfläche aus Prozessen im Innern der Erde erklärten. Zudem erkannte William Hamilton die zeitlichen Dimensionen, die mit geologischen Prozessen verbunden sind und leistete damit einen Beitrag zur Entdeckung der sogenannten Tiefenzeit, die eine wesentliche Voraussetzung für die späteren Evolutionstheorien darstellt.

Eine schillernde Persönlichkeit

Die Vulkane des William Hamilton besteht aus zwei Teilen. Zunächst vermitteln Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich (Hg.) dem Leser die biographischen, historischen, politischen und wissenschaftlichen Hintergründe von Hamiltons Werk Campi Phlegraei. Dieses wiederum wird – dem eigentlichen Publikationszweck entsprechend – im zweiten, naturgemäß wesentlich umfangreicheren Teil mit seinen Originaltexten und opulenten Bildern wiedergegeben. Die deutsche Übersetzung des – wie zu jener Zeit üblich sperrigen aber aussagekräftigen – Titels lautet:

„Phlegräische Felder.

Betrachtungen über die Vulkane beider Sizilien, wie sie der Royal Society in London mitgeteilt wurden von Sir William Hamilton, Ritter des Ordens vom Bade, Mitglied der Royal Society; außerordentlicher Gesandter seiner britischen Majestät und Generalbevollmächtigter am Hofe von Neapel.

Um alle Betrachtungen möglichst genau zu veranschaulichen, wurde ihnen eine neue, genaue Karte beigefügt, dazu 54 Tafeln, abgenommen von Zeichnungen, welche unter Aufsicht des Autors nach der Natur angefertigt und koloriert wurden vom Herausgeber, Herrn Peter Fabris.

Neapel 1776“

„Wissenschaftsreporter“ der Aufklärung

Bereits die Lektüre der Briefe an die jeweiligen Präsidenten und Sekretäre der Royal Society ist ein Vergnügen. Für die damalige Zeit recht schnörkellos beschreibt Hamilton darin seine Beobachtungen und Erlebnisse während der Ausbrüche von Vesuv und Ätna. Die erweisen sich nicht nur als detailliert und präzise sondern auch als recht abenteuerlich. Immerhin ließ es sich der leidenschaftliche Vulkanforscher nicht nehmen, höchstpersönlich die rumorenden Feuerberge zu besteigen und Messungen vorzunehmen. Mehrmals drohte er dabei von herabfallenden Lavabrocken erschlagen oder von den unberechenbaren Lavaströmen eingeschlossen zu werden. Seine Reportagen ergänzte er nicht nur durch Berichte Einheimischer und Vergleiche mit Beobachtungen antiker Wissenschaftler, er schrieb ebenfalls erstaunlich modern klingende Schlussfolgerungen nieder.

Eine faszinierende Bildreportage aus dem 18. Jahrhundert

Letztendlich entpuppt sich sein Gesamtwerk auch als opulente Bildreportage. Denn sowohl die von ihm beschriebenen markanten Orte wie Steinbrüche, heiße Quellen oder Krater ruhender Vulkane als auch die Bilderreihen, die den Ablauf der beobachteten Ausbrüche und damit verbundenen Veränderungen an Vulkan und Umgebung dokumentieren, lassen die Berichte lebendig werden. Insbesondere die Abbildungen der Gesteinssammlung, die Hamilton mit seinen Briefen an die Royal Society gesandt hatte, weisen eine ebensolche Genauigkeit auf, wie die Texte. „Mit großer Präzision“, so heißt es in der Einleitung der wbg Edition, „erfasst der Künstler dabei nicht nur die Farbnuancen der Gesteine und Mineralien, sondern auch deren Textur und Struktur, sodass noch heute ein Geologe sie sofort identifizieren kann.“

Eine schöne Überraschung

Die Vulkane des William Hamilton erweisen sich nicht nur als geologisch und historisch interessant, sondern entführen den/die LeserIn auch in eine spannende, wissenschaftlich und gesellschaftlich im Umbruch befindliche Zeit. Ein unerwartet interessantes und schönes Buch.

Oliver Lubrich, Thomas Nehrlich (Hg.): Die Vulkane des William Hamilton. Naturreportagen von den Feuerbergen Ätna und Vesuv. wbgEdition 2021. Gebunden, 272 Seiten.

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