Das Bremer Schlachte Schiff

Eine Proto-Kogge mit Heckruder aus der Zeit um 1100

Schlachte-SchiffLange musste die Öffentlichkeit auf die Publikation zur Archäologie des weltweit ersten Fundes eines mit einem Heckruder versehenen Frachtschiffes des Mittelalters warten. Beinahe wäre sie auch nicht zustande gekommen, denn sowohl bei der Bergung als auch der Konservierung des einzigartigen Fundes sind gravierende Pannen passiert, die die wissenschaftliche Aussagekraft des sogenannten Schlachte-Schiffes erheblich schmälern. Die Informationen, die die Fundfragmente dennoch hergeben, sind es jedoch Wert, publiziert zu werden. Und auch die Beschreibung der Fehler, Pannen und ungünstigen Begleitumstände bei Bergung und Konservation machen den Band 76 der Schriften des Deutschen Schifffahrtsmuseums zu einer wichtigen Publikation nicht nur zum Thema Kogge und mittelalterliche Schifffahrt sondern auch zum Thema Archäologie. Weiter auf Marexpedi

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Archäologie, Rezension, Schifffahrtsgeschichte

Interniert in Australien

Die Tagebücher des Fritz Stegherr

Aus dem Tagebuch Fritz Stegherrs: „Die hier sichtbaren Anlegebrücken liegen links von den vorhergehenden drei ....und heißen "Kings" und "Queens" Pier. Noch weiter nach links käme dann Hobarts Stolz, die über 900 m lange "Ocean" Pier. Das untere Bild zeigt Burnie, einen Hafen an Tasmaniens Nordküste.“ ©Roswitha Müller

Aus dem Tagebuch Fritz Stegherrs: „Die hier sichtbaren Anlegebrücken liegen links von den vorhergehenden drei ….und heißen „Kings“ und „Queens“ Pier. Noch weiter nach links käme dann Hobarts Stolz, die über 900 m lange „Ocean“ Pier. Das untere Bild zeigt Burnie, einen Hafen an Tasmaniens Nordküste.“ ©Roswitha Müller

Es ist immer schön, wenn man mit seiner Arbeit als Journalist auch etwas bewegen kann. So wie mit dem 2014 aufgegriffenen Thema der Internierung Deutscher Zivilisten, Soldaten und deutschstämmiger Australier in australischen Lagern. Inzwischen sind aufgrund meiner Beiträge in GeschiMag die Tagebücher des Fritz Stegherr, 4. Offizier der SS Oberhausen aufgetaucht, des Schiffes, mit dessen Schicksal ich in das Thema eingestiegen war. Tausende von Seiten über seinem unfreiwilligen Aufenthalt in den Internierungslagern Australiens hatte der Seemann niedergeschrieben. Die sollen von Stegherrs Enkelin Roswitha Müller jetzt über entsprechende Institutionen zu Forschungszwecken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Folgenden die Geschichte, die zum Auftauchen der Tagebücher geführt hat sowie Informationen über Fritz Stegherr und seine Tagebücher. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 20. Jahrhundert

Szenerien und Illusion

Geschichte, Varianten und Potenziale von Museumsdioramen

9783835317987lWer kennt sie nicht, die Schaukästen oder lebensgroßen Ensembles, die in den Museen einen realistischen dreidimensionalen Eindruck von historischen, naturräumlichen oder archäologischen Situationen vermitteln. Da findet sich der Besucher vor der Höhle einer steinzeitlichen Jägergruppe wieder, unternimmt eine visuelle Wanderung durch die Pflanzen- und Tierwelt des Amazonas oder verschafft sich einen Überblick über die Geschehnisse einer Schlacht, als stehe er wie ein General auf dem Feldherrnhügel. Museumsdioramen sind sowohl in ihrer Ausführung, der Ausstattung den Inhalten und ihrer eigenen Geschichte außerordentlich vielfältig und damit nun selbst Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden. Das Buch Szenarien und Illusion fasst als Band 32 der Abhandlungen und Berichte des Deutschen Museums den aktuellen Stand der Forschung zusammen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Rezension

Raimondo di Montecuculli – Eine barocke Karriere unter dem Doppeladler 3

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Teil 3 Raimondo di Montecuculli, Reformer, Stratege, Visionär

Carl von Blaas: Montecuccoli auf dem Schlachtfeld von Saint Gotthard, 8. August 1664 Von Carl von Blaas

Carl von Blaas: Montecuccoli auf dem Schlachtfeld von Saint Gotthard, 8. August 1664
Von Carl von Blaas

Unter dem damaligen Präsidenten des Hofkriegsrates, Wenzel Fürst Lobkowitz, einem militärischen Minimalisten und langjährigem Widersacher Montecucollis, sank die Stärke der kaiserlichen Truppen im April 1655 auf ihren tiefsten Stand mit 13.700 Mann. Die Idee eines stehenden Heeres war damals nicht neu, fand aber jetzt in Montecucolli einen ihrer engagiertesten Protagonisten. Der „miles perpetuus“ eröffne der Politik neue Optionen, schrieb er etwa 1670 in seinem Spätwerk über den Krieg mit den Türken (Della Guerra col Turco en Ungheria), den so genannten Aforismi. Man werde von Freund und Feind geachtet, halte nach Belieben Frieden und sei dennoch „zum Präventivkrieg bereit“ und könne „eine günstige Gelegenheit rasch ausnutzen d.h. den Blitz vor dem Donner fühlen lassen“. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

BAROCK – Nur schöner Schein?

Ausstellung vom 11.09.2016 – 19.02.2017 im Museum Zeughaus C5 der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

csm_2015-Barock-Plakat72_c532d5e6c5Auszug aus der Pressemitteilung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim: Die Sonderausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ beweist, dass das Zeitalter weit mehr zu bieten hat als Puder, Pomp und Dekadenz. Vom 11. September 2016 bis 19. Februar 2017 stellen die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen in der kulturhistorischen Schau die Epoche erstmals in ihrer ganzen Vielschichtigkeit vor und hinterfragen gängige Klischees. Die Jahre zwischen 1580 und ca. 1770 waren eine Zeit voller Widersprüche: Neben üppigen „Rubensweibern“ gab es ein klassisch-antikes Schönheitsideal und religiöser Wunderglaube stand wissenschaftlicher Rationalität gegenüber. Während die einen rauschende Feste feierten, litten andere an den katastrophalen Folgen verheerender Kriege. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Allgemein, Ausstellungen, Pressemitteilungen

Raimondo di Montecuculli – Eine barocke Karriere unter dem Doppeladler 2

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Teil 2 Monteculli, Diplomat und Literaturförderer

Raimondo-montecuccoliWohl auch mit Hilfe seines italienischen Landesherrn war Raimondo di Montecuculli nach drei Jahren schwedischer Gefangenschaft im Mai 1642 endlich wieder frei gekommen. So diente er 1643 auch zunächst seinem Herzog im so genannten Burgenkrieg (Guerra di Castro) gegen den Papst und kehrte erst im Jahr darauf auf das deutsche „Kriegstheater“ zurück. Hier war seine Anwesenheit bitter nötig, vor allem nach der erneuten schweren Niederlage der Kaiserlichen in der zweiten Schlacht bei Breitenfeld im November 1642. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Raimondo di Montecuculli – Eine barocke Karriere unter dem Doppeladler 1

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Teil 1 Montecuculli Soldat und Literat

HGM_Grießler_MontecuccoliDas Protokoll der Sitzung des Wiener Hofkriegsrates vom 10. Dezember 1680 vermerkte keine besonderen Topoi. Es fällt nur auf, dass von der Liste der Anwesenden der Name des Präsidenten dieses alterwüdigen Gremiums, Raimondo di Montecucolli, wieder gestrichen worden war. Dass er darin überhaupt aufgeführt wurde, verdankte sich wohl nur einer Nachlässigkeit der Hofbürokratie. Denn immerhin war der General-Leutnant, Vertreter des Kaisers im Felde, Inspekteur der kaiserlichen Artillerie, Befehlshaber an der Militärgrenze, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und Träger eines spanischen Fürstentitels bereits seit zwei Monaten tot. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Die „islamische Inquisition“ des Kalifen al-Ma᾽mun

Von Florian Heydorn

Die Bevölkerung schwört dem neuen Abbasiden-Kalifen al-Ma'mun die Treue. Aus: Tarikh-i Alfi, Die Geschichte des ersten muslimischen Jahrtausends, 1593

Die Bevölkerung schwört dem neuen Abbasiden-Kalifen al-Ma’mun die Treue. Aus: Tarikh-i Alfi, Die Geschichte des ersten muslimischen Jahrtausends, 1593

An der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert n. Chr. strebte das Kalifat unter der Dynastie der Abbasiden auf den Höhepunkt seiner politischen, kulturellen und militärischen Macht zu. Unter Harun al-Raschid (Kalif von 786‒809) und seinen Nachfolgern kam es zu einer bis dahin ungekannten Förderung der Wissenschaften und der Philosophie. Es war indes auch eine Zeit wachsenden Selbstvertrauens der muslimischen Rechtsgelehrten, die sich zunehmend weigerten, dem Kalifen in theologischen Fragen eine Entscheidungsbefugnis zuzubilligen. Als Harun al-Raschids Sohn al-Ma᾽mun (813‒833) daran ging, die „Lehre von der Erschaffenheit des Korans“ mit inquisitorischen Mitteln als Staatsdoktrin durchzusetzen, stürzte er das Kalifat in eine schwere Krise, die schließlich zu seinem Niedergang führen sollte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter

Kitcheners Feldzug gegen das Reich der Derwische und die Schlacht bei Omdurman 1898 (1)

Teil 1 Das Desaster von Karthum

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Muhammad_Ahmad_al-Mahdi

Muhammad Ahmad al-Mahdi

In der Nacht zum 5. Februar 1885 war im Kriegsministerium an der Pall Mall die telegraphische Nachricht eingegangen, dass Karthum am 26. Januar nach zehnmonatiger Belagerung in die Hände der Armee Mohammed Achmets, des so genannten Mahdi, gefallen sei.  Die Meldung aus dem fernen Sudan versetzte das geschäftige London in Schockzustand.

Sir Garnet Wolseleys Expedition zur Rettung der sudaneschen Hauptstadt und ihres beherzten Verteidigers, General Charles G. Gordon, hatte sich zwar mit zwei Kanonenbooten bis auf Sichtweite an Karthum herankämpfen können, nur um jedoch beim Anblick der rauchenden Trümmer  des Gouverneurspalastes feststellen zu müssen, dass sie zwei  ganze Tage zu spät gekommen war. Über das Schicksal des Generalgouverneurs, der im ganzen Empire als „Chinese Gordon“ bekannt und populär war, herrschte noch einige Tage Ungewissheit. Am 11. Februar aber machten Korrespondentenmeldungen aus Ägypten die Demütigung des Weltreiches perfekt. Gordon war von den Mahdisten beim Sturm auf die Stadt getötet und sein abgeschlagener Kopf im Triumpf herum gereicht worden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit

Kitcheners Feldzug gegen das Reich der Derwische und die Schlacht bei Omdurman 1898 (2)

Teil 2 Das Empire schlägt zurück

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener of Karthoum als Sirdar, 1900

Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener of Karthoum als Sirdar, 1900

13 Jahre nach dem tragischen Tod General Gordons, dem populären Generalgouverneur von Karthum, drang eine anglo-ägyptische Armee im Spätsommer 1898 bis nach Omdurman am Nil vor und zerstörte mit ihrer modernen Bewaffnung das schaurige Reich der Derwische an einem einzigen Tag.

Am 7. Juni 1896 schlug Kitcheners Armee aus Ägyptern und Sudanesen nach einem schwierigen Nachtmarsch bei Firket, einer unbedeutenden Ansammlung von Lehmhäusern entlang des linken Nilufers, einige Tausend Derwische in die Flucht.  Bis zum Jahresende gelang es Kitcheners Truppen im engen Zusammenwirken mit seinen Kanonenbooten, ganz Dongala, die nördlichste Provinz des Sudan, zu besetzen. Dann aber stockte der Vormarsch entlang des Nils beinahe für ein ganzes Jahr. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit