Der Goldene Atlas

Die abenteuerlichen Reisen der großen Seefahrer, Entdecker und Forscher

Sie heißen Kolumbus, Cabot, da Gama, Magellan, Drake oder natürlich Cook – die großen Seefahrer der Zeit europäischer Entdeckungen. Tatsächlich aber begann die geographische Erforschung der Welt bereits Jahrtausende zuvor. Edward Brooke-Hitching schlägt in seinem Buch Der Goldene Atlas einen Bogen vom 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Illustriert sind die Aufsätze vor allem durch historische, oft seltene Karten, denn der Autor gilt als Kartenfreak und sein neues Buch trägt nicht zufällig sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung den Titel The Golden Atlas bzw. Der Goldene Atlas. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Rezension, Schifffahrtsgeschichte

Javagold

Pracht und Schönheit Indonesiens

Ein wenig irreführend erscheint der Titel des Begleitbandes zur gleichnamigen Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen auf den ersten Blick schon. Denn erstens verfügt Java über keine nennenswerten Goldvorkommen und zweitens stehen Pracht und Schönheit (des präsentierten Goldschmucks) erfreulicherweise nicht unbedingt im Vordergrund der Ausführungen des Buches. Vielmehr geht es um die kulturgeschichtlichen Hintergründe und Entwicklungen des 7. bis 15. Jahrhunderts, der Zeit, in der in Indonesien und damit auch Java mächtige hinduistische und buddhistische Königreiche ihre Blütezeit hatten. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rezension

Die Seidenstraße

Landschaften und Geschichte

Ihre Geschichte reicht von etwa 200 v. Chr. bis ca. 1400 n. Chr. Und sie erstreckt sich von China bis nach Afrika und Europa: Die Seidenstraße, die es eigentlich gar nicht gibt. Tatsächlich entstand der Begriff Seidenstraße für das weitverzweigte und dynamische Handelsnetz des afrikanisch-eurasischen Raumes erst im ausgehenden 20. Jahrhundert und bezeichnet ein dynamisches System aus Kulturen und Landschaften und deren vielfältige Interaktionen im Verlaufe der Zeit. Das darzustellen, hat sich Susan Whitfield, die Herausgeberin des Buches Die Seidenstraße, zur Aufgabe gemacht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Rezension

70/71 Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen

Mit 70/71 veröffentlicht der Militärhistoriker und GeschiMag-Autor Klaus-Jürgen Bremm sein nunmehr fünftes Buch im Theiss-Verlag. Seine Theiss-Bibliographie begann 2014 mit „Das Zeitalter der Industrialisierung“. Der „Schlacht von Waterloo“ widmete er sich 2015. Im darauffolgenden Jahr befasste er sich mit „Bismarcks Krieg gegen die Habsburger“. 2017 folgte der „Siebenjährige Krieg“ und nach seiner Analyse der „Waffen SS“ im vergangenen Jahr legt er nun mit seinem Bestseller „Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen“ eine umfassende Gesamtdarstellung des Deutsch-Französischen Krieges und eine Neubewertung dieser historischen Ereignisse vor.

Buchbeschreibung der Verlagsseite: Europa änderte sich 1870 grundlegend. Mit der Schlacht von Sedan wurde nicht nur der französische Kaiser Napoleon III. gefangengenommen, die deutschen Truppen triumphierten in Paris und im Spiegelsaal von Versailles fand die deutsche Kaiserproklamation statt. Dieses Datum stellt auch eine bedeutende Zäsur in der Politik und in der Militärgeschichte dar.

Zum Inhalt:

  • Europäische Geschichte vom Wiener Kongress über den Deutsch-Französischen Krieg zur deutschen Reichsgründung
  • Waffengänge, Waffentechnik und militärische Strategien: der „Einigungskrieg“ gilt als erster moderner Krieg der Weltgeschichte
  • Weißenburg, Wörth und Spichern, Metz und Sedan: detaillierte Analyse entscheidender Schlachten
  • der Einsatz von Propaganda und der Krieg gegen Franctireurs und Zivilisten
  • Hintergrund-Infos zum Aufbau des preußischen Heeres und zur Einführung der Wehrpflicht

Seit dem Krieg sind fast anderthalb Jahrhunderte verstrichen. Kaiserreich und Dritte Republik, die beide aus dem Konflikt von 1870/71 hervorgingen, sind längst wieder aus der Geschichte verschwunden. Doch wie Klaus-Jürgen Bremm aufzeigt, sollte die Bedeutung des sogenannten „Einigungskrieges“ nicht unterschätzt werden. Frankreich, die einstige Grande Nation, spielt seitdem eine untergeordnete Rolle bei den europäischen Mächten. Worauf sich diese Entwicklung begründete und wie sie über die Reichsgründung Bismarcks und dem Siegeszug der allgemeinen Wehrpflicht hinaus bis in die Katastrophe des 20. Jahrhunderts nachwirkte, stellt Klaus Jürgen Bremm kenntnisreich dar – für Historiker und politisch Interessierte spannend und Augen öffnend!

Klaus-Jürgen Bremm: 70/71 Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen. wbg Theiss 2019. Hardcover mit Schutzumschlag. 336 Seiten, 27 s/w Ab­bil­dungen 27 Illustrationen und Karten.

Lesen Sie auch das Interview von Daniel Zimmermann mit Klaus-Jürgen Bremm zur historischen Bedeutung von 70/71

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit

Naturgeschichten

Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere

Der 1702 geborene Georges-Louis Leclerc, Comte de Buffon war einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit. Das allein wäre bereits ein Grund, ihm mit einem Buch über „Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere“ ein Denkmal zu setzen. Jacques Cuisin vermittelt mit seinem Werk aber nicht nur ein Portrait des französischen „Universalgelehrten“ und Enzyklopädisten. Mit seinen kommentierten Bildern aus Buffons Histoire naturelle générale et particulière, avec la description du Cabinet du Roi und seinen buchstäblich denkwürdigen Einführungskapiteln zeigt der Autor gleichzeitig die Bedeutung von Buffons Werk für unser heutiges Verständnis der Welt auf. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Forts in den Kolonien

See-Expeditionen der Niederlande und Schwedens im 17. und 18. Jahrhundert

Über die Geschichte des niederländischen Goldenen Zeitalters ist bereits viel geschrieben worden. Wer sich für diese Epoche interessiert, findet problemlos Literatur zur Seefahrt, zur Wirtschaft, zu Seeschlachten und Kriegen oder zu politischen Ereignissen dieser Zeit. Olaf Wagener, Historiker und Burgenforscher, widmet sich in seinem Buch Forts in den Kolonien mit der Betrachtung der niederländischen Kolonialforts einem ganz speziellen Aspekt der globalen holländischen Expansion im 17. und 18. Jahrhundert. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Alexander von Humboldt, Das zeichnerische Werk

Von den rund 600 Seiten mit graphischen Elementen aus dem Nachlass Alexander von Humboldts stellen Dominik Erdmann und Oliver Lubrich im von ihnen herausgegebenen Buch „Alexander von Humboldt. Das zeichnerische Werk“ 260 Blätter vor, die einen Eindruck vom Denken und Schaffen des berühmten Naturforschers vermitteln. Dabei unterscheiden sich die hier präsentierten Zeichnungen deutlich von jenen Abbildungen, die im ebenfalls von Oliver Lubrich herausgegebenen „Alexander von Humboldt. Das graphische Gesamtwerk“ vorgestellt werden. Während es sich beim Graphischen Gesamtwerk aber um jene Bilder handelt, die von Humboldt zu seinen Lebzeiten in seinen Büchern oder Aufsätzen veröffentlicht wurden, präsentieren die Herausgeber beim hier vorliegenden zeichnerischen Werk gewissermaßen handschriftliche Vorstufen oder unveröffentlichte Manuskripte aus Humboldts Nachlass. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Und hatten die Pest an Bord …

Größtes Exponat der Pest-Ausstellung – ein Schiffsanker – erreicht Herne

Presseinfo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (lwl). Was hat ein Anker mit der Pest zu tun? Am Montag erreichte das LWL-Museum für Archäologie in Herne das größte Exponat der Sonderausstellung „PEST!“. Der massive Anker eines französischen Schiffes aus dem 18. Jahrhundert ist ein Zeugnis des letzten Ausbruchs der Seuche in Westeuropa, denn im Jahr 1720 brachte das Handelsschiff „Grand Saint Antoine“ die Pest nach Marseille.
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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Ausstellungen, Pressemitteilungen, Schifffahrtsgeschichte, Unterwasserarchäologie

Entdeckungsreisen

Magische Bilder exotischer Welten

Von Hans Sloanes Reise nach Jamaika (1687 – 1689) über Maria Sibylla Merians Schmetterlinge in Surinam (1699 – 1701) bis hin zur Fahrt der Challenger (1872 – 1876) widmet sich das Buch den bedeutenden Forschungsreisen, deren naturwissenschaftliche Ausbeute in Form von Artefakten, gesammelten tierischen und pflanzlichen Exemplaren und vor allem Bildern in gewaltiger Zahl im heutigen Museum of Natural History in London gelandet sind. Somit ist das Buch nicht nur eine Geschichte der Forschungsexpeditionen und ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Protagonisten, sondern auch eine Geschichte der Entstehung der gewaltigen naturwissenschaftlichen Sammlung des Museums, die mit einigen Überraschungen aufzuwarten weiß. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension, Zeitalter der Entdeckungen

Theodor de Bry: America

Ein Bildband der Extraklasse

Zwischen 1590 und 1634 publizierten Theodor de Bry und seine Erben eine umfangreiche Sammlung von aufwändig illustrierten Reiseberichten, die als Vorläufer des modernen Bildbandes gelten. In 25 Bänden im Folioformat veröffentlichten sie insgesamt etwa 50 Reiseberichte von Europäern aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Die vorliegende Edition des Taschen-Verlages, ebenfalls im Folioformat, umfasst die ersten neun der insgesamt dreizehn Bände der America-Serie und liefert neben den Hintergründen zur Publikationsgeschichte und Marketingstrategie der damals in diesem Genre führenden Frankfurter Verlegerdynastie, eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte der europäischen Entdeckungen und die Weltsicht der Entdecker und Eroberer.

De Bry, Erfinder des Konzeptes des modernen Bildbandes

Die de Brys waren die ersten, die in Frankfurt die Technik des Kupferstichs in den Buchdruck integriert und damit prächtige Bildbände erschaffen hatten. Und sie prägten unser Bild von den außereuropäischen Kulturen jener Zeit in verschiedener Hinsicht bis heute. Denn die Illustrationen wurden, mit jeweils unterschiedlichen Texten versehen, in den folgenden Jahrhunderten immer wieder „abgekupfert“, phantasievoll koloriert und in unterschiedlichen Zusammenhängen als authentische Quelle publiziert. Dabei waren sich die de Brys nicht zu fein, sowohl bei die Bilder als auch die Texte je nach Zielgruppe redaktionell anzupassen. Die lateinischen, für die Leser in den katholischen Regionen publizierten Bände, ließen gegenüber den Grausamkeiten der spanischen Eroberer eine gewisse Milde walten, während in den deutschsprachigen Ausgaben für den protestantischen Teil der europäischen Welt bestimmten Bänden gewissermaßen die Moralkeule geschwungen wurde.

Fakes als Marketingstrategie

Auch die manipulative Kraft von Bildern wussten die marketingbewussten Verleger zu nutzen. So wurden die in den Originalberichten vorgefundenen Bilder bearbeitet oder gar Neue erfunden, um „die Diskrepanz zwischen zivilisierten (christlichen) Reisenden aus Europa und den wilden, unkultivierten Heiden aus Afrika, Asien und Amerika hervorzuheben.“ So beschlossen die de Brys beispielsweise die Gefolgschaft eines regionalen Herrschers von Gabun entgegen dem zum Reisebericht gehörigen Holzschnitt in ihrer Illustration schlichtweg ihrer Kleidung zu berauben, dabei die Genitalien der Edelleute zu zeigen und in die Bildlegende die durch den Originalbericht nicht belegten Wörter „gantz nacket“ bzw. „toda nuda“ einzufügen. Verkaufsfördernd schienen solche Bearbeitungen ebenso zu sein, wie die Produktion von phantasievollen Eyecatchern für die Frontispize, mit denen, ähnlich wie heute mit den Covern das Buch beworben wurde.

Die manipulative Kraft von Farben

Der Taschen-Edition ist eine wunderbare Informationsquelle unter anderem zur durchaus wechselhaften Dynastie- und Verlagsgeschichte, die mit dem 1527/28 in Lüttich geborenen protestantischen Goldschmied Theodor de Bry begann. Die Methoden aber auch Rahmenbedingungen der De Brys als Verleger, das Buchgeschäft in der frühen Neuzeit und natürlich einen Überblick über das Gesamtwerk und seine Folgen, erhält der Leser ebenfalls im Rahmen der umfassenden Einleitung. Dazu gehören auch nicht nur für Sammler wichtige Informationen, beispielsweise wenn es um die Kolorierung der de Bry’schen Folianten geht. Die de Brys selbst haben nämlich gar keine kolorierten Versionen ihrer Reiseberichtsammlungen angeboten. Spannend hierbei, dass es für die Farbengebung der Illustrationen in den (im Rahmen von Auftragsarbeiten der Besitzer) Bänden keine Vorlagen, also Farbschemata gab. Aber selbst die Farbgebung, so unterschiedlich sie in den verschiedenen Werken auch ausfiel, folgte gewissen Absichten und war durchaus nicht zufällig und allein dieses Thema erweist sich bei näherer Betrachtung als recht komplex. Und so ist den „unterschiedlichen Kolorierungen in de Brys Grands Voyages“ (mit Berichten aus Amerika) im Anschluss an die Einführung ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ein Werk für Sinn und Verstand

Die sechs ersten Bücher der Amerika-Serie werden in der Taschen-Edition mit ihren kolorierten, oft ganz- und doppelseitigen Illustrationen präsentiert, da nur von diesen Exemplare existieren, die bereits unmittelbar nach dem Druck koloriert wurden. Konsequenterweise werden die Bildtafeln der drei folgenden Bände in Schwarz-Weiß gedruckt. Jedem Band mit seinen Bildtafeln und dazugehörigen Texten ist jeweils einen eigene Einleitung vorangestellt, durch die die in der Einführung aufgegriffenen Aspekte noch einmal vertieft werden. Die America-Serie führt den Leser in die frühneuzeitliche Welt von Virginia, Florida, Brasilien, Karibik & Zentralamerika, Mittelamerika, Peru, Rio de la Plata, noch einmal Karibik sowie Mexiko & Magellanstraße. Nach Band neun wurde die Serie erst einmal für 16 Jahre ausgesetzt. So sind die ersten neun Bände als Einheit zu verstehen und zu lesen und gelten „als die Besten der gesamten Reihe“.

Theodor de Brys Amerika ist eine Quelle nahezu unerschöpflicher Information. Dafür sorgen nicht nur die Texte, sondern eben auch die Bilder, die zu interpretieren und mit dem eigenen Wissen zu vergleichen, ein Abenteuer der besonderen Art ist. Und natürlich ist der aufwändig gestaltete und ausgestattete Foliant bereits ein Genuss für sich. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch zwar ein durchaus repräsentatives, für den Historiker und Kulturgeschichtler (und allen, die sich dafür interessieren) aber auch ein wirklich spannendes Werk ist.

Michel van Groesen (Hrsg), Larry E. Tise: Theodor de Bry. America. Sämtliche Tafeln 1590 – 1602. Taschen-Verlag 2019. In Leinen gebunden, 28,5 x 39,5 cm, 376 Seiten.

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