Auf den Spuren des Wals

Geographien des Lebens im 19. Jahrhundert

Der etwas kryptische Untertitel des Buches von Felix Lüttge, Historiker und Kulturwissenschaftler, deutet bereits darauf hin, dass der Leser hier wohl etwas Besonderes zu erwarten darf. Und tatsächlich präsentiert dieses Buch mehr als nur Walfängerromantik, wie wir sie von Melvilles Moby Dick kennen – sehr viel mehr sogar. Und das nicht nur, weil es sich bei Auf den Spuren des Wals um ein Sachbuch handelt, sondern weil Felix Lüttge eine Medien- und Wissensgeschichte des Wals im 19. Jahrhundert schreibt, deren komplexe Prozesse selbst dem maritim vorgebildeten Leser nicht unbedingt geläufig sein dürften. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Rezension

Unendlicher Pazifik

Inseln und Entdecker, Völker und Eroberer

Meist verbinden wir mit dem Pazifik freundliche, einsame Südseeinseln, die versprengt in der unendlichen Weite des Meeres zum Träumen einladen. Und dann waren da noch die Seeschlachten im zweiten Weltkrieg, bei denen es um die Vorherrschaft der Anrainerstaaten über die Handelswege und politische Einflusssphären ging. Und auf entlegenen Atollen des immerhin fast ein Drittel der Erdoberfläche bedeckenden Ozeans – scheinbar weitab jeder Zivilisation – gab es noch die Atombombenversuche, deren schaurig-schöne Bilder um die Welt gingen und die heute längst in Vergessenheit geraten sind. Philip J. Hatfield greift in seinem Buch Unendlicher Pazifik diese Aspekte auf, zeichnet aber ein völlig anderes, weniger eurozentristisches Bild der kulturell so komplexen Inselwelt des Pazifik. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Rezension

Die Erfindung des Buchs

Zwölf Innovationen der frühen Druckgeschichte

Wir haben gelernt: Gutenberg erfand die beweglichen Lettern und leitete damit eine gesellschaftliche und technische Revolution ein. Doch so mancher wird schon geahnt haben, dass es ganz so einfach nicht war. Und so ist es kein Zufall, dass sich „Die Erfindung des Buches“ von John Boardley nur wenig mit Gutenberg und seiner zur Druckerpresse umgewandelten „Weinpresse“ beschäftigt. Boardley beschreibt vielmehr den immerhin mehr als ein Jahrhundert währenden Prozess, der aus den handbeschriebenen Pergamentblättern das gedruckte Buch mit all seinen bis heute gültigen typografischen Konventionen entstehen ließ. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Der Japanische Holzschnitt in 200 Meisterwerken

Von ujiyo-e bis shin hanga

Die ganz eigene Ästhetik und Bildsprache asiatischer Bilder übt auf den westlichen Betrachter eine große Faszination aus. Die japanischen Holzschnittmeister nehmen dabei eine besondere Stellung ein, denn seit dem 17. Jahrhundert entwickelten sie – im Gegensatz zu ihren chinesischen Kollegen – aus der Drucktechnik eine eigenständige Kunstform und kulturelle Ausprägung. Der 620-Seitige Foliant mit ganz- und mehrseitigen, teils ausklappbaren Farbdrucken präsentiert diese spannende Entwicklung zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert anhand von 200 Meisterwerken. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, 5 Neuzeit, Rezension

SFB – mon amour

Die Geschichte des Senders Freies Berlin

Am 01. Juni 1954 um 4 Uhr 57 starteten Sender Freies Berlin I und II ihr Hörfunkprogramm aus dem Funkhaus am Heidelberger Platz. Der Autor des Buches SFB – mon amour , Alexander Kulpok war von Anfang an dabei. Die von ihm vorgestellte Geschichte des Westberliner Senders, der bereits im September 1954 in die ARD aufgenommen wurde, ist gleichzeitig auch wesentlicher Teil seiner persönlichen Geschichte. Denn Kulpok war nicht „nur“ Journalist, sondern als späterer Personalratsvorsitzender, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender, Leiter der ARD/ZDF Videotext-Zentrale und Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes auch Mitgestalter und Administrator der neben dem RIAS zweifellos ganz besonderen Rundfunkanstalt. Weiterlesen

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Der Goldene Atlas

Die abenteuerlichen Reisen der großen Seefahrer, Entdecker und Forscher

Sie heißen Kolumbus, Cabot, da Gama, Magellan, Drake oder natürlich Cook – die großen Seefahrer der Zeit europäischer Entdeckungen. Tatsächlich aber begann die geographische Erforschung der Welt bereits Jahrtausende zuvor. Edward Brooke-Hitching schlägt in seinem Buch Der Goldene Atlas einen Bogen vom 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Illustriert sind die Aufsätze vor allem durch historische, oft seltene Karten, denn der Autor gilt als Kartenfreak und sein neues Buch trägt nicht zufällig sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung den Titel The Golden Atlas bzw. Der Goldene Atlas. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Rezension, Schifffahrtsgeschichte

Javagold

Pracht und Schönheit Indonesiens

Ein wenig irreführend erscheint der Titel des Begleitbandes zur gleichnamigen Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen auf den ersten Blick schon. Denn erstens verfügt Java über keine nennenswerten Goldvorkommen und zweitens stehen Pracht und Schönheit (des präsentierten Goldschmucks) erfreulicherweise nicht unbedingt im Vordergrund der Ausführungen des Buches. Vielmehr geht es um die kulturgeschichtlichen Hintergründe und Entwicklungen des 7. bis 15. Jahrhunderts, der Zeit, in der in Indonesien und damit auch Java mächtige hinduistische und buddhistische Königreiche ihre Blütezeit hatten. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rezension

Die Seidenstraße

Landschaften und Geschichte

Ihre Geschichte reicht von etwa 200 v. Chr. bis ca. 1400 n. Chr. Und sie erstreckt sich von China bis nach Afrika und Europa: Die Seidenstraße, die es eigentlich gar nicht gibt. Tatsächlich entstand der Begriff Seidenstraße für das weitverzweigte und dynamische Handelsnetz des afrikanisch-eurasischen Raumes erst im ausgehenden 20. Jahrhundert und bezeichnet ein dynamisches System aus Kulturen und Landschaften und deren vielfältige Interaktionen im Verlaufe der Zeit. Das darzustellen, hat sich Susan Whitfield, die Herausgeberin des Buches Die Seidenstraße, zur Aufgabe gemacht. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Rezension

70/71 Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen

Mit 70/71 veröffentlicht der Militärhistoriker und GeschiMag-Autor Klaus-Jürgen Bremm sein nunmehr fünftes Buch im Theiss-Verlag. Seine Theiss-Bibliographie begann 2014 mit „Das Zeitalter der Industrialisierung“. Der „Schlacht von Waterloo“ widmete er sich 2015. Im darauffolgenden Jahr befasste er sich mit „Bismarcks Krieg gegen die Habsburger“. 2017 folgte der „Siebenjährige Krieg“ und nach seiner Analyse der „Waffen SS“ im vergangenen Jahr legt er nun mit seinem Bestseller „Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen“ eine umfassende Gesamtdarstellung des Deutsch-Französischen Krieges und eine Neubewertung dieser historischen Ereignisse vor.

Buchbeschreibung der Verlagsseite: Europa änderte sich 1870 grundlegend. Mit der Schlacht von Sedan wurde nicht nur der französische Kaiser Napoleon III. gefangengenommen, die deutschen Truppen triumphierten in Paris und im Spiegelsaal von Versailles fand die deutsche Kaiserproklamation statt. Dieses Datum stellt auch eine bedeutende Zäsur in der Politik und in der Militärgeschichte dar.

Zum Inhalt:

  • Europäische Geschichte vom Wiener Kongress über den Deutsch-Französischen Krieg zur deutschen Reichsgründung
  • Waffengänge, Waffentechnik und militärische Strategien: der „Einigungskrieg“ gilt als erster moderner Krieg der Weltgeschichte
  • Weißenburg, Wörth und Spichern, Metz und Sedan: detaillierte Analyse entscheidender Schlachten
  • der Einsatz von Propaganda und der Krieg gegen Franctireurs und Zivilisten
  • Hintergrund-Infos zum Aufbau des preußischen Heeres und zur Einführung der Wehrpflicht

Seit dem Krieg sind fast anderthalb Jahrhunderte verstrichen. Kaiserreich und Dritte Republik, die beide aus dem Konflikt von 1870/71 hervorgingen, sind längst wieder aus der Geschichte verschwunden. Doch wie Klaus-Jürgen Bremm aufzeigt, sollte die Bedeutung des sogenannten „Einigungskrieges“ nicht unterschätzt werden. Frankreich, die einstige Grande Nation, spielt seitdem eine untergeordnete Rolle bei den europäischen Mächten. Worauf sich diese Entwicklung begründete und wie sie über die Reichsgründung Bismarcks und dem Siegeszug der allgemeinen Wehrpflicht hinaus bis in die Katastrophe des 20. Jahrhunderts nachwirkte, stellt Klaus Jürgen Bremm kenntnisreich dar – für Historiker und politisch Interessierte spannend und Augen öffnend!

Klaus-Jürgen Bremm: 70/71 Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen. wbg Theiss 2019. Hardcover mit Schutzumschlag. 336 Seiten, 27 s/w Ab­bil­dungen 27 Illustrationen und Karten.

Lesen Sie auch das Interview von Daniel Zimmermann mit Klaus-Jürgen Bremm zur historischen Bedeutung von 70/71

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit

Naturgeschichten

Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere

Der 1702 geborene Georges-Louis Leclerc, Comte de Buffon war einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit. Das allein wäre bereits ein Grund, ihm mit einem Buch über „Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere“ ein Denkmal zu setzen. Jacques Cuisin vermittelt mit seinem Werk aber nicht nur ein Portrait des französischen „Universalgelehrten“ und Enzyklopädisten. Mit seinen kommentierten Bildern aus Buffons Histoire naturelle générale et particulière, avec la description du Cabinet du Roi und seinen buchstäblich denkwürdigen Einführungskapiteln zeigt der Autor gleichzeitig die Bedeutung von Buffons Werk für unser heutiges Verständnis der Welt auf. Weiterlesen

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