Archiv der Kategorie: 4 Frühe Neuzeit

Seemächte Nordwesteuropas im 17. Jahrhundert Teil I

Handel und maritime Vorherrschaft in Nordwesteuropa

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Holländische Schiffe rammen spanische Galeeren vor der Küste von Flandern 1602

Ein von der Allgemeinheit kaum beachteter Zeitraum der Seefahrtsgeschichte ist die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, die in erster Linie mit dem Dreißigjährigen Krieg und seinen marodierenden Söldnerheeren in Verbindung gebracht wird. Und doch war es am Ende immer wieder die Seefahrt die – sowohl im Detail als auch im größeren Zusammenhang – mit ihren militärstrategischen, technologischen und handelspolitischen Potenzialen großen Einfluss auf die Ergebnisse der Großmachtbestrebungen der europäischen Herrscherhäuser hatte. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Krieg im Norden Europas zu Lande und zu Wasser zur Zeit des 30 jährigen Krieges

Neu auf GeschiMag: Seefahrtsgeschichte als Video

In der letzten Zeit ist es etwas ruhiger geworden auf GeschiMag. Das hat nicht nur mit meinen eigenen Buchprojekten wie beispielsweise der Rotbartsaga oder dem Schiffskater Pixie, der mit James Cook um die Welt segelte zu tun. Verstärkt durch die Coronasituatuion und der Tatsache, mein Publikum auf lange Zeit nicht mehr persönlich, beispielsweise über Lesugen und Vorträge erreichen zu können, machten sich auch Überlegungen breit, die Inhalte ein wenig lebendiger zu gestalten. Und während es im Hinterstübchen meines Gehirns brodelte und kochte, habe ich das publizistische Geschehen auf GeschiMag ganz brav und konventionell auf die Rezension interessanter Bücher reduziert. Damit ist nun Schluss. Natürlich wird es diese Rezensionen weiterhin geben, aber ich habe mein publizistisches Angebot inzwischen auf Videoveranstaltungen erweitert. Hatten sie zunächst die coronabedingte Funktion des Lesungsersatzes für meinen historischen Katzenroman Rotbartsaga oder meine regionalen Katzenmärchen, habe ich nun ein weiteres, eigenständiges Format „Maritimes zur Rotbartsaga“ hinzugefügt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Schifffahrtsgeschichte, Videos, Zeitalter der Entdeckungen

Die Erfindung des Buchs

Zwölf Innovationen der frühen Druckgeschichte

Wir haben gelernt: Gutenberg erfand die beweglichen Lettern und leitete damit eine gesellschaftliche und technische Revolution ein. Doch so mancher wird schon geahnt haben, dass es ganz so einfach nicht war. Und so ist es kein Zufall, dass sich „Die Erfindung des Buches“ von John Boardley nur wenig mit Gutenberg und seiner zur Druckerpresse umgewandelten „Weinpresse“ beschäftigt. Boardley beschreibt vielmehr den immerhin mehr als ein Jahrhundert währenden Prozess, der aus den handbeschriebenen Pergamentblättern das gedruckte Buch mit all seinen bis heute gültigen typografischen Konventionen entstehen ließ. Weiterlesen

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Der Japanische Holzschnitt in 200 Meisterwerken

Von ujiyo-e bis shin hanga

Die ganz eigene Ästhetik und Bildsprache asiatischer Bilder übt auf den westlichen Betrachter eine große Faszination aus. Die japanischen Holzschnittmeister nehmen dabei eine besondere Stellung ein, denn seit dem 17. Jahrhundert entwickelten sie – im Gegensatz zu ihren chinesischen Kollegen – aus der Drucktechnik eine eigenständige Kunstform und kulturelle Ausprägung. Der 620-Seitige Foliant mit ganz- und mehrseitigen, teils ausklappbaren Farbdrucken präsentiert diese spannende Entwicklung zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert anhand von 200 Meisterwerken. Weiterlesen

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Naturgeschichten

Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere

Der 1702 geborene Georges-Louis Leclerc, Comte de Buffon war einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit. Das allein wäre bereits ein Grund, ihm mit einem Buch über „Buffons spektakuläre Enzyklopädie der Tiere“ ein Denkmal zu setzen. Jacques Cuisin vermittelt mit seinem Werk aber nicht nur ein Portrait des französischen „Universalgelehrten“ und Enzyklopädisten. Mit seinen kommentierten Bildern aus Buffons Histoire naturelle générale et particulière, avec la description du Cabinet du Roi und seinen buchstäblich denkwürdigen Einführungskapiteln zeigt der Autor gleichzeitig die Bedeutung von Buffons Werk für unser heutiges Verständnis der Welt auf. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Forts in den Kolonien

See-Expeditionen der Niederlande und Schwedens im 17. und 18. Jahrhundert

Über die Geschichte des niederländischen Goldenen Zeitalters ist bereits viel geschrieben worden. Wer sich für diese Epoche interessiert, findet problemlos Literatur zur Seefahrt, zur Wirtschaft, zu Seeschlachten und Kriegen oder zu politischen Ereignissen dieser Zeit. Olaf Wagener, Historiker und Burgenforscher, widmet sich in seinem Buch Forts in den Kolonien mit der Betrachtung der niederländischen Kolonialforts einem ganz speziellen Aspekt der globalen holländischen Expansion im 17. und 18. Jahrhundert. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Alexander von Humboldt, Das zeichnerische Werk

Von den rund 600 Seiten mit graphischen Elementen aus dem Nachlass Alexander von Humboldts stellen Dominik Erdmann und Oliver Lubrich im von ihnen herausgegebenen Buch „Alexander von Humboldt. Das zeichnerische Werk“ 260 Blätter vor, die einen Eindruck vom Denken und Schaffen des berühmten Naturforschers vermitteln. Dabei unterscheiden sich die hier präsentierten Zeichnungen deutlich von jenen Abbildungen, die im ebenfalls von Oliver Lubrich herausgegebenen „Alexander von Humboldt. Das graphische Gesamtwerk“ vorgestellt werden. Während es sich beim Graphischen Gesamtwerk aber um jene Bilder handelt, die von Humboldt zu seinen Lebzeiten in seinen Büchern oder Aufsätzen veröffentlicht wurden, präsentieren die Herausgeber beim hier vorliegenden zeichnerischen Werk gewissermaßen handschriftliche Vorstufen oder unveröffentlichte Manuskripte aus Humboldts Nachlass. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension

Und hatten die Pest an Bord …

Größtes Exponat der Pest-Ausstellung – ein Schiffsanker – erreicht Herne

Presseinfo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (lwl). Was hat ein Anker mit der Pest zu tun? Am Montag erreichte das LWL-Museum für Archäologie in Herne das größte Exponat der Sonderausstellung „PEST!“. Der massive Anker eines französischen Schiffes aus dem 18. Jahrhundert ist ein Zeugnis des letzten Ausbruchs der Seuche in Westeuropa, denn im Jahr 1720 brachte das Handelsschiff „Grand Saint Antoine“ die Pest nach Marseille.
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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Ausstellungen, Pressemitteilungen, Schifffahrtsgeschichte, Unterwasserarchäologie

Entdeckungsreisen

Magische Bilder exotischer Welten

Von Hans Sloanes Reise nach Jamaika (1687 – 1689) über Maria Sibylla Merians Schmetterlinge in Surinam (1699 – 1701) bis hin zur Fahrt der Challenger (1872 – 1876) widmet sich das Buch den bedeutenden Forschungsreisen, deren naturwissenschaftliche Ausbeute in Form von Artefakten, gesammelten tierischen und pflanzlichen Exemplaren und vor allem Bildern in gewaltiger Zahl im heutigen Museum of Natural History in London gelandet sind. Somit ist das Buch nicht nur eine Geschichte der Forschungsexpeditionen und ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Protagonisten, sondern auch eine Geschichte der Entstehung der gewaltigen naturwissenschaftlichen Sammlung des Museums, die mit einigen Überraschungen aufzuwarten weiß. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Rezension, Zeitalter der Entdeckungen

Theodor de Bry: America

Ein Bildband der Extraklasse

Zwischen 1590 und 1634 publizierten Theodor de Bry und seine Erben eine umfangreiche Sammlung von aufwändig illustrierten Reiseberichten, die als Vorläufer des modernen Bildbandes gelten. In 25 Bänden im Folioformat veröffentlichten sie insgesamt etwa 50 Reiseberichte von Europäern aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Die vorliegende Edition des Taschen-Verlages, ebenfalls im Folioformat, umfasst die ersten neun der insgesamt dreizehn Bände der America-Serie und liefert neben den Hintergründen zur Publikationsgeschichte und Marketingstrategie der damals in diesem Genre führenden Frankfurter Verlegerdynastie, eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte der europäischen Entdeckungen und die Weltsicht der Entdecker und Eroberer.

De Bry, Erfinder des Konzeptes des modernen Bildbandes

Die de Brys waren die ersten, die in Frankfurt die Technik des Kupferstichs in den Buchdruck integriert und damit prächtige Bildbände erschaffen hatten. Und sie prägten unser Bild von den außereuropäischen Kulturen jener Zeit in verschiedener Hinsicht bis heute. Denn die Illustrationen wurden, mit jeweils unterschiedlichen Texten versehen, in den folgenden Jahrhunderten immer wieder „abgekupfert“, phantasievoll koloriert und in unterschiedlichen Zusammenhängen als authentische Quelle publiziert. Dabei waren sich die de Brys nicht zu fein, sowohl bei die Bilder als auch die Texte je nach Zielgruppe redaktionell anzupassen. Die lateinischen, für die Leser in den katholischen Regionen publizierten Bände, ließen gegenüber den Grausamkeiten der spanischen Eroberer eine gewisse Milde walten, während in den deutschsprachigen Ausgaben für den protestantischen Teil der europäischen Welt bestimmten Bänden gewissermaßen die Moralkeule geschwungen wurde.

Fakes als Marketingstrategie

Auch die manipulative Kraft von Bildern wussten die marketingbewussten Verleger zu nutzen. So wurden die in den Originalberichten vorgefundenen Bilder bearbeitet oder gar Neue erfunden, um „die Diskrepanz zwischen zivilisierten (christlichen) Reisenden aus Europa und den wilden, unkultivierten Heiden aus Afrika, Asien und Amerika hervorzuheben.“ So beschlossen die de Brys beispielsweise die Gefolgschaft eines regionalen Herrschers von Gabun entgegen dem zum Reisebericht gehörigen Holzschnitt in ihrer Illustration schlichtweg ihrer Kleidung zu berauben, dabei die Genitalien der Edelleute zu zeigen und in die Bildlegende die durch den Originalbericht nicht belegten Wörter „gantz nacket“ bzw. „toda nuda“ einzufügen. Verkaufsfördernd schienen solche Bearbeitungen ebenso zu sein, wie die Produktion von phantasievollen Eyecatchern für die Frontispize, mit denen, ähnlich wie heute mit den Covern das Buch beworben wurde.

Die manipulative Kraft von Farben

Der Taschen-Edition ist eine wunderbare Informationsquelle unter anderem zur durchaus wechselhaften Dynastie- und Verlagsgeschichte, die mit dem 1527/28 in Lüttich geborenen protestantischen Goldschmied Theodor de Bry begann. Die Methoden aber auch Rahmenbedingungen der De Brys als Verleger, das Buchgeschäft in der frühen Neuzeit und natürlich einen Überblick über das Gesamtwerk und seine Folgen, erhält der Leser ebenfalls im Rahmen der umfassenden Einleitung. Dazu gehören auch nicht nur für Sammler wichtige Informationen, beispielsweise wenn es um die Kolorierung der de Bry’schen Folianten geht. Die de Brys selbst haben nämlich gar keine kolorierten Versionen ihrer Reiseberichtsammlungen angeboten. Spannend hierbei, dass es für die Farbengebung der Illustrationen in den (im Rahmen von Auftragsarbeiten der Besitzer) Bänden keine Vorlagen, also Farbschemata gab. Aber selbst die Farbgebung, so unterschiedlich sie in den verschiedenen Werken auch ausfiel, folgte gewissen Absichten und war durchaus nicht zufällig und allein dieses Thema erweist sich bei näherer Betrachtung als recht komplex. Und so ist den „unterschiedlichen Kolorierungen in de Brys Grands Voyages“ (mit Berichten aus Amerika) im Anschluss an die Einführung ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ein Werk für Sinn und Verstand

Die sechs ersten Bücher der Amerika-Serie werden in der Taschen-Edition mit ihren kolorierten, oft ganz- und doppelseitigen Illustrationen präsentiert, da nur von diesen Exemplare existieren, die bereits unmittelbar nach dem Druck koloriert wurden. Konsequenterweise werden die Bildtafeln der drei folgenden Bände in Schwarz-Weiß gedruckt. Jedem Band mit seinen Bildtafeln und dazugehörigen Texten ist jeweils einen eigene Einleitung vorangestellt, durch die die in der Einführung aufgegriffenen Aspekte noch einmal vertieft werden. Die America-Serie führt den Leser in die frühneuzeitliche Welt von Virginia, Florida, Brasilien, Karibik & Zentralamerika, Mittelamerika, Peru, Rio de la Plata, noch einmal Karibik sowie Mexiko & Magellanstraße. Nach Band neun wurde die Serie erst einmal für 16 Jahre ausgesetzt. So sind die ersten neun Bände als Einheit zu verstehen und zu lesen und gelten „als die Besten der gesamten Reihe“.

Theodor de Brys Amerika ist eine Quelle nahezu unerschöpflicher Information. Dafür sorgen nicht nur die Texte, sondern eben auch die Bilder, die zu interpretieren und mit dem eigenen Wissen zu vergleichen, ein Abenteuer der besonderen Art ist. Und natürlich ist der aufwändig gestaltete und ausgestattete Foliant bereits ein Genuss für sich. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch zwar ein durchaus repräsentatives, für den Historiker und Kulturgeschichtler (und allen, die sich dafür interessieren) aber auch ein wirklich spannendes Werk ist.

Michel van Groesen (Hrsg), Larry E. Tise: Theodor de Bry. America. Sämtliche Tafeln 1590 – 1602. Taschen-Verlag 2019. In Leinen gebunden, 28,5 x 39,5 cm, 376 Seiten.

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