Die Flotte unter dem Roten Adler

Mit angemieteten und auf einer Binnenwerft gebauten Schiffen, versuchte der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. vergeblich, aus Brandenburg eine Seefahrtnation zu machen. Jedoch wehte der eindrucksvolle rote Adler, die Flagge der Marine des Kurfürstentums Brandenburg, nur knapp 50 Jahre, von 1675 bis 1711, über den Weltmeeren.

Die brandenburgische Werft in Havelberg

Die brandenburgische Werft in Havelberg

Aber mit den insgesamt 32 Schiffen, konnten der ehrgeizige Kurfürst Friedrich Wilhelm I und dessen Sohn Friedrich III nicht mit den mächtigen Seefahrtsnationen des 17. und 18. Jahrhunderts konkurrieren. Allein die Handelsflotte der Niederlande zählte im Jahre 1670 rund 3500 Schiffe.

Die Voraussetzungen zum Aufbau einer Seemacht waren ohnehin denkbar schlecht. Die Kurmark, die der junge Friedrich Wilhelm 1640 übernahm, lag nach dem 30 jährigen Krieg wirtschaftlich, politisch und militärisch am Boden. Die Landesteile des Kurfürstentums lagen geographisch weit auseinander und bis zum Ende der 1674 ins Leben gerufenen Flotte, ließ sich kein geeigneter Seehafen für die brandenburgische Marine finden. Selbst die Küstengebiete Hinterpommerns boten für eine schlagkräftige Flotte keinen geeigneten Hafen, geschweige denn Werftanlagen.

Flotte aus gemieteten Schiffen

Immerhin entwickelte das Kurfürstentum Brandenburg unter Friedrich Wilhelm zu Lande eine militärische Stärke, die es erlaubte, die 1674 einmarschierenden Schweden bei Fehrbellin 1675 vernichtend zu schlagen. Die brandenburgische Flotte jedoch bestand anfangs aus gerade einmal aus zehn vom holländischen Kaufmann Benjamin Raule angemieteten Schiffen. Mit dieser Flotte ließen sich kriegerisch kaum Erfolge erzielen. Aber Friedrich Wilhelms Marinevision war ohnehin vor allem ökonomischer Natur. Und hier ging die Rechnung durchaus auf.

Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompanie

Die am 7.3.1682 gegründete Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompanie, die die Flotte im Auftrag des Kurfürsten bereederte, konzentrierte sich unter anderem auf den gewinnbringenden  Sklavenhandel. So auch das größte der auf der 1687 schließlich speziell für den brandenburgischen Schiffbau eingerichteten Havelberger Werft bei Berlin gebauten 15 Schiffe, die schwere Fregatte Friedrich III. Die transportierte beispielsweise vom brandenburgischen Handeslsstützpunkt „Festung Großfriedrichsburg“ an der afrikanischen Goldküste 1693 rund 800 Sklaven nach Amerika und kehrte mit einem Reingewinn von 60.000 Reichstalern nach Emden zurück.

Havelberger Werft

Dass die Fregatte während ihrer Dienstzeit nie von anderen Schiffen angegriffen worden war, zeigt, dass auf der Havelberger Binnenwerft vorzügliche Seeschiffe nach holländischen Muster gebaut wurden.

Trotzdem war eine Binnenwerft für eine Hochseeflotte natürlich nur eine Notlösung. Immerhin musste jedes größere Schiff auf Flößen oder mit Hilfe von sogenannten Kamelen, also absenkbaren Schwimmkästen von Havelberg nach Hamburg  über Havel und Elbe transportiert werden.

Abgesehen von Aufwand und Zeitverlust entstanden durch den Transport der Schiffe an die Küste erhebliche Kosten. Bis 1696 dürften für diese Transfers rund 40.000 Reichstaler gezahlt worden sein. Der Bau der Fregatte Friedrich III schlug hingegen mit 13.000 Talern zu Buche.

Prunkgaleere und Jacht

Friedrich Wilhelm aber sollte den Höhepunkt des Havelberger Schiffbaus und der wirtschaftlichen Erfolge seiner Flotte nicht mehr erleben. Sein Tod 1688 ersparte ihm jedoch auch, das Ende des im Grunde hoffnungslosen Seemachtstrebens zu erleben.

Friedrich III verfügte nicht über das Verständnis und Durchsetzungsvermögen, um die Entwicklung der brandenburgischen Flotte und des überseeischen Handels energisch voranzutreiben. Die in Havelberg gebaute Prunkgaleere und eine Jacht unbekannten Namens jedenfalls dokumentieren wohl eher die Interessen Friedrich des III, der sich 1701 die Königskrone aufsetze und sich König von Preußen nannte.

Verluste der brandenburgischen Flotte

Während die Handelserfolge der Schiffe des Roten Adlers um die Jahrhundertwende durchaus beeindruckend gewesen waren, wuchsen die Schiffsverluste der kleinen, zum großen Teil angemieteten, Flotte in schwindelnde Höhen. Von 1692 bis 1698 betrug die Verlustsumme rund 600.000 Reichstaler. Für die Verluste waren nicht nur Sturm und Schiffbruch verantwortlich, sondern vor allem die Tatsache, dass die brandenburgischen Schiffe für die großen Seemächte Freiwild waren und gerne aufgebracht wurden.

Das Ende der brandenburgischen Flotte

Ab 1695 wurden in Havelberg keine neuen Schiffe mehr aufgelegt. Im August 1702 wurde die Werft für ganze 600 Taler verkauft. Und 1711 entzog der preußische König der inzwischen Königlich-Preußischen-Africanischen Compagnie die Bewilligung. Das gesamte Vermögen wurde eingezogen und der Hofhaltung zugeführt. Damit war der brandenburgisch-preußische Adler wieder von den Meeren verschwunden.

 

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