Die Hamburger Convoyschiffe

Ganz in der Tradition der Hanse griffen die Hamburger Kaufleute auch nach dem Niedergang des Städtebundes zu militärischen Mitteln, um ihren freien Handel zu schützen. Anfang des 17. Jahrhunderts leisteten sich die Hamburger eine eigene Admiralität, die für Bau beziehungsweise Anmieten von Kriegsschiffen zuständig war.

Das Hamburger Convoyschiff Leopoldus Primus

Das Hamburger Convoyschiff Leopoldus Primus

Alle wichtigen Schifffahrtsnationen wie England, Holland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Spanien und Portugal besaßen seit dem 16. und 17. Jahrhundert Admiralitätskollegien, die über den Neubau von Marinefahrzeugen zu entscheiden hatten. Natürlich gehörte das damalige Deutsche Reich nicht dazu, denn es war weder Seemacht, noch verfügte es über eine Flotte, wenn man von der fünfzigjährigen Episode der brandenburgischen Seemachtbestrebungen absieht.

Die Hamburger Admiralität

Hamburg jedoch richtete 1623 ein solches Admiralitätskollegium ein, das immerhin bis Ende des 18. Jahrhunderts seiner Aufgabe nachkam, nämlich die Entscheidung über den Bau von sogenannten Convoyschiffen. Die Wapen von Hamburg ist vielleicht das bekannteste dieser Schiffe, die die Aufgabe hatten, den Hamburger Handelsfahrern Geleitschutz zu leisten. Die Bekanntheit hängt vielleicht damit zusammen, dass es insgesamt vier echte Convoyschiffe mit diesem Namen gab.

Seeraub und Jagd auf Christensklaven

Die Despotien von Algier, Tunis und Tripolis betrieben besonders im 17. Jahrhundert unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Ungläubigen ein lukratives Geschäft mit Seeraub und Jagd auf Christensklaven. England und Holland versuchten diese Bedrohung, die sich zunächst auf das Mittelmeer beschränkte, zunächst durch Geldzahlungen aus der Welt zu schaffen. Da sich die Nordafrikaner jedoch nicht an die Abmachungen hielten, antworteten England, Frankreich und Holland in den Jahren 1665 bis 1687 mit Strafexpeditionen.

Die Übergriffe der nordafrikanischen Seeräuber

Eine eigene Flotte zu betreiben war für eine einzelne Stadt zu Zeiten der großen Seemächte sicherlich ein wenig ungewöhnlich. Aber als die Nordafrikanischen Seeräuber nicht mehr nur im Mittelmeer, sondern auch im Ostatlantik, im englischen Kanal und in der Deutschen Bucht ihr Unwesen trieben und im Juni 1662 acht Hamburger Kauffahrer vor der portugisischen Küste aufbrachten, setzte man erstmals den Tonnenbojer Wapen von Hamburg als städtisches Convoyschiff ein. Es geleitete die Hamburger Kauffahrerconvoys nach Lissabon und Cadiz, wichtige Umschlagplätze für Zucker und Kolonialwaren.

Die Hamburger Convoyschiffe

Natürlich reichte ein leichtbewaffnetes Schiff für den Schutz der vielfältigen Handelsrouten nicht aus. Und so beschloss die Hamburger Admiralität den Bau schwerer Fregatten.
1668 wurde die Leopoldus Primus mit 54 Kanonen in Dienst gestellt, der bis 1703 Convoys begleitete.
1669 nahm die schwere Fregatte Wapen von Hamburg I mit 54 Kanonen ihren Dienst auf, den sie bis 1683 versah.
1686 bis 1718 schützte die Wapen von Hamburg II die Hamburger Kauffahrer.
1991 begann die Admiralität von Hamburg mit 44 Kanonen ihren Dienst. 1728 fand ihre letzte Convoyfahrt statt, 1738 wurde sie abgetakelt und 1748 verkauft.
1697 kam die Hoffnung hinzu, die 1716 verkauft wurde.
1722 die Wapen von Hamburg III. Die 56- Kanonen- Fregatte leistete nur zwei Convoyfahrten 1724 und 1727. 1738 wurde sie verkauft.
1740 die Wapen von Hamburg IV, eine schwere Fregatte mit 50 Kanonen, die nur eine Convoyfahrt 1746 durchführte und 1777 abgebrochen wurde.
Hinzu kamen eine Reihe privater Convoyschiffe zum letzten Drittel des 17. Jahrhunderts.

Die große Zeit der Convoyfahrt

Auch ohne die Bedrohung durch die nordafrikanischen Piraten wurden die Convoyschiffe nicht so schnell überflüssig. Die europäischen Kriege machten Hamburger Kauffahrer mal für die eine, mal für die andere Partei zur Beute. So erschienen 1675 und 1690 französische Kaperer vor der Elbmündung. Nun mussten auch die Archangelfahrer und die Hamburger Walfänger in der Nordsee Geleitschutz bekommen und im pfälzischen Krieg übernahmen die städtischen Convoyschiffe auch den Schutz der Englandfahrer.

Als Hamburg 1716 mit Frankreich einen Handelsvertrag geschlossen hatte und Frankreich damit bis 1734 zum wichtigsten Hamburger Handelspartner wurde, schienen die Convoyschiffe überflüssig geworden. Denn nun übernahm Frankreich den Schutz der Hamburger Kauffahrer vor seinen Küsten und der Handel mit Südwesteuropa ging ohnehin auf die Flaggen Hollands, Englands Dänemarks und Schwedens über.

Das letzte Convoyschiff Hamburgs

Nach dem Ende des siebenjährigen Krieges und einer damit verbundenen Wirtschaftsflaute in Hamburg, gelang es 1769 einen neuen Handelsvertrag mit Frankreich abzuschließen. Die Convoyschiffe waren letztendlich überflüssig geworden und 1777 wurde das letzte, die Wapen von Hamburg IV auf Abbruch verkauft.

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Schifffahrtsgeschichte

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