Geschichte der Schiffskatzen

Schiffskatze auf dem australischen Schiff HMAS Encounter

Schiffskatze auf dem australischen Schiff HMAS Encounter

Bereits früh hatten die Menschen erkannt, wie nützlich Katzen als Schädlingsbekämpfer sein können. Vorratswirtschaft beispielsweise von Getreide war schon bei den alten Ägyptern ohne Katzen kaum denkbar. Entsprechende Verehrung wurde ihnen im Nilland zuteil. So ist es kein Wunder, dass die Katze bereits auf den frühen Nilbarken ihren Platz gefunden hatte.

Schon seit dem 3. Jahrtausend vor unsrere Zeit ist also der Einsatz von Schiffskatzen überliefert. Und an Bord der Kauffahrer und Kriegsschiffe verbreiteten sich die domestizierten Samtpfoten am Ende über die ganze Welt. Auch in der Antike war die Schiffskatze ein fester Mannschaftsbestandteil und sie blieb es über die Jahrtausende bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Die schmale Planke, die das Schiff im Hafen mit dem Land verbindet, heisst noch heute Katzensteg. Dabei war es nicht nur Aufgabe der Schiffkatze, den Proviant oder gegebenenfalls die Landung vor den Vernichtungsfeldzügen der Mäuse und Ratten zu schützen. Durch das Eindämmen der Nagerpopulation trug sie auch zur Vermeidung von gefährlichen Infektionskrankheiten bei.

Die Katze als effektiver Schädlingsbekämpfer

Eine Katze muss zur Deckung ihres täglichen Bedarfs etwa 10 Mäuse vertilgen. Da eine Maus einen täglichen Schaden von etwa 60 Gramm beispielsweise an Getreide verursacht, kann eine tüchtige Katze täglich rund 600 Gramm vor den Nagern schützen. Berücksichtigt man, dass die gefressene Maus keine Nachkommen mehr produzieren kann, so summiert sich der Schutzeffekt auf immerhin rund 70 Tonnen pro Jahr.

Der Nutzen dieser effektiven Jäger war in der Seefahrt weltweit unbestritten. So sagt die Überlieferung, dass der Wikinger Leif Ericsson für seine Fahrt nach Amerika von König Olav einige Waldkatzen erhalten hatte. Tatsächlich fanden sich in einem Wikingergrab in der Nähe von Boston Katzenskelette.

Auf den Dhauen der Araber im indischen Ozean, auf den Karavellen und Galeonen der europäischen Entdecker, auf den Kriegsschiffen des 18. bis 20 Jahrhunderts oder auf den schnellen Klipperschiffen, die im 19. und 20. Jahrhundert das stürmische Kap Horn umsegelten, gehörten immer Schiffskatzen zur Mannschaft.

Katze als Glücksbringer und Notproviant

Ein Schiff ohne Katze galt als vom Unglück verfolgt. Und ging eine Schiffskatze versehentlich über Bord, so glaubte man, dass das Schiff dem Untergang geweiht sei. Trotz aller Wertschätzung bei den Seeleuten sollte man allerdings nicht verschweigen, dass Schiffskatzen in der Not gelegentlich auch verzehrt wurden. An Land jedenfalls diente die Katze als arme – Leute – Essen durchaus auch als Nahrungsmittel. Der Begriff Dachhase hat hier übrigens seinen Ursprung.

Über das persönliche Verhältnis der Mannschaft zu ihren Schiffskatzen weiss man bis zur Neuzeit nur wenig. Erst seit den Entdeckungsfahrten der Naturforscher werden Schiffskatzen auch namentlich genannt. Der britische Forschungsreisende Mattew Flinders beispielsweise hat mit seinem Buch “Trim: Being the True Story of an Brave Seafaring Cat“ seine Bordkatze unsterblich gemacht. Trim wurde an Bord des Schiffes HMS Reliance geboren und ging mehrfach über Bord. Nach einem Schiffbruch 1803 konnten Flinders und Trim zwar gerettet werden, gerieten aber in französische Gefangenschaft, wo Trim schließlich für immer verschwand. In Sydney wurde der Schiffskatze, die in die Literatur einging, ein Denkmal gesetzt.

Die Katze in der Hängematte

Mit der nagersicheren Konservierung von Lebensmitteln und zunehmender Hygiene an Bord verloren die Schiffskatzen nach und nach ihre ursprünglichen Aufgaben, aber nicht ihre Bedeutung. Denn der Glaube, dass das Fehlen einer Schiffskatze Unglück bringe, hielt sich noch lange in der Seefahrt. So wurden die ursprünglichen Arbeitskatzen zu manchmal recht verhätschelten Maskottchen.

Nigger, der Schiffskater auf der Terra Nova wurde vom Biologen Dr. Edward Wilson beschrieben, als er Robert Falcon Scott 1910 auf seiner Reise zum Südpol begleitete. Der Kater hatte es sich angewöhnt in einer extra für ihn angefertigten Hängematte auf dem Vordeck zu schlafen. Mit dem Kopf auf einem Kissen und unter einer Bettdecke.

Die Schiffskatze als Kriegsheld

Besondere Berühmtheit hatte Simon, der Schiffskater, der 1949 auf der britischen Fregatte HMS Amethyst diente, erlangt. Während des chinesischen Bürgerkriegs war die Fregatte im Jangtse beschossen worden und auf eine Sandbank aufgelaufen. Während der 101 Tage, die das Schiff festlag, und von jeglicher Versorgung abgeschnitten war, verteidigte der durch Schrapnellsplitter schwer verletzte Kater die spärlichen Vorräte der Mannschaft gegen die Rattenplage.

Nach der Rückkehr nach Devonport wurde Simon von der britischen Bevölkerung als Held gefeiert und erhielt das Victoria Cross für Tiere, die höchste militärische Auszeichnung.

Als der Schiffskater bald darauf an seinen Kriegsverletzungen starb, wurde ihm ein Staatsbegräbnis zuteil, wie das folgende YouTube-Video zeigt.

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Mehr über Schiffskatzen finden Sie im Buch von Wolfgang Schwerdt:
Die Schwarzbärflotte: wahre Geschichten über seefahrende Katzen
Die vollständige Geschichte von “Trim: Being the True Story of an Brave Seafaring Cat“ finden Sie erstmals in Deutscher Übersetzung in
„Forscher, Katzen und Kanonen, über Leben und Arbeit von Forschungsreisenden im 18. und 19. Jahrhundert“ von Wolfgang Schwerdt

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Geschichte im Querschnitt, Schifffahrtsgeschichte

2 Antworten zu “Geschichte der Schiffskatzen

  1. Jan

    Prima, dass auch mal so ein Thema aufgegriffen wird. 70 Tonnen Weizenersparnis pro Katze ist ja ein ganzer Berg…

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