Ferdinand II.: Ein Habsburger setzt sich durch

DEs gab mehrere Situationen, da hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass sich Ferdinand II. am Ende durchsetzen könnte. Aber der mit einem unerschütterlichen Glauben an seine Mission gesegnete Habsburger Erzherzog und spätere Kaiser fand immer einen Weg aus der Misere, häufig dank der Hilfe seiner Feinde.

So war die politische Konstellation im Juni 1619 eine äußerst kritische für Ferdinand. Kaiser Matthias war am 20. März gestorben, das Reich ohne Oberhaupt. Und die Böhmen, die Ferdinand – keiner weiß bis heute warum – am 6. Juni 1617 zu ihrem König gewählt hatten, wollten den erzkatholischen Erzherzog und das Haus Habsburg wieder los werden.

Nach dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 – eine Rebellion der dortigen protestantischen Adligen – spitzte sich die Lage in Böhmen zu. Alles drehte sich um die Freiheit der Stände, sprich des Adels, und um die Religion. Beides bedeutete eine Abwendung von Habsburg. Die Stände bildeten eine eigene Regierung und stellten eine Armee auf, die den Willen des neuen Regimes im Land halbwegs durchsetzte. Die Suche nach Verbündeten im Ausland verlief allerdings zäh. Nur Christian von Anhalt, Kanzler des Pfälzer Kurfürsten und späteren böhmischen Königs Friedrich V., arbeitete unermüdlich an der Zuspitzung des Konflikts mit Habsburg. Er hoffte auf englische und niederländische Unterstützung. Auch Savoyen und Siebenbürgen sollten mit Geld und Soldaten helfen.

Kaiser Matthias und sein erster Minister, Kardinal Melchior Klesl, versuchten sich derweil in Verhandlungen mit den Böhmen, ob die Ursache für die Rebellion nicht friedlich aus der Welt zu schaffen sei. Beide waren überzeugt, es  fehle an Geld für ein militärisches Eingreifen, und außerdem seien da noch die Konflikte in Ungarn und Siebenbürgen, die die Kräfte beanspruchten.

Ferdinand gehörte, im Gegensatz zum scheinbar allmächtigen Minister des Kaisers, zur Kriegspartei. Er wollte sich als designierter Nachfolger des Kaisers die Rebellion der protestantischen Stände nicht gefallen lassen. Da standen seine Religion und seine fürstliche Autorität auf dem Spiel. Und Böhmen war wirtschaftlich einfach zu wichtig. Ferdinand und der Habsburger Erzherzog Maximilian handelten: Am 20. Juli 1618  nahmen sie den ahnungslosen Klesl gefangen und sperrten ihn auf Burg Ambras in Tirol weg. Der schwache Kaiser musste diesen Staatsstreich hinnehmen. Plötzlich war Geld für Söldner da und Ferdinand schickte eine Armee von 14.000 Mann unter dem General Buquoy nach Süd-Böhmen.

Die Aufständische Böhmen belagern Wien

Das Kriegsgeschehen entwickelte sich jedoch nicht so, wie es Ferdinand und seine Ratgeber erhofft hatten. Die aufständischen Böhmen standen im Mai 1619 mit etwa 20.000 Mann unter ihrem Feldherrn Graf Thurn zwei Tagesmärsche vor Wien beim Städtchen Laa. Sie hätten die Hauptstadt gerne erobert. Die Zeichen standen an sich nicht schlecht für die rebellischen Untertanen; rechneten sie doch mit kräftiger Unterstützung des protestantischen Teils der Städter. Wie in Wien gab es in Ober- und Niederösterreich eine starke adelige Opposition gegen Ferdinand und dessen gegenreformatorische Bestrebungen. Beide Länder verweigertem dem Erzherzog die Erbhuldigung. Ferdinand verhandelte hinhaltend mit seinen widerborstigen Österreichern und mit Thurn  – und sammelte währenddessen Geld und Truppen.

Vor allem Thurn, der maßgeblich am Prager Fenstersturz beteiligt gewesen war, aber über keinerlei militärisch-strategisches Talent verfügte, verhandelte völlig unnötig wochenlang wegen des unbeutenden Nestes Laa. Er wollte es  – warum auch immer – kampflos erobern.

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Am 5. Juni bedrängten niederösterreichische, protestantische Ständevertreter Ferdinand in der Wiener Hofburg. Sie brachten ihre „Sturmpetition“ vor, bei der es hoch hergegangen sein soll. Allein gegen fünfzig aufgebrachte Adlige, soll Ferdinand zwar standhaft geblieben sein, doch die Lage war brenzlich. Plötzlich in den Hof hineingaloppierende Kürassiere des Grafen Dampierre sollen ihn gerettet haben.

Am folgenden Tag stand dann das böhmische Heer vor Wien. Die Höflinge waren in heller Aufregung. Ferdinand hingegen blieb gefasst. Er hielt Zwiesprache mit seinem Gott. Und der soll ihn zu Ausharren ermuntert haben – so die gerne verbreitete Legende der Katholiken.

Doch die Böhmen kamen zu spät. Denn die Stadttore waren jetzt von eilig herbeigeholten Truppen besetzt. Eine Unterstützung der Aufständischen durch die Wiener Bevölkerung war damit ausgeschlossen. Und zur Erstürmung der Stadt fehlte es Thurn an Soldaten und geeigneten Geschützen.

Ferdinand glaubte an seine Mission

Die verlotterte böhmische Armee plünderte die Umgebung der Stadt, schoss wild durch die Gegend und drohte. Als nichts fruchtete, zog sie ab. Ferdinand war vorerst gerettet. Die Unfähigkeit seiner Gegner, wie sein durch nichts zu trübender Glaube an seine Mission, hatte die Situation zu seinen Gunsten gewendet. Doch Böhmen war weiter in der Hand der Aufständischen. Erst 1620 gelang der kaiserlichen und vor allem der bayerischen Armee der entscheidende Sieg am Weißen Berg vor den Toren Prags.

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