Goldene Haarnadeln in silbernen Vasen

Kulturhistorische Notizen zur Katze im alten China

haarnadelnBei den Wörtern China und Katze kommen nicht nur bei Freunden der Schmusetiger gemischte Gefühle auf. Und doch war die Katze im chinesischen Kaiserreich ein geliebtes und verwöhntes Haustier. In ihrem Buch Goldene Haarnadeln in silbernen Vasen führt Margriet Gabrielle von Kispal ihre Leser in einen faszinierenden Aspekt chinesischer Kulturgeschichte ein: Die Entwicklung der Beziehung von Mensch und Katze durch die Jahrhunderte des chinesischen Kaiserreichs.

Auch wenn Ursprung, Abstammung und Verbreitung der Hauskatze heute weitgehend bekannt sind, liegen der Weg und der Prozess, den die vorderasiatische Wildkatze durchlaufen hat, bevor ihre Spuren etwa um 2000 v. Chr. in den Kulturen der Alten Welt sichtbar werden, im Dunkeln. Bis zu dieser Zeit hatte die Hauskatze zooarchäologischen Indizien zufolge über Jahrtausende hinweg auch räumlich einen weiten Weg zurückgelegt: Vom Fruchtbaren Halbmond über Mesopotamien und Pakistan bis nach China. Erst spät nach ihrer „Ankunft“ im Reich der Mitte wurde die unauffällige, noch halbwilde Kulturfolgerin von den Menschen wahrgenommen. Als sie sich schließlich bei den Menschen häuslich eingerichtet hatte, fand sie nicht nur Eingang in die Herzen der Chinesen, sondern auch in deren Literatur und Symbolik.

Mit der Sprache auf der Spur der chinesischen Hauskatze

Wann genau das war, bleibt wiederum im Dunkel der chinesischen Kultur verborgen. denn die Erwähnungen von Katzentieren sind hinsichtlich ihrer Zuordnung zu einer bestimmten Spezies oft nur schwer zu interpretieren. immerhin gibt es mehrere Begriffe, die sich auf Katzentiere und Nagerfänger unterschiedlichster Arten beziehen, auf welche genau ist bei den unterschiedlichen Quellen bei den Sinologen umstritten. Die Autorin widmet sich also zunächst der aufschlussreichen Auseinandersetzung mit der Terminologie, bis zu der Zeit ( ca. 2. Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends), in der sich die Bezeichnung mao für die Hauskatze und li für die Wildkatze herausgebildet hatte. Erfreulicherweise geht es der Autorin mit diesen Ausführungen nicht um ihre sprachwissenschaftliche Profilierung gegenüber dem Wissenschaftsbetrieb, sondern tatsächlich um die „kulturgeschichtlichen Aspekte der Rolle der Katze in der Gesellschaft des Kaiserreichs China“.

Animal hording im alten China

Und diese Aspekte arbeitet sie auf unterhaltsame Weise aus den zeitgenössischen Literaturquellen heraus. Hier begegnet die Katze dem Leser als geliebtes, verehrtes und verwöhntes Gesellschaftstier, als Träger abergläubischer und religiöser Symbolik oder als Gegenstand poetischer Kunstwerke. Und nun erfährt der Leser auch, was es mit dem für ein „Katzenbuch“ recht ungewöhnlichen Titel Goldene Haarnadeln in silberner Vase auf sich hat. Denn im alten China waren bereits alle Aspekte vertreten, die auch die heutige Katzenhaltung im Guten wie im Schlechten ausweist. Da gab es animal hording, Zuchtstandards, spezielles Katzenfutter, Tipps zur Katzenhaltung, Katzen als Prestigeobjekte oder hochwertige Handelsware. Und „Die goldenen Haarnadeln in silberner Vase“ ist der überaus poetische Name, mit der ein Katzenliebhaber seine weiße Katze mit rotem Schweif beschreibt.

Ein Muss für kulturgeschichtlich interessierte Katzenfreunde

Mit der Rolle der Katze in den drei wichtigsten Weltanschauungen Chinas endet der faszinierende Ausflug in die chinesische Kulturgeschichte der Katze. Die zahlreichen Zitate, Anekdoten und Hintergrundinformationen machen das Buch zu einer aufregenden Lektüre, die den meisten Lesern einen Einblick in eine neue, unbekannte Welt bietet. Selten ist der Klappentext hinsichtlich der Beurteilung eines Buches so treffend gewählt, wie in diesem Fall: „Diese Studie präsentiert […]ein faszinierendes und facettenreiches Bild der Entwicklung der Beziehung von Mensch und Katze durch die Jahrhunderte des chinesischen Kaiserreichs.“
Eine hochinteressante Studie, die zudem, die neben seinem Unterhaltungs- und Informationswert für Laien auch wissenschaftlichen Ansprüchen vollauf gerecht wird.

Margriet Gabrielle von Kispal: Goldene Haarnadeln in silbernen Vasen. Kulturhistorische Notizen zur Katze im alten China. Herbert Utz Verlag 2015. Gebunden, 224 Seiten.

Merken

Merken

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Ethnologie, Rezension

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s