Archiv der Kategorie: 1 Frühzeit

Heilsam, kleidsam, wundersam

Pflanzen im Alltag der Steinzeitmenschen

Einen Eindruck von der Vielfalt der Nutzung von Pflanzen in der Jungsteinzeit vermittelt das jüngst erschienene Sonderheft 15/2019 der Zeitschrift Archäologie in Deutschland. Dabei machen sich die Autoren Erkenntnisse der sogenannten Archäobotanik zunutze, die unter anderem in 20 ausgewählten Feuchtbodensiedlungen im Alpenvorland gewonnen und im Rahmen experimenteller Archäologie interpretiert wurden. Weiterlesen

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Mykene

Die sagenhafte Welt des Agamemnon

Die im Dezember 2018 eröffnete große Sonderausstellung zur Geschichte und Archäologie des mykenischen Griechenlands im Badischen Landesmuseum läuft noch bis zum 02.06.2019. Der umfangreiche Begleitband vermittelt nicht nur einen hervorragenden Eindruck von den Inhalten und Exponaten dieser Ausstellung sondern bietet dem Leser darüber hinaus die Möglichkeit einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit der Epoche, die hierzulande eng mit den Namen Schliemann und Homer verbunden ist.

Die europäische Entdeckung der griechischen Kultur

Rund 400 Jahre währte die erste Hochkultur auf dem Europäischen Festland, die nach dem Ort genannt wurde, an dem Heinrich Schliemann 1876 seine „Goldmaske des Agamemnon“ und zahlreiche andere Goldschätze ausgegraben hatte. Aber Schliemann war nicht der Erste und schon gar nicht der Letzte, der sich intellektuell und mit dem Spaten auf die Spuren der sagenhaften Frühgeschichte Griechenlands begab. Die Ursprünge dieser Spurensuche lagen in den politischen und wissenschaftlichen Umwälzungen der frühen Neuzeit aus der unter anderem die „Society of Dilettanti“ hervorging. Das Ziel dieser Gruppe wissenschaftlich-historisch interessierter englischer Aristokraten waren die antiken Stätten des damals zum Osmanischen Reich gehörenden Griechenland. 1807 wurden erstmals originale Skulpturen des Parthenon-Tempels einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der englische Diplomat Lord Elgin hatte sie der osmanischen Obrigkeit „abgetrotzt“ und an das Britische Museum verkauft. Damit war bei den westlichen Eliten die Vorstellung geboren, dass die griechische Kultur zu Europa gehörte und vom türkischen Joch befreit werden müsse.

Mykene – eine Entdeckungs- und Archäologiegeschichte

Die Verknüpfung von Archäologie und Politik hatte auch zur Folge, dass viele der Persönlichkeiten, die mit der Entdeckung und Erforschung der mykenischen Palastkultur befasst waren, bei uns weitgehend unbekannt sind. So beispielsweise der griechische Archäologe Panagiotis Stamatakis, der als offizieller Aufsichtsführender der Schliemannschen Grabungen dessen Raubgräbermethoden hilflos gegenüberstand. Oder Christos Tsountas der „Vater der griechischen Prähistorie“ und Georgios E. Mylonas, seit 1952 Mitglied des Ausschusses für die Ausgrabung des Gräberrundes B in Mykene. Immerhin mehr als 30 Seiten des großformatigen Kataloges widmen die Autoren der Entdeckungs- und Archäologiegeschichte der Mykenischen Kultur und stellen dabei die wichtigsten Protagonisten und die jeweiligen historischen Hintergründe ihres Wirkens vor. Bevor sie mit dem Kapitel „Eine Kultur entsteht“ in die Kulturgeschichte der Bronzezeit bis zur Etablierung der Mykenischen Kultur eintauchen.

Krieger, Händler und Paläste

Der Abschnitt „Die Zeit der Schachtgräber“ führt den Leser am Beispiel archäologischer Ausgrabungen in die frühmykenische Zeit. Ein Höhepunkt in diesem Kapitel stellten sicherlich die Funde und deren Interpretation aus dem sogenannten Grab des Greifen-Kriegers dar: ein ungestörtes Schachtgrab, das im Mai 2015 in der Nähe des „Palasts des Nestor“ in Pylos gefunden wurde. Palast ist auch das Stichwort des folgenden Abschnitts. Hier tritt der Leser in die eigentliche Epoche der Palastkultur ein, die zunächst regional erschlossen wird. Am Beispiel verschiedener allgemein bekannter und weitgehend unbekannter Herrschersitze wie Mykene selbst, Knossos, Theben oder „Nestors Palast“ entwickeln die Autoren ein umfassendes Bild der sozialen Strukturen, architektonischen Konzepte sowie kulturellen und ökonomischen Grundlagen der mykenischen Epoche. In diesem Zusammenhang erfährt der Leser viel über die Welt der mykenischen Frau, die Schrift der mykenischen Paläste oder die Ikonographie. Und nicht zuletzt arbeiten die Wissenschaftler die gemeinsame kulturelle Identität heraus die den Begriff Mykenische Kultur überhaupt erst rechtfertigt.

Die Lebenswelten der mykenischen Eliten

In den folgenden Kapiteln „Kult und Religion“ und „Leben, Arbeiten, Handeln“ steigen die Autoren tiefer in die Lebenswelt der bronzezeitlichen Hochkultur ein. Da geht es natürlich um Bestattungsriten und Kulte, um Häuser und Siedlungen, Speis und Trank, Handwerkskünste und Handel. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass sich diese Aspekte angesichts der bisherigen Ausgrabungsschwerpunkte vornehmlich auf die Palastkultur, also die Eliten beziehen. Rund 30 Seiten widmen die Autoren der Nachbetrachtung. Die bezieht sich sowohl auf den Zusammenbruch der Mykenischen Kultur und das folgende, beileibe nicht dunkle Zeitalter der Spätbronzezeit als auch auf die Einordnung der homerischen Epen als Erinnerung und Tradierung der großen, heroischen Zeit Mykenes.

Auf dem neuesten Stand der Forschung

Rund 100 Seiten Katalog, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und die obligatorische Zeittafel runden das Buch, das den Leser auf den neuesten Stand der Forschung bringt ab. Ganz nebenbei räumt es auch mit der zähen Vorstellung auf, dass die Mykenische Kultur durch Einwanderung indoeuropäischer Völker aus dem Norden und/oder als Fortsetzung der minoischen Kultur, nach ihrem plötzlichem Zusammenbruch entstanden sei. Tatsächlich, so haben DNA Analysen ergeben, gab es in der Bronzezeit keinen nennenswerten Zu- oder Abwanderungen. „Nicht die Menschen wanderten, sondern die Ideen und Impulse“, die sich wohl über die ausgeprägten Handelsverbindungen des ägäischen Raumes mit den vorderasiatisch/afrikanischen Kulturen gegenseitig beeinflusst haben.

Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Mykene. Die sagenhafte Welt des Agamemnon. Wbg Philipp von Zabern 2018. Gebunden mit Schutzumschlag, 392 Seiten.

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Ältester Knochen eines Hundes in Westfalen gefunden

Eiszeit-Ausgrabungen an der Blätterhöhle gehen weiter

Tibia-Knochen eines Hundes aus der späteisenzeitlichen Grabungsschicht.
Foto: LWL / T. Pogarell

Pressemitteilung vom 24.09.2018, Hagen (lwl). Die Blätterhöhle in Hagen ist eine der wichtigsten Fundplätze für die Steinzeit in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus. Bei der aktuellen Grabung auf dem Vorplatz der Höhle drangen die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und ihre Kooperationspartner tiefer in die Schichten aus dem Ende der letzten Eiszeit vor. Verschiedene neue Funde geben seltene Einblicke in die Umwelt und Lebensweise der Menschen vor über 11.500 Jahren. Dazu gehören Tierknochen mit Bearbeitungsspuren und Werkzeuge aus Feuerstein. Darüber hinaus könnte sich ein Knochenfund aus der späteisenzeitlichen Schicht als der älteste in Westfalen gefundene Hund herausstellen. Weiterlesen

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Rätselhaftes Totenritual am Göbekli Tepe

Anthropologen des Deutschen Archäologischen Instituts entdecken rituelle Ritzungen an 11.000 Jahre alten menschlichen Schädeln

Luftbild von Göbekli Tepe. Copyright DAI

Presseinfo des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) vom 28.06.2017: Was taten die Menschen vor 11.000 Jahren in den Steinkreisen zwischen den riesigen T-Pfeilern in Göbekli Tepe? Warum ritzten sie mit Feuerstein tiefe Spuren in die Schädel ihrer Vorfahren oder Feinde? Die Deutung des steinzeitlichen Kultplatzes Göbekli Tepe in der Südost-Türkei beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Die monumentalen Anlagen mit ihren großartigen Tierornamenten weisen auch Darstellungen geköpfter Menschen auf, die auf eine Nutzung des Platzes im Rahmen von rituellen Handlungen deuten. Fragmente menschlicher Schädel, die im Bereich der Anlagen gefunden wurden, geben erste Hinweise auf einen neuartigen Totenkult. Weiterlesen

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Prähistorische Befestigungsanlagen in der ostjordanischen Basaltwüste

Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts entdecken älteste befestigte Siedlungen in Vorderasien

DAI-Pressemitteilung vom 15.09.2016: Im Rahmen eines durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes erforscht die Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts seit 2010 die Basaltwüste im Nordosten Jordaniens. Dabei wurden unter anderem befestigte Siedlungen entdeckt, die im frühen bis mittleren vierten Jahrtausend v. Chr. auf Vulkanen in dieser Region errichtet wurden und somit zu den frühesten Befestigungen in Vorderasien zu zählen sind. Weiterlesen

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Uruk – Das Buch über eine Metropole am Anfang der Geschichte

Begleitband zur Ausstellung „5000 Jahre Megacity“

CovUrukAufgrund der in den letzten Jahren erschienenen Gilgamesch-Romane dürfte der Mythos des legendären göttlichen Königs der Stadt Uruk inzwischen bekannter sein, als die in ihren Ursprüngen möglicherweise nahezu ebenso alte Geschichte des babylonischen Stadtgottes Marduk. Genau umgekehrt verhält es sich mit den beiden mesopotamischen Metropolen Uruk und Babylon. Das vorliegende Buch „Uruk – 5000 Jahre Megacity“ liefert erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme der archäologisch-historischen Erkenntnisse, die die 100 Jahre währende Erforschung der Grabungsstätte bis heute erbracht hat. Dabei präsentieren die Autoren die vor mehr als 5000 Jahren entstandene Siedlung als die Wiege der städtischen Zivilisation. Weiterlesen

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„Lilith“ eine Bandkeramikerin vom Fundplatz Düren-Arnoldsweiler

Lilith (2)Als Anfang 2009 mit den archäologischen Ausgrabungen an der zukünftigen Trasse der A4 bei Düren begonnen wurde, war das Ende der Grabungen bereits festgelegt. Ende 2010 wurde die archäologische Fundgrube von überregionaler Bedeutung wieder zugeschüttet, um den Autobahnbauern das Feld zu überlassen. Die Auswertung dessen, was in den knapp zwei Jahren zwischen dem rheinländischen Düren Arnoldsweiler und Niederzier-Ellen entdeckt und an Daten gesammelt wurde, wird die Wissenschaftler und Restauratoren nach Einschätzung der Ausgräber noch wenigstens ein Jahrzehnt beschäftigen. Weiterlesen

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Die rätselhaften Vorfahren der Inka

ein Buch zur Vorgeschichte des Andenreiches

9783806223293-bDass die älteste Pyramide der Welt nicht in Ägypten, sondern in Peru steht, ist ein publikumswirksamer Aufhänger, der dem Klappentextleser das eigentlich Spektakuläre des Buchinhalts nur sehr bedingt offenbart. In „Die rätselhaften Vorfahren der Inka“ geht es um die Neubewertung archäologischer Funde und um die Entdeckung der mehr als 5000 jährigen durchgängigen Kulturgeschichte Perus. Weiterlesen

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„Uruk“ kommt nach Herne

Ausstellung über die erste Großstadt der Menschheit

(Pressemitteilungen des lwl). Die Ausstellung „Uruk“ über die erste Großstadt der Menschheit ist ab 3. November im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen: Nachdem die Sonderausstellung über 400.000 Besucher auf der Museumsinsel in Berlin hatte, kommt die Ausstellung über „5.000 Jahre Megacity“ als zweite Station ins Ruhrgebiet. Dort wird sie bis zum 21. April kommenden Jahres laufen.

„Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem Thema Uruk“, so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. „Die Schau präsentiert die Ergebnisse der vor 100 Jahren begonnenen deutschen Ausgrabungen und veranschaulicht das Leben in der altorientalischen Metropole.“ Schon vor 5.000 Jahren brachte Uruk im heutigen Irak (260 km südlich von Bagdad) alles mit, was Großstädte der Gegenwart auszeichnet: systematisierte Bewässerung, Straßenbau, intensiver Handel, kulturelle Zentren und – nach der Erfindung der Schrift – Bürokratie. Weiterlesen

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Vom Nil aus um die Alte Welt

ein Ausstellungskatalog zu Rekonstruktionen ägyptischer, minoischer und griechischer Schiffe

004Die Rekonstruktionen von fünf antiken Schiffen, darunter allein drei ägyptischen, stehen im Mittelpunkt des Ausstellungskataloges „Vom Nil aus um die Alte Welt“. Der Modellbauer und Keramikspezialist Michael Bormann konnte für seine Modelle neben Informationen aus archäologischem Material – wie beispielsweise die „Schiffsbestattungen“ an der Cheopspyramide oder Modelle als Grabbeigaben – auf zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zurückgreifen. Weiterlesen

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