Häfen für die Ewigkeit

Maritime Ingenieurskunst der Römer

Dass die alten Römer geniale Ingenieure waren, ist bekannt. Allein die Wasserleitungen oder das Kolosseum sprechen für sich. Der Wasserbau stellt allerdings zusätzliche Anforderungen an die Phantasie von Architekten und Ingenieuren, sind die jeweiligen Baustellen zwischen Wasser und Land doch recht dynamischen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Und ohne die Erfindung des legendären römischen Unterwasserbetons hätten die gewaltigen, oft kilometerlangen Molen, die die für das römische Reich lebenswichtigen Warenumschlagplätze des mare nostrum vor den Naturgewalten sicherten, nicht entstehen können.

Rekonstruktionen technischer Lösungen

Mit dem Buch „Häfen für die Ewigkeit“ präsentieren der Archäologe Gérard Coulon und der Archäologe und Rekonstruktionszeichner Jean-Claude Golvin den aktuellen Stand zum römischen Wasserbauwesen in Wort und Bild. Da – wie die Autoren betonen – Hafenanlagen bislang kaum erforscht sind, bilden genau diese den Schwerpunkt des vorliegenden Bandes, der an die Publikation zum Thema Bauwesen der römischen Armee anschließt. Die Autoren befassen sich sowohl in den Texten als auch in den detaillierten und zum Teil doppelseitigen Rekonstruktionszeichnungen vor allem mit den praktischen Problemen, denen sich die Baumeister und Arbeitskräfte zu stellen hatten. Die präsentierten technischen und organisatorischen Lösungsansätze sind dabei plausibel aber – obwohl auf archäologischen Erkenntnissen basierend und sorgfältig in historischen Quellen recherchiert – oft hypothetischer Natur.

Hafenanlagen als komplexe Strukturen

Die Autoren haben sich auf die Hafenanlagen mit ihren Molen, Kais, Lagerhäusern, Schiffswerften und Halligen und Leuchttürmen konzentriert. Schiffbau wurde bewusst ausgeklammert. Und auch hinsichtlich des Zeitrahmens haben sich die Autoren eingeschränkt. Der reicht vom 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (als der Unterwasserbeton in Gebrauch kam) bis zum Ende des 3. Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung. Dem/der LeserIn wird dennoch ein optisches und inhaltliches Spektakel geliefert, denn die Autoren klären nicht nur über die grundsätzlichen Herausforderungen und römischen Technologien auf, sondern untermauern ihre Ausführungen durch konkrete auch graphisch umgesetzte archäologische und historische Beispiele. Und so reist der/die LeserIn rund ums Mittelmeer und lernt die antiken Hafenanlagen beispielsweise von Alexandria (und seinem legendären Leuchtturm) oder Portus Ostia, den Vorhafen von Rom gewissermaßen in ihrer Bauphase kennen.

Die Entstehung legendärer Bauwerke

Jedem Element der Hafenanlagen ist dabei ein eigenes Kapitel gewidmet, etwa den Wellenbrechern und Molen, den ausgeklügelten Lagerhauskonstruktionen und nicht zuletzt natürlich den Leuchttürmen. Fragen, wie die notwendigen exakten Vermessungen unter Wasser, das Gießen der Betonfundamente am Meeresboden die Baustellenlogistik und vieles mehr technisch und organisatorisch bewältigt werden konnten, bilden dabei immer wieder die Schwerpunkte der Ausführungen und Rekonstruktionsillustrationen. Mit Kapiteln zu besonderen Leistungen der Ingenieure der römischen Kriegsmarine zu Wasser und zu Lande sowie weiteren Gedanken zum römischen Wasserbauwesen schließt der hochinformative und fesselnde Bildband ab.

Jean-Claude Golvin, Gérard Coulon: Häfen für die Ewigkeit. Maritime Ingenieurskunst der Römer. Wbg Philipp von Zabern 2021. Gebunden mit Schutzumschlag, 224 Seiten.

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