Schätze der Archäologie Vietnams

Sonderausstellung im LWL-Archäologiemuseum vom 7.10.2016 bis 26.2.2017 im LWL-Museum für Archäologie in Herne

Der Teller mit stilisierten Drachen gehörte einst zur Fracht einer mittelalterlichen Hochseedschunke. Foto: LWL/Binh

Der Teller mit stilisierten Drachen gehörte einst zur Fracht einer mittelalterlichen Hochseedschunke.
Foto: LWL/Binh

Aus der Pressemitteilung Herne (lwl). Unter den Exponaten, die bereits 3.000 Besucher in die Ausstellung gelockt haben, sind auch Funde aus zwei Schiffswracks: Im Frühjahr 1990 machte ein Fischer einen ungewöhnlichen Fang: Die Strömung trieb ihm mehrere Keramikstücke ins Netz. Sie stammten von einer Hochseedschunke, die im 15. Jahrhundert im südchinesischen Meer gesunken war. Schließlich gelang es Tauchern, deren Ladung zu bergen – trotz einiger Hindernisse durch einen Taifun und Hai-Attacken. Rund 240.000 Porzellanobjekte hatte das 30 Meter lange und sieben Meter breite Kastenboot in seinem Stauraum geladen. Es handelte sich überwiegend um vietnamesische Keramik des späten 15. Jahrhunderts, die aus den Brennöfen der Provinz Hai Duong stammte. Chinesische und thailändische Stücke lieferten Hinweise auf weitreichende Handelsbeziehungen. Insgesamt erreichte die Fracht einen Wert in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Einige dieser Fundobjekte aus dem Schiffswrack von Cu Lao Cham sind nun in Herne zu sehen. Dazu gehören ein Deckel mit Landschaftspanorama, Teller mit Drachendekor, Töpfe mit Tier- und Pflanzenornamenten sowie badenden Frauen oder eine Kanne in Form eines Phönix.

Auch die Vase in Gestalt eines Phoenix' war unter den Fundstücken am Meeresgrund. Foto: LWL/Binh

Auch die Vase in Gestalt eines Phoenix‘ war unter den Fundstücken am Meeresgrund.
Foto: LWL/Binh

Weitere Funde stammen aus dem Bootsgrab von Viet Khe, das mit seinen Beigaben zu den reichsten Gräbern der Eisenzeit in Vietnam gehört und dort als Nationalschatz gilt. Entdeckt wurde es – ebenfalls per Zufall – bei Bauarbeiten. In dem vor über 2.000 Jahren angelegten Bootsgrab fand man über 100 Fundstücke der Dong Son-Kultur. Der Tote war in einer Matte aus Flechtwerk in dem zum Sarg umfunktionierten Holzboot bestattet worden. Als Beigaben legte man ihm mehr als 90 Objekte mit ins Grab. Sie stellten die Grundausstattung eines Mannes aus der Oberschicht dar: Waffen, Werkzeuge, Gefäße zum Waschen und Tafelgeschirr und Musikinstrumente. Auch einige organische Reste hatten die Zeit überdauert, darunter eine bemalte Holzkiste mit weiteren kleineren Bronzebeigaben, ein Paddel, Reste eines Lederpanzers und über zwei Meter lange Speere.
Einige der Grabbeigaben, wie das Holzpaddel und vier Bronzeobjekte, werden derzeit eigens für die Ausstellung in Deutschland restauriert und im Januar ergänzend in die Vitrinen eingebracht.

Die Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ zeigt vom 7.10.2016 bis 26.2.2017 im LWL-Museum für Archäologie in Herne prunkvolle Zepter aus Stein, kostbare Fabelwesen aus Terrakotta, riesige Trommeln aus Bronze. Die Funde sind erstmals in Deutschland und Europa zu sehen. Sie stammen von historisch bedeutsamen Fundplätzen wie der Tempelstadt My Son im Dschungel Mittelvietnams und dem Kaiserpalast Thang Long in der Hauptstadt Hanoi, beides UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten. Die Ausstellung wagt erstmals in Deutschland einen umfassenden Blick auf dieses kulturell wie geschichtlich reiche Land, seine fernöstliche Lebenswelt zwischen dem Delta des Roten Flusses im Norden und dem Mekong im Süden.

Die Vorgeschichte zur Ausstellung: GeschiMag vom März 2012

Internationale archäologische Vietnam-Konferenz zur Vorbereitung der größten archäologischen Ausstellung außerhalb Vietnams, die ursprünglich ab 2014 zunächst in Herne und dann in Mannheim und Chemnitz gezeigt werden sollte.

Drachenkopf aus Terrakotta, Palastanlage Thang Long, 12. Jahrhundert. Foto: LWL

Hanoi/Herne (Presseinformation lwl). Vom 29. Februar bis 2. März fand im Goethe-Institut Hanoi ein international besetztes wissenschaftliches Kolloquium statt. In 22 Vorträgen berichteten renommierte Fachleute aus vier Kontinenten über die Kultur Vietnams von der Steinzeit bis in die jüngste Vergangenheit.

Auf der Tagung, an der mehr als 120 Wissenschaftler teilnahmen, war unter anderem eine eigene „Vietnamesische Mauer“ Thema: Über 127 Kilometer lang trennte das Bollwerk in Mittel-Vietnam im 19. Jahrhundert zwei Bevölkerungsgruppen. Weiteres Thema: Schon vor 2000 Jahren schmückten Reliefszenen Bewaffneter auf ihren wendigen Kriegsschiffen die riesigen Bronzetrommeln der Dong Son-Kultur. Im 11. Jahrhundert schützen Drachenköpfe aus Terrakotta die Palastanlage von Thang Long, die 2010 zum Weltkulturerbe ernannt wurden.

Die Tagung wurde eröffnet durch Prof. Dr. Sabine von Schorlemmer, Ministerin für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen, Nguyen Hun Toan, den stellvertrenden Leiter der Abteilung des Kulturerbes Vietnams, von Dr. Meyer-Zollitsch, der Direktorin des Goethe-Instituts in Hanoi und Dr. Barbara Rüschoff-Thale, der Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Zur deutschen Delegation gehörten der Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, Prof. Dr. Alfried Wieczorek, die Landesarchäologin des Freistaates Sachsen, Dr. Regina Smolnik, und der Leiter des LWL-Museums für Archäologie in Herne, Dr. Josef Mühlenbrock.

Hier gehts zur Ausstellungshomepage

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Archäologie, Ausstellungen, Pressemitteilungen

5 Antworten zu “Schätze der Archäologie Vietnams

  1. „, die aus den Brennöfen der Provinz Mai Duong stammte“
    bitte ausbessern in –> Hai Duong
    ———-
    „eine eigene „Vietnamesische Mauer“ Thema: Über 127 Kilometer lang trennte das Bollwerk in Mittel-Vietnam im 19. Jahrhundert zwei Bevölkerungsgruppen. “
    ?????
    – Mauer und 127 km lang und in Mittel-VN ???
    Wo soll denn diese Mauer sein, … da würden mich genauere Info interessieren

  2. ja OK, kann man auch nutzen EE-wikipedia, die vietnamesische Ausgabe hat meistens mehr Details als die Englische. Das gleiche gilt für die englischen Zeitungen aus Viet Nam.
    Bei google (YT etc) findet man auch mehr Details nur bei vietnamesischer Abfrage, also „Trường lũy Quảng Ngãi“.

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