Raimondo di Montecuculli – Eine barocke Karriere unter dem Doppeladler 2

Von Dr. Klaus-Jürgen Bremm, Osnabrück

Teil 2 Monteculli, Diplomat und Literaturförderer

Raimondo-montecuccoliWohl auch mit Hilfe seines italienischen Landesherrn war Raimondo di Montecuculli nach drei Jahren schwedischer Gefangenschaft im Mai 1642 endlich wieder frei gekommen. So diente er 1643 auch zunächst seinem Herzog im so genannten Burgenkrieg (Guerra di Castro) gegen den Papst und kehrte erst im Jahr darauf auf das deutsche „Kriegstheater“ zurück. Hier war seine Anwesenheit bitter nötig, vor allem nach der erneuten schweren Niederlage der Kaiserlichen in der zweiten Schlacht bei Breitenfeld im November 1642.

Seine Beförderung zum General-Feldzeugmeister war Montecucollis von Wien ohne Weiteres akzeptierte Bedingung für die Rückkehr unter die kaiserlichen Fahnen. Eine Wende konnte allerdings auch er nicht mehr bewirken. Auf Breitenfeld folgten die Katastrophen von Jankow (1645) und Zusmarshausen und ein grimmiger Montecucolli notierte damals, dass es jenseits von Pflicht und Ruhmsucht nur noch die reine Verzweiflung sei, die sie mit der Wut von Teufeln kämpfen lasse. Bei Eintritt des Westfälischen Friedens war er General der Kavallerie und „wirkliches“ Mitglied im Wiener Hofkriegsrat. Friede und Demobilisierung stellten ihn jedoch vor die Frage der beruflichen Neuorientierung.

Als Diplomat nach Uppsala

Queenchristine

Christine, Königin von Schweden

Verhandlungen über einen Eintritt in das spanische Heer zogen sich bis 1655 hin, doch der desolate Zustand der ehedem größten Militärmacht Europas hielt ihn zuletzt davon ab. Nach einer erneuten, aus der Verlegenheit entstandenen schriftstellerischen Phase (Dell`Arte Militare, 1653), sah er sich endlich im Dezember 1653 vom Wiener Hof mit einer heiklen diplomatischen Mission nach Schweden betraut. Die Gerüchte von einer Abdankung der Königin Christine und ihren Übertritt zum Katholizismus hatten sich verdichtet und Montecucolli, der trotz seines eher grimmig wirkenden Äußeren den Ruf eines vollendeten Kavaliers genoss, sollte dem kaiserlichen Hof direkt über alles berichten. Auf seiner viermonatigen Reise nach Uppsala gelang es ihm tatsächlich, das Vertrauen der offenbar kapriziösen Monarchin zu gewinnen und manche Gerüchte vermuteten sogar noch mehr. Jedenfalls behandelte Montecucolli den ihm damals verliehenen Amaranthenorden mit einem Bild der Königin in diamantgefassten Rahmen zeitlebens als besondere Preziose.

Aufstieg und Heirat in höchste Wiener Kreise

Seine zweite diplomatische Mission führte ihn im September 1654 nach Antwerpen, wo sich die inzwischen abgedankte Königin vor ihrer geplanten Konvertierung in den Schutz des spanischen Monarchen begeben hatte. Kühne Kombinationen wurden durchgespielt. An der Spitze von 10.000 Mann, die Christine finanzieren wollte, sollte Montecucolli im Bündnis mit dem Kaiser ihre pommerischen Güter vor dem Zugriff ihrer schwedischen Landsleute retten. Andere Pläne sahen vor, dass sich die am 24. Dezember 1654 tatsächlich zum Katholizismus konvertierte Tochter Gustav Adolfs II. beim Papst um einen Kardinalshut für Montecucolli verwenden wollte. Doch der Modeneser war zu nüchtern, um derartige Projekte allzu lange verfolgen. Bereits 1656 schien er wieder fest in höchste Wiener Kreise integriert, so gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Academica Italiana dei Novelli zur Förderung der italienischen Literatur, an der außer zwölf weiteren hochgestellten Adligen auch Kaiser Ferdinand III. und seine zweite Gattin, Eleonora di Gonzaga, beteiligt waren. Die später sehr einflussreiche Witwe, mit einem eigenen Hof, der so genannten Favorita, war stets bestrebt, die Dienste ihres befähigten Landsmanns für das Haus Habsburg zu sichern. So vermittelte sie 1657 die Heirat des immerhin schon 48-jährigen Montecucolli mit einer ihrer Hofdamen, der 30 Jahre jüngeren Margarete v. Dietrichstein aus einer der ersten Familien Österreichs.

Auch der neue Kaiser, Leopold I., schien Raimondo di Montecuculli wohl gesonnen und lud seinen literarisch so ambitionieren General ausdrücklich mit einem selbstverfassten Sonett ein, Mitglied in der von ihm gegründeten Gesellschaft der „Illustrati“ zu werden. So sehr Montecucolli diese Aufforderung geschmeichelt haben dürfte, konnte er doch das notorisch geringe Interesse seines neuen Monarchen für militärische Fragen nie wirklich akzeptieren. Obwohl Leopold I. während seiner fast 50 Regierungsjahre außer dem Nordischen Krieg fünf große Waffengänge gegen Türken und Franzosen führen musste, fehlte es ständig an Geld für die Armee, während offenbar Unsummen für eine pompöse Hofhaltung ausgegeben wurden.

Teil 1 Montecuculli Soldat und Literat

Teil 3 Raimondo di Montecuculli, Reformer, Stratege, Visionär

Merken

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s