Alexander von Humboldt

Das graphische Gesamtwerk

www.wbg-darmstadt.deDie wissenschaftliche und literarische Vielseitigkeit des Naturforschers, Anthropologen und Reiseschriftstellers Alexander von Humboldts ist allgemein bekannt. Immerhin, zwei Dutzend Bücher, rund fünfhundert Aufsätze und Artikel hat er publiziert und –das ist der weniger bekannte Teil seines Schaffens – illustriert. Mehr als 1500 Abbildungen stammen entweder aus seiner Feder oder sind nach seinen Skizzen und Vorstellungen von Zeichnern, Stechern und Druckern angefertigt worden. „Alexander von Humboldt. Das graphische Gesamtwerk“ versammelt sämtliche Abbildungen aus Humboldts Schriften.

Wie kaum anders zu erwarten, hat der ausgebildete Zeichner und Graphiker Alexander von Humboldt auch bei der „ästhetischen Inszenierung wissenschaftlicher Erkenntnisse“ Maßstäbe gesetzt. Insbesondere die Verbindung von Graphiken, Bildern und Text hat die Visualisierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen bis in die heutige Zeit geprägt. So manches Schaubild der modernen Datenvisualisierung basiert auf dem Konzept Humboldts. Der Humboldt-Spezialist Oliver Lubrich formuliert das in seiner ausführlichen Einleitung – auf die der Betrachter der Bilder immer wieder zurückgreifen sollte – folgendermaßen:
„Seine thematischen Landkarten inspirierten die Gestalt von Atlanten. Seine isothermen Linien zeigen weltweite Zusammenhänge und prägen bis heute die Wetterkarten der Meteorologie. Seine Gebirgsprofile, die Goethe nachzuahmen versuchte, beschreiben die Ökologie und die Schichtung von Biozonen.“

Zentralbibliothek_Zürich_-_Ideen_zu_einer_Geographie_der_Pflanzen_nebst_einem_Naturgemälde_der_Tropenländer_-_000012142Ausschnitt aus: Geographie der Pflanzen der Tropenländer. Entworfen von A. von Humboldt, gezeichnet 1805 in Paris von Schönberger und Turpin, gestochen von Bouquet, die Schrift von L. Aubert, gedruckt von Langlois (Wikimedia, public domain)

Die Hintergründe zu Humboldts graphischem Werk

Bei seinen Illustrationen behandelte Humboldt entsprechend seiner Forschungsgebiete recht unterschiedliche Themenbereiche. Dabei bediente er sich verschiedener Darstellungsweisen, Kunstrichtungen und Bildsprachen. Und während die Abbildungen des opulenten Bandes in Frühwerk, Voyage (Amerikanische Reise), Spätwerk und verstreute Schriften gegliedert sind, erläutert Oliver Lubrich die Hintergründe des graphischen Werkes Humboldts nach Sachgebieten. Er beginnt mit den Reiseilustrationen, geht weiter mit dem archäologischen Werk, lässt Pflanzen und Tiere, Landschaften folgen. Betrachtungen zu museologischen Aspekten, Humboldts Medientheorie, den Diagrammen, den Karten und schließlich der Darstellung Humboldts durch andere Künstler runden die Ausführungen ab.

Für Auge und Verstand

Vor diesem Hintergrund entfalten die unkommentierten Abbildungen der folgenden 710 Seiten nicht nur ihren ästhetischen Reiz. Die vorangegangenen Hintergrundinformationen liefern dem Betrachter gewissermaßen eine fesselnde kulturgeschichtliche Metaebene, die die eigentliche Faszination des mächtigen und prächtigen Bildbandes ausmacht. So ist das mehr als drei Kilogramm schwere Werk Augenschmaus und kulturgeschichtliche Informationsquelle zugleich. Denn Im Anhang findet der Leser auch die vollständige Werkübersicht, Bildbeschreibung und Zeittafel.

Oliver Lubrich: Alexander von Humboldt. Das graphische Gesamtwerk. Lambert Schneider, Sonderausgabe 2016. Gebunden, 800 Seiten.

 

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Rezension

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