Die Monster kommen!

Große Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

ab 7. Mai 2015 fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik

Monster 01_Medusa

Franz von Stuck: Medusa, 1892, Museen der Stadt Aschaffenburg

(Pressemitteilung des Germanischen Nationalmuseums) Feuerspeiende Drachen, furchterregendes Höllengetier, aber auch gutmütige, dem Menschen hilfsbereit zur Seite stehende Fabelwesen: Monster halten ab 7. Mai 2015 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg Hof. Rund 200 Objekte berichten dann von Monstermythen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die spektakuläre Sonderschau auf Hochtouren. Die eigene Sammlung wurde nach geeigneten Objekten durchgesehen, Gemälde, Skulpturen und kostbare Buchmalereien für die Präsentation ausgewählt. Hochkarätige Leihgaben aus dem In- und Ausland ergänzen die umfangreiche Präsentation.

Ein Highlight, das als Leihgabe der Museen der Stadt Aschaffenburg nach Nürnberg reisen wird, ist die Darstellung eines Medusenhaupts von Franz von Stuck. Bei der Medusa handelt es sich um ein Geschöpf der antiken Mythologie, um eine der drei Gorgonen. Ovid beschreibt sie in seinen „Metamorphosen“ als weibliche Ungeheuer mit Schlangen statt Haaren, kräftigen Armen und goldenen Flügeln. Aus ihren Mündern hängen angeblich rote Zungen zwischen spitzen Zähnen heraus. Ihr Anblick sei so schrecklich, dass er jeden, der sich ihnen nähert, sofort zu Stein verwandelt. Zwei der Gorgonen sind unsterblich, einzig der dritten – Medusa – könne man ein Ende bereiten.

Das Gemälde stammt aus dem Jahr 1892 und macht damit deutlich, wie lange sich manche Ängste in der Vorstellungswelt der Menschen hielten. Eindrucksvoll setzt Franz von Stuck den Medusenkopf in Szene. Aus weit aufgerissenen Augen starrt die Gorgone den Betrachter finster an. Ihr dunkles Schlangenhaar windet sich wild um das bleiche Gesicht und verschwimmt mit dem bedrohlich schwarzen Hintergrund. Stuck konzentriert sich auf die Wiedergabe des Wesentlichen, des Gefährlichsten der Medusa – auf ihr Gesicht. Ihr Blick vermag andere zu versteinern, ihr Haupt ist das zentrale Machtinstrument. Die Medusa ist aber nicht nur gefährlich und schlau, sondern auch schön.

Ende des 19. Jahrhunderts übten Darstellungen von weiblichen Monstern eine besondere Faszination aus. Die Motive waren ambivalent, neben der Bedrohung betonten Künstler auch die verführerisch-schönen Reize weiblicher Figuren. Die sinnliche Frau, die den Mann verführt, ihn willenlos und ihr untertan macht, war ein Thema, vor dem sich das vermeintlich starke Geschlecht auch in der Realität fürchtete. Die gesellschaftliche Rolle der Frau änderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, Frauen wurden selbstbewusster und kämpften für politische Gleichstellung. Viele begrüßten diese Entwicklung, doch manchem bereitete sie auch Unbehagen. Edvard Munch setzt auf seinem Gemälde die Frau mit einem Vampir gleich. Auf den ersten Blick stellt er ein Paar in inniger Umarmung dar. Genaueres Betrachten offenbart jedoch eine Frau, die sich über einen Mann beugt, zubeißt und ihm das Blut aus dem Hals saugt. So wird die historische Angst vor der Medusa und dem Vampir in die Gegenwart des ausgehenden 19. Jahrhunderts transportiert.

Auffällig ist, dass es meist das Fremde, Unbekannte ist, was dem Menschen Angst bereitet. Sowohl Stuck als auch Munch pflegten komplizierte Verhältnisse zum anderen Geschlecht. Auch Fabelwesen, halb menschliche, halb tierische Gestalten, Wundervölker oder Fantasiefiguren: alles Fremde schreckt erst einmal ab. Lernt ein Protagonist eines dieser Wesen näher kennen, wandelt sich das Bild. Der furchterregende Drache wird zum Freund und Beschützer, hinter dem schrecklichen Biest verbirgt sich ein verwandelter Prinz. Vor allem die Romanliteratur des 19. Jahrhunderts kennt dieses Phänomen, das Disney-Filme gerne aufgreifen. In der „Monster-AG“ haben auch die Monster Angst. Sie fürchten sich vor kleinen Kindern. In Maurice Sendaks Kinderbuch sind es die vermeintlich „Wilden Kerle“, die sich vom Jungen Max zähmen lassen und ihn zu ihrem König wählen.

Auch der Karikaturist und Comiczeichner Christian Moser verleiht seinen „Monstern des Alltags“ eine menschliche Note. Seit der Jahrtausendwende beschäftigt er sich intensiv mit dem menschlichen Missverhalten. Sein „Groll“ besitzt zwar spitze Zähne, mit den beleidigt vor der Brust verschränkten Armen erinnert er aber eher an ein trotziges Kind als an ein gefährliches Unwesen. Den ursprünglich negativen Eigenschaften verleiht Moser damit eine ironisch-humorvolle Seite, die uns Menschen nahe ist.

Ab 7. Mai 2015 kann man alle diese Monster im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg näher kennenlernen. Begleitend zur Ausstellung zeigt das Filmhaus Nürnberg ein umfangreiches Filmprogramm mit monstermäßigen Kinderfilmen, Klassikern der Stummfilmära und ausgewählten Horrorstreifen. Ein rund 500 Seiten starker Katalog wird sich umfassend dem Thema widmen, regelmäßige Führungen die Monster den Besucher näher bringen.

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Eingeordnet unter Ausstellungen, Geschichte im Querschnitt, Pressemitteilungen

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