Höfische Kleidung im Barock Teil 2

Von lässigen Rheingrafen und einfallsreichen Herzoginnen

Ludwig XIV. von Frankreich

Ludwig XIV. von Frankreich

Der Beginn des Hochbarock lässt sich auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg datieren. Die Sehnsucht nach Frieden prägte diese Jahre und damit verschwand auch alles an militärischen Formen aus der Mode.

Die Herrenmode jener Jahre wird zusehends legerer, berühmt berüchtigt in dieser Zeit waren die „Rhingraves“ (also Rheingrafen-Hose oder auch „petticoat breeches“), benannt nach dem Grafen von Salm, der in den 1660er Jahren als Gesandter am französischen Hof wirkte. Ähnlich wie heute saß die Hose tief auf der Hüfte, reichte aber nur bis zur Wade und wurde gern mit Spitze und Bändern geschmückt. Dazu verbrauchte ihre Herstellung Unmengen Stoff, vorzugsweise helle und dunkle Seide. Inspiriert vom Grafen von Salm trug der junge Ludwig XIV. diese außerordentlichen Hosen und machte sie zunächst an seinem Hof und damit in ganz Europa populär.
Der Dreißigjährige Krieg hatte die Hegemonie der Habsburger beseitigt und Frankreich gelangte neben Schweden und den Niederlanden in eine Großmachtposition. König Ludwig XIV. (1638 bis 1715) konnte durch geschickte Außenpolitik die französische Vormachstellung in Europa ausbauen und behaupten. Sein Schloss in Versailles entwickelte sich zum Mittelpunkt von Politik und Kultur – aus sämtlichen Ländern strömte der Adel herbei, jeder noch so kleine Fürst strebte danach, dem „Sonnenkönig“ zu gleichen. Da nicht jeder in der Lage war, selbst nach Paris zu reisen, machten sich Schneider mit Wachsfiguren auf den Weg zu den verschiedenen Höfen. Ludwig sorgte mit seiner Politik des Merkantilismus, also hohe Zölle auf eingeführte Waren und niedrige Zölle auf den Export, für eine wachsende Modeproduktion im eigenen Land. Die Herstellung der wertvollen Spitze überholte in Qualität sogar das dafür bekannte Venedig.

Vom Uniformrock zum Modetrend

Ludwig XIV. mit Hofstaat

Ludwig XIV. mit Hofstaat

Waren die schon erwähnten „Rhingraves“ mit allerlei modischen Tand der Inbegriff für Lockerheit so wandelte sich die Mode in den 1670er Jahren hin zu einer Seriosität und gewissen Steifheit. Eine wichtige Rolle spielt dabei das feste Heer Frankreichs, das die Vormachtstellung des Landes sichern sollte. Durften sich die Landsknechte noch so kleiden wie sie wollten, galt nun die einheitliche Kleidung als Erkennungsmerkmal. Der Uniformrock entstand nach Vorbild des Ärmelrocks der Landsknechte, doch zeichnete er sich bald durch mehr körpernähe also „Juste-au-corps“ aus. Röhrenärmel mit großen Aufschlägen, aufgesetzte Taschen, ein geschlitzter Rockschoß und Knöpfe als Verschluss zeichneten den „Juste-au-corps“ aus. Da Ludwig einen ähnlichen Uniformrock wie seine Soldaten trug, wenn er sein Heer besuchte machte der „Juste-au-corps“ schnell hoffähig. Dort trug ihn der Adlige von Welt natürlich aus Samt und Brokat. Die Hosen wandelten sich von den lockeren „Rhingraves“ nun zu engen Kniehosen, die wesentlich besser mit den Uniformröcken harmonierten. Dazu passten elegante Seidenstrümpfe und Halbschuhe mit Schnallen und Absätzen. Rote Absätze durfte allein der Adel tragen. Aus dem Spitzenkragen entwickelte sich allmählich die Krawatte. Nicht zu vergessen die Perücke: Ludwig XIV. war kein großgewachsener Mann, um diesem Eindruck abzuhelfen trug er eine hohe Perücke, die sogenannte „Allonge“. Diese wuchsen im Laufe der Jahre mehr und mehr in die Höhe und erreichten in Fülle, Länge und eben Höhe ihren Höhepunkt um 1690. Nach der Jahrhundertwende begannen die Herren ihre Perücken für Staatsangelegenheiten weiß zu pudern. Diese Perücken findet man heute noch, allerdings in wesentliche reduzierterer Form, bei Gericht in Groß Britannien.

Mode ist Männersache

Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz, Herzogin von Orléans

Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz, Herzogin von Orléans

Mode scheint im 17. Jahrhundert besonders ein Gebiet der Männer gewesen zu sein. Die Damenmode erscheint selbst unter Ludwig XIV. zurückgenommener und weniger verschwenderisch. Im Zuge des Aufstiegs Frankreichs zeigte sich die Kleidung der Frauen formeller und steifer als vor dem Ende des Krieges. Die Corsage, Lieselotte von der Pfalz (eigentlich: Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz, Herzogin von Orléans. 1656 bis 1722).berühmt berüchtigte Schwägerin des Königs, nannte sie das Leibstück, bestand aus Fischbein und Metallstäben. In Frankreich schnürten sich die Damen das Korsett vorn, darüber kam dann das Mieder. Der häufig mit Perlen oder Pelz geschmückte „Stecker“ verdeckte dann die Schnürung. Schleifen am Mieder trugen Namen wie „Liebling“ oder „Rühr mich nicht an“. Die spitze Taille verband sich mit dem „Manteau“ (dem Oberrock). Dieser öffnete sich über der „Jupe“ (Unterrock). Die beiden Röcke waren oft von unterschiedlicher Farbe und Muster. Ein schöner Faltenwurf gelang durch Gesäßpolster, die auf Französisch „Bouffanten“ heißen. Äußerst beliebt im Barock waren kräftige Farben und glänzende Seidenstoffe – es versteht sich von selbst, dass diese dem Adel vorbehalten blieben. Das Bürgertum sollte sich mit einfacheren Stoffen begnügen. So heißt es in dem Extrakt fürstlicher Verordnungen aus den Jahren 1667 und 1685 (gedruckt 1695 in Gotha):

CLASSIS IV.
Worinnen enthalten gemeine Raths-Herren in grössern / und die Bürgemeister in kleinern niedrigen Collegien und Städten / gemeine Schulbedienten / Procuratores, Notarii, Schreiber / auch erbare vermögende Handels-Leute / Cramer und Künstler / deßgleichen Aufwärter und Aufwärterinnen die bey vornehmen Personen sich befinden / weniger nicht auch gemeine Hof-Diener.
Diese mögen tragen: Inländisch Tuch à 1. fl. oder frembdes auf 1½. fl. werth. [fl = Florentiner oder Gulden] Item Schamloth  [seit dem Mittelalter beliebter, feiner französicher Wollstoff] oder auch doppel Taffet und geringes seidenes Zeug à 1. Thlr. würdig. Schlechte weisse Hauben und andere erbare und sonst gepflogene Tracht.

Hingegen ist ihnen verbothen alles andere derer vorhergehenden Classen / ingleichen Schleyer die Ehle über 12. gr.
Weisse Spitzen über 4. gr.
/ Schwartze oder andere Farb geklöpelte Spitzen / Ungefärbte Marder / Schmuck oder Ketten über 30. fl. werth (die Ketten aber mögen sie allein auf Ehren-Gelacken tragen.)

Perlen / deren das Loth mehr als 5. Thlr. werth. / Gläserne oder falsche Perlen / Vergüldete oder versilberte Haar-Nadeln.

[5] Hinten zugeschnierte Leib-Stücke. Spitzige / hohe / weisse und ausgehackte und gestepte und dergleichen neuerliche Schue.
Item verbothen sind in der Trauer / Maulschleyer die auf die Erde stossen und um den Leib angestecket sind / mit weissen Schürtzen.
Alles bey Straffe 3. 6. in 10. Thlr. Bey Begräbnissen der Kinder und unverheyrathen Personen sind verbothen die Bischoffs-Kräntze / dargegen sie 2. Creutzer gebrauchen mögen.

CLASSIS V.
Worinnen enthalten gemeine Bürger und Handwercker / wes Vermögens die auch sind / wie auch Dienstbothen.
Diese mögen tragen zu höchsten Ehren / gut Landtuch / taffete Schürzten.
Zum Schmuck: Corallen mit kleinen Perlen unterschnürt / und gekrümtes Gold.

Hingegen haben sie sich zu enthalten aller frembder Tücher / Zeuge und Seiden-Waaren; Item Leinwand die Ehle über 6. gr. werth.
Alles Flors / schwartz und weiß / Seidener Hauben und Mützen / auch der Müffe / die aussen mit frembden Peltz verbrähmet sind / Geklüpffelter weisser Spitzen / die Ehle über 2. gr. und aller schwartzen Spitzen.
Alles bey Straffe 2. 3. 4. bis 5. Thlr. Wegnehmung der verbothenen Kleider und Zieraths / oder Gefängnis; und endlich / da sie über Verwarnen und gebrauchte Straffe nicht abliessen / mit Vorstellung ans Halßeisen und Verweisung der Stadt oder Ambts.
Bey Trauer-Fällen sollen sie sich enthalten der langen Traur-Mäntel bis auf die Erde / und die Weiber der weissen Leide-Schleyer vom Haupt bis auf die Füsse.

[6] Bey Begräbnissen der Kinder und unverheyratheten Personen sind verbothen die Bischoffs-Hüte / und sollen nicht mehr als 1. Creutz und 2. Kräntze zugelassen werden

Die Haare frisierten die Damen mittels eines Drahtgestells hoch. Als Vorbild gilt Marie Angélique de Scoraille de Roussille, Duchesse de Fontanges, eine Maitresse des Königs. Bis zu 60 Zentimeter gelangten die Frisuren in die Höhe. Aber auch hier stellen die Kostümhistoriker um die Jahrhundertwende einen Wandel zu weniger Höhe fest. Dennoch kann sich die Aufwendige Haartracht bis etwa 1715 als Mode halten. Sowohl Frauen als auch Männer schmückten sich zusätzlich gern mit Schönheitspflästerchen. Schminke und Parfum waren an der Tagesordnung, da Wasser im Verruf stand, Krankheiten zu fördern.
Um 1720 herum endet das Zeitalter des Barock, das neben der Kleidung mit weiteren interessanten Themen aufwartet.

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