Die höfische Kleidung im Barock Teil 1

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Gustav II Adolf von Jakob Elbfal ca. 1630

Von extravaganten Landsknechten und mutigen Königen

Der Dreißigjährig Krieg und seine Folgen prägten das 17. Jahrhundert, nicht nur in politischen und religiösen Belangen, sondern auch in Sachen Kleidung. Während der spanische und österreichische Hof an der strengen spanischen Hofkleidung festhielten, lockerte sich der Modestil im übrigen Europa etwas auf. Vorbild, besonders für die Herrenmode, war seit den 1620er Jahren die Kleidung der Soldaten. Aber auch reiche niederländische Kaufleute beeinflussten den Kleidungsstil besonders zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Dirck Hals: Merry Company

Dirck Hals: Merry Company

Das 17. Jahrhundert nannten die Niederländer „Gouden Eeuw“ (Goldenes Zeitalter), es gelang ihnen, sich von der Spanischen Herrschaft zu befreien und zu einer der bedeutendsten Handelsmächte im damaligen Europa aufzuschwingen. Damit gaben sie auch in Kultur und Kleidung den Ton an. Allmählich  passte sich diese wieder den natürlichen Proportionen an und Merkmale der Spanischen Mode wie die Auspolsterungen „Heerpauken“ und Wämse verschwanden. Hosen durften nun locker  fallen und reichten bis über die Knie. Dieses lässige Aussehen trug ihnen den Namen „Schlumperhosen“ ein. Der unbequeme „Mühlsteinkragen“ wandelte sich zunächst bei den Männern zu einem auf die Schultern fallenden Spitzenkragen. Auch die Frauenmode veränderte sich, allerdings etwas langsamer. Der Schulterkragen hielt bei den Frauen seit den 1630er Jahren Einzug und gab nun auf wieder den Blick auf einen Ausschnitt frei. Dieser zeigte sich zunächst viereckig und wandelte sich schließlich in ein Oval. Rock und Oberteil verloren ihre starren Formen, die gepolsterten Reifröcke verschwanden, Ärmel wurden lockerer und erhielten breite Bündchen. Helle Farben wie gelb und rot ersetzten die dunklen Töne der spanischen Hofkleidung, dazu wurden leichtere Stoffe bevorzugt. In den oberen Schichten kleideten sich die Damen gern in glänzende Seidenstoffe. Damit schwand die spanisch geprägte Verleugnung des weiblichen Körpers. Besonders die großen Niederländischen Maler jener Epoche wie David Beck, Dirck Hals oder Jan Vermeer vermitteln ein anschauliches Bild der damaligen Kleidung.

Der Einfluss des Krieges auf die Kleidung

Anthonius van Dyck: Lord John Stuart und Lord Bernard Stuart

Anthonius van Dyck: Lord John Stuart und Lord Bernard Stuart

Allgegenwärtige Erscheinungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren für viele Menschen sicherlich die Landsknechte, die für ihre jeweiligen Herren im Dreißigjährigen Krieg kämpften. Es gab kein stehendes Heer und keine Uniformen, also konnten diese Söldner selbst bestimmen wie sie sich kleideten und fielen mit ihrer bunten, extravaganten Kleidung auf. Söldner bewegten sich außerhalb des gesellschaftlichen Gefüges, sie provozierten gern mit diesem Umstand und machten das auch in ihrer Kleidung deutlich – sie wurden gleichsam gefürchtet und bewundert. Trotz oder gar wegen dieser Verwegenheit übernahmen während des Krieges bessergestellte Männer viele Elemente der soldatischen Kleidung. Dazu gehörten über die Knie reichende (Stulpen-) Stiefel, gern mit Sporen, wobei besonders diejenigen, die nicht kämpften, die größten Sporen trugen. Lederhandschuhe und der soldatische Ärmelrock, der anmutig über der Schulter drapiert wurde, gehörten nicht mehr länger nur zur Tracht der Landsknechte. Ebenso durften ein Filzhut mit breiter Krempe und das sogenannte „Koller“ aus Leder nicht fehlen. Soldaten trugen das aus Leder bestehende westenähnliche Kleidungsstück über ihrem Wams. Schon zum Ende des 15. Jahrhunderts das Koller auf, zu der Zeit aber mehr als Kragen und Halsschutz. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine Art Jacke ohne Ärmel. Die kamen um 1630 dazu, zunächst waren sie nur angenestelt, später auch angenäht. Ein besonderes Schicksal widerfuhr dem Koller, das Gustav II. Adolf 1632 während der Schlacht bei Lützen trug, in der er sein Leben verlor. Über einige Umwege als Kriegsbeute für den Habsburger Kaiser Ferdinand II. (1578 bis 1637) und Ausstellungsstück im Heeresmuseum gelangte es nach dem ersten Weltkrieg schließlich nach Stockholm. Dort ist es noch heute in der Livrustkammaren (Leibrüstkammer) zu besichtigen.

Haare wie die Rocker

Jürgen Ovens: Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf

Jürgen Ovens: Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf

Die Haare der Männer durften, gern gelockt, auf die Schulter fallen – der neue Kragen machte es möglich. Einige Herren trugen sogar einen langen Zopf über einem Ohr, wie es bei König Christian IV. von Dänemark zu sehen ist. Beliebt sind zudem Spitzbärte à la Wallenstein, den aber auch sein Gegner Gustav II. Adolf von Schweden zu tragen pflegte. Die Damen trugen die Haare ebenfalls gern gelockt und schulterlang. Als Accessoires dienten Bänder, Schleifen und Spitze – und das nicht nur bei den Frauen. Besonders der modebewusste Mann verzierte gern seine Hosen mit Schleifen, die auch die Strümpfe unter dem Knie festhalten sollten. Spitze erfreute sich ebenfalls großer Beliebtheit, es gab einige Herren, die ihre Stiefelstulpen verschwenderisch damit ausfüllten.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es nun kein Hof mehr war, der die Mode vorgab. Denn durch die ständigen Kriege und Machtverschiebungen gab es keine eindeutigen höfischen Modevorbilder.

Neben dieser Entwicklung zu mehr Lockerheit und Farbigkeit gab es weiterhin Bevölkerungsschichten, die der spanischen Hofkleidung treu blieben: Dazu gehörten Angehörige des Magistrats und auch viele Kaufleute. In einigen Amtstrachten wie bei den Pastoren in Lübeck und Hamburg ist die starre Halskrause noch heute zu finden.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Allgemein, Dreißigjähriger Krieg

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