Die Prätorianer, Folterknechte oder Elitetruppe?

Ritchie Pogorzelskis zweites Buch zum römischen Militär

PrätorianerDie Ursprünge der Prätorianergarde liegen bereits in der republikanischen Zeit Roms. Als kaiserliche Leibgarde existierten sie vom ersten bis zum Anfang des vierten nachchristlichen Jahrhunderts. Das ist auch der Zeitraum, auf den Ritchie Pogorzelski sein Hauptaugenmerk richtet. Dabei treibt ihn nach eigener Aussage im Vorwort die Frage um, ob das negative Image der Prätorianer unter anderem als Kaisermörder und Kaisermacher berechtigt ist.

Eigentlich gibt der Autor Antwort und Begründung bereits in der Einleitung, deren Informationsgehalt den der Schlussbetrachtung nicht sonderlich unterschreitet. Die Prätorianer waren eine Elitetruppe, die als kaiserliche Ordnungsmacht fungierte – zu deren Aufgaben auch Dienste als Henker, Steuereintreiber oder geheime Staatspolizei gehörten – und die mit der Zunahme ihres politischen Einflusses sowohl kaiserliche Macht sichern als auch Kaiser stürzen konnte.

Mit zeitgenössischen Quellen und kolorierten Friesen

Mit einem Überblick über die Aufgaben, Organisation, Ausrüstung, Ausbildung, Bezahlung und Ränge legt Pogorzelski die Grundlage für die folgende Vorstellung der Kaiser und ihrer Prätorianerpräfekten. Dabei geht er streng chronologisch vor und widmet den vier nachchristlichen Jahrhunderten seiner Betrachtung jeweils ein eigenes Kapitel. Während der Überblick überwiegend mit Fotos aus der Reenactmentszene illustriert wird, tauchen in der Kaiser-/Präfektenchronologie auch wieder Abbildungen kolorierter Friese auf. Allen voran das große trajanische Schlachtenfries, das der Autor in Zusammenhang mit dem Kapitel über das zweite Jahrhundert in der aus seinem ersten Buch „Die Trajansäule in Rom“ bekannten Art interpretiert. Ansonsten hat Pogorzelski zahlreiche Zitate und Anekdoten aus zeitgenössischen Quellen in seine Ausführungen aufgenommen. Die allerdings tragen teilweise allein wegen ihrer Länge und der naturgemäß ein wenig antiken Formulierungen nicht unbedingt zum Lesefluss und auch nicht immer zum besseren Verständnis von Ritchie Pogorzelskis Ausführungen bei.

Komplexe Zusammenhänge in chronologischer Darstellung

Tatsächlich erfährt der Leser eine Menge über die Machtspiele, Intrigen und politischen Strukturen in die Kaiser und ihre Präfekten eingebunden waren. So manche Anekdote könnte – entsprechend erzählt – auch einen unterhaltsamen Charakter entwickeln, insgesamt aber merkt der Leser den Texten die Mühe an, die der Autor mit der unbestrittenen Fleißarbeit hatte. Pogorzelski formuliert in seiner Einleitung, dass er sich für eine konsequent chronologische Darstellung der Kaiser und ihrer Prätorianer entschieden hat, um das Problem der ineinander verwobenen Geschicke gleichzeitig agierender kaiserlicher Protagonisten und ihrer Prätorianer adäquat darstellen zu können. Die Lösung dieses Problems dürfte allerdings nicht bei jedem Leser als gelungen gelten. Zu viele Vorkenntnisse werden da hinsichtlich der handelnden Persönlichkeiten und historischen Hintergründe vorausgesetzt. Darüber, ob ausgerechnet eine chronologische Darstellung und Zitatesammlung das geeignete literarische Mittel ist, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln, darf sicherlich nach Herzenslust gestritten werden.

Eine solide Historikerarbeit über die Prätorianer

Aber der Autor hat sich nun einmal dafür entschieden. Nicht zuletzt hat er dadurch allerdings seine Zielgruppe auf Leser eingegrenzt, die eigentlich über diese Zusammenhänge bereits weitgehend im Bilde sind. Die können zu Recht eine ungetrübte Freude entwickeln an der kommentierten und um Informationen ergänzten Sammlung zeitgenössischer Kommentare zu Ereignissen mit Kaiser-Prätorianer-Bezug. Jene Menschen allerdings, deren Bild von den Prätorianern Pogorzelski nach eigener Aussage mit seinem Buch korrigieren, für die der Autor „Licht in die bisher dunkle Geschichte dieser Garde“ bringen möchte, dürfte er mit dieser Art der Aufarbeitung wohl kaum erreichen. Insofern ist das Buch nicht mehr und nicht weniger als eine Abhandlung über die Kaiser und ihre Prätorianerpräfekte der ersten vier nachchristlichen Jahrhunderte. Der Anspruch von „Licht ins Dunkel bringen“ oder das Wecken von Erwartungen hinsichtlich neuer Erkenntnisse, ist allerdings für dieses Werk ein wenig zu hoch gehängt. Eine solide Historikerarbeit über die Prätorianer, dabei sollte man es belassen.

Ritchie Pogorzelski: Die Prätorianer, Folterknechte oder Elitetruppe? Nünnerich-Asmus 2014, Gebunden, 151 Seiten.

Siehe auch: Ritchie Pogorzelski – Die Trajansäule in Rom – Dokumentation eines Krieges in Farbe

 

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