Christian Wilhelm – Der gescheiterte Administrator von Magdeburg

Ein erfolgloser Kampf um Macht und Anerkennung 

image01Als Christian Wilhelm von Brandenburg am 11. Januar 1665 starb, war er, der in seinen 77 Lebensjahren so sehr nach Anerkennung gesucht hatte, ein verarmter und politisch bedeutungsloser Mann. Dabei hatte er eigentlich einen mehr als angemessenen Start ins Leben. Bereits im Alter von zehn Jahren wurde der Sohn des Kurfürsten Joachim Friedrich zum Administrator – die protestantische Variante des Erzbischofs – von Magdeburg gewählt, durfte das Amt in der protestantischen Stadt jedoch erst elf Jahre später, 1598, antreten. Von da an reihten sich Probleme an Schwierigkeiten und Niederlagen.

Mit seinem Domkapitel hatte Christian Wilhelm von Anfang an Schwierigkeiten. Die Herren standen dem Brandenburger feindlich gegenüber, da sie Erblichkeit des Amtes befürchteten. Das ohnehin gespannte Verhältnis verschärfte sich, als Christian Wilhelm 1614 heiraten wollte. Seine Räte lehnten dies ab. Er tat es trotzdem.

Christian Wilhelms Schaukelpolitik misslang

Ab 1623 spitzte sich die politische Lage in Norddeutschland zu. Die Armeen der Liga und des Kaisers hatten  die Protestanten besiegt, und eine Rekatholisierung der reichen Stifte wie Magdeburg stand zu befürchten. Christian Wilhelm versuchte seine Position durch eine Art Schaukelpolitik zu retten. Mit dem Erfolg: Weder die Protestanten noch die Katholiken trauten ihm am Ende. Eine gute Nachricht kam aus dem reichen Stift Halberstadt: 1624 wurde er auch hier Administrator.

1625, als der dänische König Christian IV. in den nordischen Krieg eingriff, legte sich der Administrator dann fest und wurde prompt in der dänischen Armee zum Generalleutnant ernannt. Jetzt war Christian Wilhelm eindeutig des Kaisers Feind und Wallenstein besetzte im Sommer 1625 das Erzstift. Christian Wilhelm blieb nur die Flucht. Das Domkapitel handelte schnell und setzte den ungeliebten Brandenburger ab.

Mission zu Bethlen Gabor scheiterte

Einmal festgelegt, blieb Christian Wilhelm auch nach der Niederlage des Dänenkönigs 1626 an dessen Seite. Er versuchte in abenteuerlicher Mission  Bethlen Gabor, den Fürsten von Siebenbürgen und Dauerfeind des Kaisers, für den Krieg zu gewinnen. Er kam jedoch zu spät. Bethlen hatte – wieder einmal – Frieden mit Habsburg geschlossen.

Auch nach dieser Pleite gab der Brandenburger nicht auf. Er suchte 1628 in Paris nach Verbündeten. Statt Unterstützung zu finden, wurde er überfallen und schrecklich verprügelt. Kaum halbwegs genesen, schmiedete er weiter an seiner anti-kaiserlichen Allianz. Er blitzte aber sowohl in Holland als auch beim dänischen König ab. Denn Christian IV. hatte inzwischen seine Lektion gelernt.

Gustav Adolf nutze den Brandenburger für seine Ziele

Jetzt blieb nur noch der schwedische König als machtvoller Gegner der Katholiken übrig. Zudem war der Brandenburger pleite. Nur das ständige betteln bei seinen Verwandten hielt in über Wasser. 1629 schaffte er es endlich an den schwedischen Hof. Doch Gustav Adolf zeigte wenig Interesse an den kriegerischen Plänen des ehemaligen Administrators. Der schwedische König gedachte vielmehr Christian Wilhelm für seine Zwecke einzusetzen. Der Plan: Der Brandenburger sollte nach Magdeburg zurückkehren, Truppen anwerben und das Umland zurückerobern. Alles mit dem Ziel, die kaiserlichen Truppen vom Ort seiner geplanten Landung im Deutschen Reich abzulenken.

Magdeburg ging in Flammen auf

Christian Wilhelm gab sein Bestes. Am 27. Juli 1630 kehrte er inkognito nach Magdeburg zurück und begann flugs die kaiserlichen Truppen zu vertreiben. Doch die Stadt an der Elbe, inzwischen einer der wenigen deutschen Verbündeten des schwedischen Königs, wurde bald von den Truppen Tillys belagert, am 20. Mai 1631 gestürmt und ging in Flammen auf. Eine der schlimmsten Katastrophen des Dreißigjährigen Kriegs.

Und Christian Wilhelm? Er wehrte sich wohl tapfer gegen die Eroberer, wurde schwer verwundet und von Pappenheims Soldaten gefangen genommen. Nach Wien überstellt, wurde der Protestant dort von den Jesuiten – allen voran dem Beichtvater des Kaisers, Wilhelm Lamormaini, – im Sinne des Katholizismus bearbeitet. Ob freiwillig, gezwungen oder aus Opportunität, der Brandenburger wechselte zu alten Glauben.

Zwar wurde er vom Ferdinand II. sofort begnadigt, aber bei seinen vormaligen Glaubensgenossen und bei seiner Familie war er unten durch. Der Kaiser zahlte ihm ein kleines Deputat und 1635, im Rahmen des Prager Friedens, sollte er jährlich sogar 12000 Taler wegen des Verlusts Magdeburgs erhalten. Gezahlt wurde jedoch nie.

Die Schweden plünderten sein Schloss

So spitzte sich die Finanzmisere des Brandenburgers weiter zu. Und wieder wurde er überfallen, kam diesmal jedoch glimpflich davon. Die Plünderung seines Schlosses Pardubitz durch die Schweden brachte ihn endgültig um alles, was er besaß.

Im Westfälischen Frieden mit einer Einmalzahlung von 3000 Talern abgespeist, verbrachte Christian Wilhelm seine letzten Jahre ohne finanzielle Unterstützung seiner wohlhabenden Verwandten in permanenter Geldnot. Was für ihn vielleicht schlimmer war: Der Hochgeborene war ein Geächteter, ohne jeden gesellschaftlichen Einfluss. Und den wollte er doch immer haben.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Allgemein, Dreißigjähriger Krieg

Eine Antwort zu “Christian Wilhelm – Der gescheiterte Administrator von Magdeburg

  1. Buchholz, Wolfgang

    Zu ergänzen wäre, dass der ebenfalls wie die Hohenzollern dieser Zeit calvinistische Bethlen Gabor mit einer Nichte Christian Wilhelms verheiratet war und der Dänenkönig mit seiner Schwester. Die Bedeutung solcher dynastischer Verwandtschaftsbeziehungen werden leider von Historikern oft unterschätzt. Durch in den Archiven ruhende Briefwechsel zwischen solchen engen Verwandten ließen sich oft interessante Fakten zur Geschichte finden.Sein Verhältnis zur Stadt Magdeburg war durch die Versuche , sich ihrer während des sog. Dänisch-Niedersächsischen Krieges ihrer während des Deißigjährigen Krieges durch Verrat zu bemächtigen mehr als gestört. Christian Wilhelm erhielt durch die Friedensbestimmungen 1648 das magdeburgische Amt Zinna als Sinekure.
    Aus den genannten Gründen (seine abenteuerliche Politik, dem Glaubenswechsel und seiner gewissen Mitschuld an der Magdeburger Katastrophe von 1631) starb er hier, vergessen von der sonst so wortreichen Hohenzollerngeschichtsschreibung.

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