Karikaturen, Kutsche und Kurwürde

Ausstellungen 2014 zu Hannovers Herrscher auf Englands Thron

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Staatskrone Georgs I. 1715
Royal Collection Trust / © Her Majesty Queen Elizabeth II 2013

(Presseinformation der Nieder-sächsischen Landesausstellung 2014): Im kommenden Jahr widmen sich die zentralen Ausstellungen „Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714–1837“ im Niedersächsischen Landesmuseum und im Museum Schloss Herrenhausen der Zeit der Personalunion. Drei Themen-ausstellungen im Historischen Museum Hannover, im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst sowie im Residenzmuseum im Celler Schloss vertiefen interessante Einzelaspekte der historisch bedeutenden Epoche. Die Bandbreite reicht von der Vorgeschichte der Personalunion über die Karikatur bis zum Thema Reisen und Repräsentation.

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George Cruikshank, Royal Hobby’s, or The Hertfordshire Cock=horse! 1819
© Karikaturmuseum Wilhelm Busch

Gestochen scharf wird die Personalunion in der Themenausstellung „Königliches Theater. Britische Karikaturen aus der Zeit der Personalunion“ im Wilhelm Busch -Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst unter die Lupe genommen. Diese künstlerische Darstellungsform erlebte zwischen 1714 und 1837 ihr Goldenes Zeitalter. Schließlich ging mit der Ausweitung des Empires auch eine verstärkte mediale Inszenierung königlicher Macht einher. Karikaturen entwickelten sich schnell zum wichtigen Medium im Prozess der neu entstehenden politischen Öffentlichkeit. Sie kritisierten politische Entscheidungen und Entwicklungen, kommentierten Skandale und Intrigen, amüsierten aber auch mit Klatsch und Tratsch über die gesellschaftliche Prominenz und prägten so nicht nur die politische Meinungsbildung dieser Epoche, sondern auch das historische Image der Handelnden.

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Martin Rowson, Queen Elizabeth and Margaret Thatcher, 1987
© Cartoon Museum London

Die Ausstellung entwirft in sechs Kapiteln Aspekte der anhaltenden königlichen Sichtbarkeit in der britischen Karikatur. Sie zeigt die Karikatur-produktion in London um 1800 und heute, beleuchtet die Geschichte der Personalunion und die einzelnen Könige und wirft einen Blick auf Themen wie Kolonialismus, Affären und Skandale. Dabei wird der Bogen gespannt bis zu den heutigen Royals. Gezeigt werden Exponate aus der umfangreichen hauseigenen Sammlung sowie Leihgaben ausländischer Institutionen wie dem British Museum. Dazu wurde Kontakt zu zeitgenössischen englischen Künstlern, wie etwa Steve Bell, aufgenommen.

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Staatswagen des Prince of Wales Georg IV. 1783, seit 1814 Staatswagen Nr. 1 der Könige von Hannover
Leihgabe SKH Prinz Ernst August von Hannover
© Historisches Museum Hannover

Mit der Endphase der Personalunion beschäftigt sich die Themenausstellung „Eine Kutsche und zwei Königreiche. Hannover und Großbritannien 1814–1837“ im Historischen Museum Hannover. Der Staatswagen Nr. 1, den Georg IV. 1814 bei seinem Besuch in Hannover nutzte, veranschaulicht in einzigartiger Weise die personelle Verbindung zwischen Großbritannien und Hannover und steht im Mittelpunkt der Schau. Das einzigartige Geschichtszeugnis ist zugleich Symbol für den Bedeutungszuwachs des Staates Hannover im Konzert der deutschen Bundesstaaten und der europäischen Mächte. Die Themenausstellung erzählt die Geschichte eines kurzen, aber bewegten Abschnitts der Personalunion von der Ernennung Hannovers zum Königreich 1814 bis zum Ende der Personalunion 1837 und richtet den Blick auf das Land Hannover, dessen politische, wirtschaftliche und kulturelle Traditionen sich von denen der Wirtschafts- und Kolonialmacht Großbritannien grundlegend unterschieden. Zudem zeichnet sie ein Porträt des schillernden Prinzregenten und späteren Königs Georg IV., in dessen Regierungszeit die Weichen für ein neues Europa gestellt wurden und ein neues Kapitel in der Geschichte Hannovers begann.

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Georg III. (1738–1820)
Öl auf Leinwand nach dem Staatsporträt von Allan Ramsay 1760
© Historisches Museum Hannover

Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass ein Kurfürst aus Hannover plötzlich zum Herrscher über ein Weltreich werden konnte und welche Faktoren bei dem machtpolitischen Aufstieg des Welfen eine Rolle spielten, beleuchtet die Themenausstellung „Reif für die Insel. Das Haus Braunschweig-Lüneburg auf dem Weg nach London“ im Residenzmuseum im Celler Schloss. Das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg war nach dem Dreißigjährigen Krieg zersplittert und hatte stark an Einfluss und Bedeutung verloren, rund 65 Jahre später sollte es jedoch eine europäische Größe darstellen, deren Herrscher die Königskrone Großbritanniens trugen. Diese Entwicklung wurde vom Herrschergeschlecht systematisch durch Heiraten, Kriege und Feste vorangetrieben. Die Welfen organisierten ihren Staat neu und schufen damit auch finanziell die Basis für eine Machtsteigerung. Die Ausstellung findet am historischen Ort im Celler Schloss statt, wo wichtige Konferenzen abgehalten wurden, etwa 1701 das Celler Conseil, auf dem die Thronfolge in England thematisiert war. Zudem war 1698 der englische König Wilhelm III. hier zu Gast. Herausragende Exponate aus dem In- und Ausland verbildlichen die Geschichte, die am Beispiel des Lebens von Kurfürstin Sophie von Hannover (1630–1714) aufgezeigt wird. Das Mauritshuis in Den Haag entleiht zwei bedeutende Marmorbüsten des Englischen Königspaars Wilhelm III. und Maria II. Aus der Sammlung Ihrer Majestät Elisabeth II. wird ein Hosenband-Orden gezeigt, eine der höchsten Auszeichnungen, die im 17. Jahrhundert überhaupt vergeben werden konnten. Des Weiteren ist die Original-Urkunde des Kaisers mit der goldenen Bulle zu sehen, mit der Herzog Ernst August (1629–1698) die Kurwürde verliehen wurde.

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