„Uruk“ kommt nach Herne

Ausstellung über die erste Großstadt der Menschheit

(Pressemitteilungen des lwl). Die Ausstellung „Uruk“ über die erste Großstadt der Menschheit ist ab 3. November im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen: Nachdem die Sonderausstellung über 400.000 Besucher auf der Museumsinsel in Berlin hatte, kommt die Ausstellung über „5.000 Jahre Megacity“ als zweite Station ins Ruhrgebiet. Dort wird sie bis zum 21. April kommenden Jahres laufen.

„Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem Thema Uruk“, so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. „Die Schau präsentiert die Ergebnisse der vor 100 Jahren begonnenen deutschen Ausgrabungen und veranschaulicht das Leben in der altorientalischen Metropole.“ Schon vor 5.000 Jahren brachte Uruk im heutigen Irak (260 km südlich von Bagdad) alles mit, was Großstädte der Gegenwart auszeichnet: systematisierte Bewässerung, Straßenbau, intensiver Handel, kulturelle Zentren und – nach der Erfindung der Schrift – Bürokratie.

Behörden brauchen Schrift

Viele der Funde aus Uruk beeindrucken mit ihren modernen Inhalten, heutige Behörden könnten nicht gründlicher sein: Ob es um Kredit- und Bürgschaftssysteme geht, Eheverträge oder mehrsprachige Wörterbücher: In Uruk gab es das alles bereits – immerhin waren die ersten schriftlichen Dokumente Lieferscheine. Um Warentransporte dokumentieren zu können, bediente man sich einfacher Symbole, aus denen schließlich die Keilschrift entstand. Dank dieser Schrift erhält der Besucher z. B. Einblick in Getreide- und Fischrationen der Arbeiter in Uruk, Probleme mit dem Abwassermanagement, das Schulwesen – und 58 verschiedene Schweinearten.

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Auf der kleinen Tontafel kann man erkennen, dass ein wiederkehrendes Zeichen in vielen verschiedenen Varianten dargestellt ist: das Zeichen für Schwein. Die Schrift besteht hier noch aus Bildsymbolen, erst später entwickelt sich die Keilschrift daraus, in der einzelne Laute dargestellt werden.
Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Vorderasiatisches Museum/Olaf M. Teßmer

Constanze Döhrer vom LWL-Museum für Archäologie: „Ob diese Tafel von einer besonderen Vorliebe für Schweinebraten zeugt, von einer besonderen Wertschätzung des borstigen Allesfressers oder einfach von einer großen sprachlichen Vielfalt in Uruk, ist unklar. Tatsächlich trafen in diesem kulturellen Zentrum Menschen aus verschiedenen Regionen aufeinander, was die große Vielfalt an Schweinearten und -namen erklären könnte. Vielleicht konnte man sich im Wohlstand der großen Stadt auch eher die Haltung des anspruchsvollen Tieres leisten. Schweine fressen Nahrung, die normalerweise Menschen vorbehalten ist. Darüber hinaus können sie weder als Zug- oder Lasttiere, noch als Milch, Fell- oder Wolllieferanten dienen. Im 2. und 1. Jahrtausend vor Chr. werden Schweine daher kaum noch gehalten.“

Gilgamesch aus Uruk

Bekannt ist die Stadt vor allem durch ihren legendären König Gilgamesch, dessen Heldentaten im ältesten Mythos der Welt beschrieben werden. Als König der Stadt Uruk will er seine Kräfte mit der Welt messen und strebt nach Unsterblichkeit. Gemeinsam mit seinem Freund Enkidu zieht er in die Welt hinaus und kehrt als geläuteter Herrscher zurück, dessen Bauwerke – insbesondere die Stadtmauer – den ihm anvertrauten Menschen Schutz bieten und eine kulturelle Entfaltung erst ermöglichen. Szenen aus dem Epos treten auf vielen Funden aus Uruk auf oder werden Teil der ritueller Handlungen, wie die Löwenjagd und die Verehrung der Stadtgöttin Ishtar.
Gilgamesch misst sich auch mit der Hauptgöttin der Stadt, Inanna oder Ishtar genannt. Ihre zwiespältige Persönlichkeit, Kriegsgöttin und Liebesgöttin zugleich, ist Gegenstand vieler Darstellungen. In spektakulären 3D-Rekonstruktionen kann der Besucher ihren Tempel bestaunen, ebenso wie Rekonstruktionen zahlreicher weiterer Gebäude Uruks.

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Statuette eines „Priesterfürsten“ aus Uruk in einem Gefäß.
Foto: DAI

Die Ausstellung geht nicht wie ursprünglich angekündigt in die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Da die Reiss-Engelhorn-Museen ebenfalls im Herbst eine publikumsträchtige Sonderausstellung ausrichten, wollte man eine Doppelung vermeiden.

KastenGeschi1– Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband erschienen, der der GeschiMag-Redaktion zur Rezension vorliegt.

– Zu Geschichte, aktuellem Stand der Grabungen und Forschungen in Uruk (Warka) lesen Sie auf der Seite des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI): Uruk (Warka): Struktur einer altorientalischen Großstadt

– Informationen über das Projekt der Visualisierung der Antiken Stadt Uruk einschließlich einer 3D-Animation zur Bautechnik finden Sie auf dieser Seite des DAI: Visualisierung der antiken Stadt Uruk

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