Der Kriegerkönig Gustav Adolf

Ein Befreier, den niemand gerufen hatte

Gustav_II_Adolph_in_battle_of_Dirschau_1629Gustav Adolfs Eintritt in den Krieg im Deutschen Reich war eine rein schwedische Entscheidung. Die deutschen Protestanten hatten ihn, trotz ihrer prekären Lage, nicht gerufen. Als der König am 26. Juni 1630 in Peenemünde landete, hatte er keine nennenswerten Verbündeten, nur Stralsund als Stützpunkt. Die protestantischen Hauptmächte Sachsen und Brandenburg standen abseits.

Johann Georg, der Kurfürst von Sachsen, konservativ und kaisertreu im Herzen, hielt deutlich auf Distanz und Georg Wilhelm, der brandenburgische Kurfürst, obwohl verwandtschaftlich dem Wasa verbunden, zierte sich, den Schweden zu unterstützen. Nur das schwache Pommern, mit dem ebenso schwachen Fürsten Bogislaw XIV., wurde in eine „ewige“ Allianz gezwungen, Magdeburg und Hessen-Kassel folgten freiwillig. Beide waren jedoch zu der Zeit weit vom schwedischen Einflussbereich entfernt.

Die Ausgangssituation für den kriegsgewohnten, damals 35jährigen König war also scheinbar ungünstig. Gut, dass auch die kaiserlichen Verteidiger erhebliche Probleme (siehe „Der Schwede kommt – der Krieg geht weiter“) hatten. So gelang es Gustav Adolf langsam im Norden des Deutschen Reiches Fuß zu fassen, um dann seinen fulminanten Siegeszug gen Süden anzutreten.

Gustav Adolf kämpfte gegen Dänemark, Russland und Polen

Mit dem Krieg vertraut war der Wasa schon seit seinem siebzehnten Lebensjahr. Da galt es Schweden gegen die damals erste Macht im Norden, die Dänen, zu verteidigen. Nach dem Tod des Vaters, Karl IX. – der von vielen ausländischen Mächten als Usurpator des schwedischen Throns seines Bruders gesehen wurde – zog Gustav Adolf gegen Russland, dann gegen die Polen. Hier ging es um die Oberhoheit an der Ostsee, dem Dominium maris baltici. Und es ging gegen eben den katholischen polnischen König Sigismund, den Gustavs Vater aus dem lutherischen Schweden vertrieben hatte. Krieg auch deshalb, weil dieser polnische Wasa seine Ansprüche auf den schwedischen Thron immer aufs Neue betonte. Und damit Gustav Adolfs Position schwächte.

Dänemark verhinderte ein frühzeitiges Eingreifen im Reich

Gustav Adolf wollte schon um 1623 in die Auseinandersetzung im Deutschen Reich eingreifen. Doch der dänische König Christian IV.  – der „alte Jüte“- wusste dies zu verhindern. 1630 glaubten der schwedische König und sein Adel, dass die Zeit reif sei. Frankreich hatte einen Waffenstillstand mit Polen vermittelt  und die kaiserlichen Truppen waren  bis an die Ostsee vorgestoßen. Fühlten sich die Schweden also bedroht? Wollten sie ihre Glaubensbrüder vom katholischen Joch befreien? Galt es die deutsche Freiheit, die Libertät zu schützen? Oder war es die schiere Eroberungslust, die Erweiterung des eigenen Machtbereichs an der deutschen Ostseeküste?

Gustav Adolf ging es zu Anfang um die Beherrschung der Ostsee

Über die wahren Motive herrscht bis heute keine Einigkeit. Als vorherrschende Meinung gilt wohl der machtpolitische Ansatz bei Gustav Adolf, gepaart mit einem gewissen religiösen Sendungsbewusstsein. Die Propaganda – der schwedische König und seine Helfer waren hierin wahre Meister – sprach natürlich von der Befreiung aus papistischem und kaiserlichem Joch. Bei den protestantischen Machthabern verfing dies nur in wenigen Fällen, anders als bei vielen ihrer Untertanen. Axel Oxenstierna, der schwedische Kanzler und kongeniale Partner Gustav Adolfs, brachte es nach dem Tod des Königs auf den Punkt: Pommern und die Seeküste sind für die Krone Schwedens gleichsam eine Bastion und in ihr besteht unsere Sicherheit gegenüber dem Kaiser. Sie waren die vornehmste Ursache, die Seine Majestät in die Waffen brachte.“

Nicht das der König in Sachen des Glaubens indifferent war. Er bekannte sich eindeutig zum Glauben Luthers. Und Schweden war ein streng lutherisches Land, in dem seit Jahren anti-päpstliche Propaganda gepflegt wurde. Dies nicht zuletzt um den Durchhaltewillen der kriegsmüden, durch jahrelangen Aderlass geschwächten Bevölkerung zu stärken. Ein klares Feindbild war da mehr als hilfreich.

Die Schweden sahen sich als Nachfahren der Goten

Dem diente auch die gotische Heldenverehrung. Die Schweden als Nachfahre dieses mystifizierten Stammes, dessen Wurzeln bis in die Zeit der Sintflut zurückreichen sollen, das hatte starke, motivierende Kräfte. Gustav Adolf trat schon während seiner Krönung als König Behring auf und sein fehlkonstruiertes Admiralsschiff „Vasa“ (siehe  Vasa – Das Flagschiff Gustav Adolf von Schweden)war reich mit gotischen Kriegern verziert. Der König konnte, so lehrte ihn Johannes Bureus, auf eine Ahnenreihe zurückblicken, gegen die anderen Fürstenhäuser geradezu neuzeitlich erschienen.

Schweden war im 17. Jahrhundert ein überdurchschnittlich gut verwaltetes Land, mit einer effektiven Finanzwirtschaft. Der relativ bevölkerungsarme Staat – in Großschweden lebten nur etwa eine Millionen Menschen – errang dank dieser Grundlage und seinem modernen Heer den Status einer Großmacht. Zusammen mit seinem aus dem Hochadel stammenden Kanzler, Axel Oxenstierna, reformierte der König Staat und Gesellschaft mit Nachdruck. Doch für einen Krieg im Reich reichten die Mittel von Anfang an nicht. Wie die anderen Heerführer musste auch der Schwede requirieren, Gelder erpressen – was seinem Ruf nicht förderte.

Gustav Adolf verteilte die Beute nach Kriegsrecht

Und Gustav Adolf, der selbsternannte Befreier der von kaiserlicher und katholischer Macht geknechteten Deutschen, vergaß bei seinem furiosen Sturmlauf in den Süden diesen von ihm gerne betonten Aspekt mehr und mehr. Auch die Hegemonie über die Ostsee trat beim schwedischen König  in den Hintergrund. Erobertes Land ging nach Kriegsrecht an seine Generäle und Verbündeten. Selbst den vertriebenen Winterkönig Friedrich V. wollte Gustav Adolf nur als seinen Vasallen auf dem ihm angestammten pfälzischen Thron sehen. Der Schwede war dabei, das Reich neu zu ordnen. Vom Schutz der deutschen Freiheiten war kaum noch die Rede.

Sein früher Tod in der Schlacht von Lützen am 6. November 1632 lässt die Antwort offen, was Gustav Adolf bei weiteren militärischen Erfolgen mit dem Reich und seinen Fürsten tatsächlich angestellt hätte. Strebte er die Kaiserkrone an, wie ihm nachgesagt wurde? Wohl kaum, allerdings ist nichts wirklich Sicheres bekannt. So blieb der Kriegerkönig aus dem hohen Norden den Einen ein Retter vor der katholisch-kaiserlichen Hegemonie, den Anderen ein Aggressor, der den Krieg verlängert und verschlimmert hat. Eine bis heute schillernde Person, die niemand gerufen hatte.

 

 

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Krieg im Norden Europas zu Lande und zu Wasser zur Zeit des 30 jährigen Krieges

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