Magnus Gabriel De la Gardie: Günstling der Königin, Mäzen und Politiker

Vom glanzvollen Aufstieg und tiefen Fall eines Aristokraten im 17. Jahrhundert

Foto 4Als Feldherr und Politiker konnte er weder seinem Vater noch Großvater das Wasser reichen. Dennoch ging Magnus Gabriel De la Gardie (1622 – 1686) in die schwedische Geschichte ein, und zwar als leidenschaftlicher Förderer der Künste und der Wissenschaft. Unglücklicherweise vernachlässigte er dabei seine Aufgaben als Reichskanzler und führte Schweden damit an den Rand des Ruins.

Herkunft und familiärer Hintergrund

Die Familie De la Gardie stammte, wie es der Name vermuten lässt, ursprünglich aus Frankreich. Pontus De la Gardie (1520 – 1585), ließ sich 1565 für den schwedischen Kriegsdienst anwerben, und konnte als Heerführer Estland und Ingermanland (eine Provinz um das heutige St. Petersburg) erobern. Dadurch gewann er die Gunst des Königs Johann III., der ihn 1571 zum Freiherren ernannte. Auch sein Sohn Jakob De la Gardie (1583 – 1652) zeichnete sich als geschickter Feldherr aus, wofür er von Gustav II. Adolf 1615 den Grafentitel erhielt. Auf dem politischen Feld spielte Jakob ebenfalls eine wichtige Rolle. Als „Riksråd“ („Reichsrat“) gehörte er zum Beraterkreis des Königs, nach dessen Tod wurde er sogar Mitglied des Regentschaftsrates für die noch unmündige Königin Kristina (1626 – 1689, mündig seit 1644). Dort arbeitete er besonders eng mit Reichskanzler Axel Oxenstierna zusammen, beide führten das Wort bei den Ratsversammlungen.

Die Ausbildung junger Aristokraten

Durch Geburt, Reichtum und ein selbstbewusstes Auftreten schien Magnus Gabriel De la Gardie, der Sohn Jakobs, vorbestimmt für höchste politische Ämter zu sein. Als Höhepunkt seiner politischen Laufbahn ist sicherlich die Ernennung zum Reichskanzler im Jahr 1660 anzusehen. Nach dem Tod König Karls X. Gustav im selben Jahr, war er einer der Vormünder für dessen Sohn Karl XI., der als Fünfjähriger noch viel zu jung für den Thron war. Bis es so weit war, durchlief De la Gardie die typische Ausbildung eines jungen Aristokraten im 17. Jahrhundert. Nach dem üblichen Unterricht von Hauslehrern schrieb er sich 1635 in die Universität Uppsala ein. Anschließend ging er auf die für junge adlige Männer obligatorische Bildungsreise, auch „Grand Tour“ oder „Pereginatio academica“ genannt. Kanzler Oxenstierna vertrat nämlich die Ansicht, ein junger Mann von Stand solle nicht wie Bauernbengel aufwachsen.

Um 1600 besuchten junge Schweden wie Axel Oxenstierna und seine Brüder meistens protestantische Städte wie Rostock oder Wittenberg. Das Luthertum, seit Karl IX. die Staatsreligion in Schweden, musste noch gefestigt werden. Aus diesem Grund ziemten sich katholische Studienorte nicht. Da Deutschland aber zum Hauptschauplatz des Dreißigjährigen Krieges wurde, wichen die meisten adligen Reisenden nun auf Frankreich und die Niederlande aus. Die Niederlande verfügten mit der Universität in Leiden eine der vermutlich besten Bildungsstätten. Neben den üblichen Studienfächern wie Jura und Fremdsprachen bot die Hochschule auch Kurse in den ritterlichen Künsten an – also die perfekte Lehranstalt für noble junge Männer. Auch Axel Oxenstierna schickte seine Söhne nach Leiden.

Neben dem Studium sollten die sogenannten galanten Künste wie das Fechten, Reiten und Tanzen bei der adligen Ausbildung nicht zu kurz kommen. Denn in der Verbindung von „Arte et Marte“ (frei übersetzt: „Kunst und Krieg“) zeigte sich die wahre Nobilität, zumindest vertrat die Aristokratie diese Auffassung. Für dieses Bildungsideal entstanden überall in Europa „Collegia illustra“ (auch Ritterakademien genannt), die auch vom schwedischen Adelsnachwuchs besucht wurden. Frankreich als katholisches Reich hätte nur wenige Jahre zuvor als Reiseziel sicherlich nicht an erster Stelle gestanden. Nun war es aber der wichtigste Bündnispartner Schwedens und zudem die Großmacht in Europa, an der sich alle anderen Länder orientierten. Am französischen Hof traf sich die Adelselite sämtlicher Reiche, um wichtige Kontakte zu knüpfen, diplomatische Absprachen zu treffen, und um sich vom neuesten Luxus inspirieren zu lassen. Der spätere König Karl X. (1622 – 1660, seit 1654 König von Schweden), machte hier um 1640 ebenso Station während seiner Studienreise wie Magnus Gabriel De la Gardie. Letztgenannter ist einige Jahre später an der Spitze einer Gesandtschaft erneut am französischen Hofe anzutreffen.

Günstling der Königin

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De la Gardie und seine Gemahlin

Nach seiner „Grand Tour“ und einiger Zeit im Kriegsdienst machte Magnus Gabriel De la Gardie besonders am schwedischen Hof von sich Reden. Die junge Königin Kristina zeigte sich äußerst angetan von seinem edlen, geistreichen und ritterlichen Wesen. Es gab sogar Gerüchte, er sei ihr Liebhaber. Wie auch immer, er erhielt den Oberbefehl über die Leibgarde der Königin und auch sonst geizte sie nicht mit Gunstbezeugungen. Eine davon war die Ernennung zum Generalgouverneur von Livland. Außerdem vermittelte sie eine Verbindung zwischen De la Gardie und ihrer Cousine Maria Eufrosyne von Pfalz-Zweibrücken (1625 – 1687). Für ihn, einen Grafen, bedeutete dieses ein Aufstieg in die königliche Familie, was sich noch als nützlich erweisen sollte.

Denn der Höhenflug dauerte nicht an. Aufgrund von Verleumdungen überwarfen sich Kristina und ihr Günstling: Er musste 1652 den Hof verlassen. Zu seinem Glück entschied sich die Monarchin nur zwei Jahre später zum Katholizismus zu konvertieren und abzudanken. Als Nachfolger hatte sie ihren Cousin Karl Gustav aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken erkoren – Magnus Gabriels. Der holte ihn nun zurück an den Hof und ernannte ihn zudem zum Kanzler der Universität Uppsala.

Neuer Glanz für die Universität Uppsala

Noch wenige Jahre zuvor schien die 1477 gegründete Hochschule in Bedeutungslosigkeit zu versinken, sie war nach der Reformation in eine Krise geraten. Katholisch geprägt verlor sie ihre geistigen und auch wirtschaftlichen Grundlagen. Die hauptsächliche Aufgabe der Universität bestand bald nur noch darin, Pastoren auszubilden. Damit sollte die Verbreitung des Luthertums gewährleistet werden. König Gustav II. Adolf behob mit Hilfe seines Reichskanzlers Axel Oxenstierna diesen Missstand in den 1620er Jahren. Bald profitierte das Lehrangebot von ihren Maßnahmen, indem nun Fächer wie Rhetorik und Politik auf dem Unterrichtsplan standen. Viele junge Gelehrte mit modernen Methoden zog es an die Universität.

De la Gardie bemühte sich seinerseits, das Renommee der Hochschule zu steigern. Er schenkte der Hochschule den „Codex Argentus“ – dieser Codex ist der Rest eines Evangeliars, das in gotischer Sprache verfasst wurde. Und die Goten hatten für die Schweden eine überragende nationale Bedeutung: Sahen sie sich und auch ihre Könige – besonders Gustav II. Adolf erging sich im Gotezismus –  doch als direkte Nachfahren dieses Stammes. Der Codex wurde während des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen aus Prag geraubt. Dann verlor sich die Spur. Jahre später machte De la Gardie das Werk in Flandern ausfindig, kaufte es und schenkte es der Universität. Ein Prestigeobjekt, das die historische Bedeutung des Reiches unterstrich.

Zwischen Kultur und Politik

Magnus Gabriel De la Gardie förderte Wissenschaft und Kunst nach Kräften. So gehört er zu den Gründungsmitgliedern des „Antikvitestkollegium“ („Antikenkolleg“), das sich unter seiner Führung mit der altnordischen Vergangenheit befasste – auch hier ist zu sehen, wie sehr es ihm und auch anderen Aristokraten darum ging, eine glorreiche, schwedische Vergangenheit zu beschwören. Die Einrichtung des Lehrstuhls für „Schwedische Altertümer“ in Uppsala erfolgte ebenfalls während seiner Zeit als Kanzler. Seine besondere Leidenschaft galt aber der Baukunst – für den Bau oder Umbau seiner zahlreichen Schlösser beschäftigte er bedeutende Architekten wie Jean De la Valée. Der erhielt seine Ausbildung in Frankreich und Italien und entwarf zahlreiche Bauwerke in Schweden, unter anderem das Stadtpalais der Familie Oxenstierna. Zudem gehörte er zu den Architekten des beeindruckenden Ritterhauses in Stockholm.

Zweifellos ließ sich Magnus Gabriel De la Gardie zu sehr von seinen Neigungen leiten und das tat seinem Vermögen nicht gut, und das, obwohl er über sehr hohe Einkünfte verfügte. Als Reichskanzler und Mitglied des Regentschaftsrates hätte er wohl auch deutlich umsichtiger in Sachen Staatsfinanzen und Bündnispolitik agieren müssen. So setzte er – vermutlich aus wirklicher Überzeugung – außenpolitisch auf Frankreich. Unglücklicherweise verwickelte die Abhängigkeit von französischen Subsidien das schwedische Reich in den Schwedisch-Brandenburgischen Krieg (1674 – 1679). Und so begann unter der Herrschaft Karls XI. (1655 – 1697, mündig seit 1672) De la Gardies Position zu wackeln. Der junge König konnte nach dem Krieg die jahrelange Misswirtschaft nicht länger übersehen. Gerade die einheimischen Truppen hatten in diesem für Schweden unglücklich verlaufenden Krieg darunter besonders leiden müssen.

1682 entband der König Magnus Gabriel von all seinen Aufgaben und verbannte ihn vom Hof. Zu De la Gardies Unglück, zog Karl aus finanziellen Gründen einen Großteil der von der Krone über Jahre hinweg verliehenen Güter wieder ein. Dadurch verlor der ehemalige Reichskanzler die meisten seiner Besitzungen. Seine letzten vier Lebensjahre verbrachte er in Bitterkeit, geistliche Lieder wie „Kom, Jesus du min Frälserman“ („Komm, Jesus mein Erlöser“) dichtend auf seinem Sitz Venngarn, das einzige Schloss, das ihm geblieben war.

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