Auf gegen Napoleon!

Ein Buch zum Mythos der Volkskriege

bild1Waren es tatsächlich Volkskriege, die zur Vertreibung Napoleons und seiner Armeen führten?  Alexandra Bleyer meint in ihrem Buch „Auf gegen Napoleon!“: Nein. Denn es fehlte diesen Kriegen dazu das Wesentliche: das Volk. Der Mythos vom Erwachen der Völker und Nationen wurde erst in den folgenden Jahrzehnten „erfunden“. Die Wirklichkeit war deutlich schlichter: Dem sogenannten Volk ging es, wenn es denn kämpfte, meist um eine Verbesserung der Lebensbedingungen oder den Schutz von Haus und Hof.

Der nationale „Urknall“, wie er so gerne in der  jeweiligen Geschichtsschreibung der Preußen, Tiroler, aber auch Spanier beschworen wird, fand nicht statt. Es waren Minderheiten, die den Kampf gegen Napoleon, abseits der regulären Armeen, zu ihrer Sache gemacht hatten. Der Rest ist Etikettenschwindel, wie Alexandra Bleyer schreibt. Verklärende Memoirenliteratur und Publizistik prägten ein Bild der Befreiungskriege, gegen den selbst die desillusionierenden Berichte der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Generalstabes nicht ankamen. Von Drückebergerei, der Passivität der Bevölkerung – wie dort zu lesen ist –  wollte im Zeitalter des Nationalismus niemand etwas hören.

Spanien zeigte Napoleon erste Grenzen auf

„Auf gegen Napoleon“ zeichnet in den ersten vier Kapiteln den  Aufstieg des „Superhelden“ und Weltbeherrschers  nach, schildert, wie aus dem scheinbar leichten Gewinn Spaniens, auch der übermächtigen französischen Armee 1808 erste Grenzen aufgezeigt werden. Der sich ab 1809 entwickelnde Guerillakrieg – nach dem Motto: Kampf ohne Gnade – schildert die Autorin eindrucksvoll. Faszinierendes, wie abschreckendes Beispiel zugleich, für die übrigen Staaten, die von Napoleon beherrscht wurden.

Die Tiroler mussten für ihren Aufstand teuer bezahlen

Die Entwicklung in Spanien glaubte 1809 Österreich zu seinem Vorteil nutzen zu können. Ein fataler Irrtum. Denn schneller als erwartet war Napoleon persönlich mit seiner Armee vor Ort und schlug die österreichischen Truppen – nach einer Niederlage bei Aspern – am 5. und 6. Juli 1809 bei Wagram vernichtend. Der Versuch der Österreicher, einen Volksaufstand gegen die Franzosen anzuzetteln, scheiterte weitestgehend. Nur die Tiroler glaubten sich gegen die Bayern, die mit Napoleons Gnade das Land annektiert hatten, erheben zu können. Ihr Vertrauen auf die Zusage der Habsburger, das Alpenland nicht mehr von der Monarchie trennen zu lassen, wurde mit dem Friedensschluss zwischen dem französischen und dem österreichischen Kaiser von Schönbrunn am 14. Oktober 1809 bitter enttäuscht und teuer bezahlt. Kein guter Start für einen Volkskrieg.

Auch das „deutsche“ Volk eilte nicht freudig zu den Fahnen

Erst nach der Katastrophe des Rußlandfeldzuges 1812 glaubten jetzt die Preußen, die beim österreichisch-französischem Krieg abseits standen, mit russischer Hilfe den Aufstand gegen den französischen Kaiser wagen zu können. Auch hier ein Appell an das Volk – das deutsche – sich gegen den Unterdrücker zu erheben. Auch hier blieb, so Alexandra Bleyer, der Sturm aus. Eher zögerlich und wenn, dann unter Zwang, eilten die Angesprochenen zu den Fahnen. Eine nationale Leidenschaft der Massen fand schlicht nicht statt. Und das Volk gehörte ohnehin nicht zu den Gewinnern der Befreiungskriege, weder in Spanien, noch in Rußland oder in den deutschen Staaten. Es waren die alten Autoritäten, die den Sieg davontrugen.

„Auf gegen Napoleon“ ist ein sehr informatives Buch über die Zeitspanne der napoleonischen Herrschaft über Europa, die vor 200 Jahren zu Ende ging und in ein restauratives, reaktionäres „System Metternich“ mündete. Die Historikerin entzaubert in leichter Sprache den Mythos vom Volkskrieg und zeigt aufschlussreiche Zusammenhänge auf. Sehr gut auch das Kapitel zur Kriegspropaganda, die beide Seiten gezielt einsetzten, wenn auch hier Napoleon der große Lehrmeister war. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch.

Bleyer, Alexandra: Auf gegen Napoleon. Mythos Volkskriege. Primus Verlag. 2013. 264 Seiten.

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, Allgemein, Rezension

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