Der Kampf um Freiheit

Die Befreiungskriege der Deutschen gegen Napoleon

9783806224986-bNach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 war Napoleons Herrschaft über die deutschen Staaten beendet. Was den hiesigen Patrioten, die sich so mühsam um die „Deutsche Nation“ bemüht hatten, nach der endgültigen Niederlage des französischen Kaisers blieb, war jedoch keine Freiheit, sondern bestenfalls  eine Befreiung vom französischen Joch. Was kam, war die Zeit des Deutschen Bundes mit der Wiedereinsetzung der mehr oder weniger bedeutenden Fürsten. Kaum einer dieser Machthaber dachte an Deutschland oder daran seinem Volk eine Verfassung zu gewähren.

Arnulf Krause schlägt in seinem Buch „Der Kampf um Freiheit“ einen großen Bogen von der französischen Revolution, über Napoleons Eroberungskriege, der Völkerschlacht bei Leipzig, den Wiener Kongress bis zum Wartburgfest. Schwerpunkt seiner Betrachtungen ist die (Er)Findung der deutschen Nation, mit der zentralen Frage „Was ist eigentlich deutsch?“ Johann Wolfgang von Goethes Antwort lautete: „Deutschland! Aber wo liegt es? Ich weiß dieses Land nicht zu finden…“

Auf der Suche nach Deutschland

So ging es den meisten Menschen  noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Als Vaterland betrachteten sie die einzelnen Staaten, in denen sie lebten. Sie waren  Bayern, Preußen oder Bürger einer freien Reichsstadt wie Frankfurt. Während die Franzosen sich in ihrer Revolution von 1789 als Nation etablierten, blieb Deutschland politisch weiter diffus. Was das Deutschland – oder auch noch Teutschland – denn sei, versuchten Dichter und Denker von vielen Seiten her zu ergründen. Über die Sprache, über die Kultur oder über spezielle Tugenden (edel, bieder, treu). Ihnen gehörte, wie es damals hieß, das Reich der Luft, den Franzosen die Erde.

Gleichzeitig machten sich Einige auf, die sogenannten Wurzeln des Deutschen zu finden. So Achim von Arnim und Clemens von Brentano mit ihrer Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ und die Gebrüder Grimm mit ihren (sicher nicht nur deutschen) Volksmärchen. Auch das Nibelungenlied, 1755 erst (wieder)entdeckt, musste hierfür herhalten. Ein Werk, das der Preußische König Friedrich II. als „elendes Zeug“ und keinen Schuss Pulver wert charakterisierte.

Richtig martialisch, auf das Deutschtum verengend und voller Hass auf alles Französische, schrieben und agierten Ernst Moritz Arndt, der berüchtigte „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn und Theodor Körner. Ein Stück Lyrik von Letzterem: „…Und sauft Euch satt im Blut! Und wenn sie winselnd auf den Knien liegen/Und zitternd Gnade schreien,/Laßt nicht des Mitleids feige Stimme siegen,/Stoßt  ohn‘ Erbarmen drein!“

Die Befreiungskriege nahmen ihren Ausgangspunkt in Preußen

Solcherart ideologisch vorbereitet begann vor allem in Preußen der Widerstand gegen Napoleon. Der 1807 im Frieden von Tilsit vom französischen Kaiser gedemütigte Staat mit seinem schwachen König Friedrich Wilhelm III. wurde nach 1813 – Napoleon war mit seinem Rußlandfeldzug gescheitert – zum Ausgangspunkt der „deutschen“ Befreiungskriege. Vorbereitet und getrieben wurde dies von den Reformern Heinrich vom Stein und Karl August von Hardenberg und den Militärs August Neidhardt von Gneisenau und Gerhard von Scharnhorst. In der Völkerschlacht (die Franzosen nennen sie „Kampf der Giganten“) von Leipzig vom 16. Bis 18. Oktober 1813 besiegelten die verbündeten Preußen, Österreicher und Russen das Schicksal Napoleons. Was folgte waren Nachwehen.

Die Patrioten gehörten zu den Verlierern

Und was wurde aus den deutschen Patrioten? Konnten sie ihre Freiheit und ihr einiges Deutschland erkämpfen? Nein. Was folgte war eine Periode der innenpolitischen Friedhofsruhe, der Zensur und die weitestgehende Wiedereinsetzung der alten Ordnung. Viele der zurückgekehrten Fürsten pflegten wieder ihr Gottesgnadentum. An in der Not gegebene Verfassungsversprechen, wie in Preußen, wollten sich die Herrschenden nicht mehr erinnern.  Dass es auch anders ging, zeigte der Großherzog von Baden, der den freisten, der deutschen Staaten regierte.

Keine Einheit, keine Freiheit

Von einem geeinten Deutschland war jedoch keine Spur, alle Macht lag bei den Einzelstaaten, vor allem Österreich und Preußen.. Und viele Protagonisten der Einheit, wie Arndt und Jahn, gehörten in der vom österreichischen Kanzler Klemens Wenzel von Metternich durchgesetzten politischen Repression zu den Verlierern der Entwicklung. So endete der deutsche Krieg gegen Napoleon zwar in der Befreiung von dessen Herrschaft, sie führte aber nicht in die Einheit und schon gar nicht in die Freiheit.

Der Professor der Germanistik und Skandinavistik, Arnulf Krause,  legt ein Buch vor, das dank seines Blickwinkels der für Deutschland spannenden Zeit eine interessante Perspektive gibt. Weit ab von der vor allem in der preußischen „nationalen“ Geschichtsschreibung gepflegten Verherrlichung dieser Periode. Gut geschrieben und kenntnisreich zusammengestellt, ist es ein lesenswertes Werk über die an Mythen, Verklärung bis zur Klitterung reichen Zeit.

Krause, Arnulf: Der Kampf um Freiheit. Die Napoleonischen Befreiungskriege in Deutschland. Theiss Verlag. 2013. 352 Seiten.

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1812: Napoleons entsetzlicher Russlandfeldzug

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