Der Schwarze Prinz und die Schlacht bei Poitiers

669_0Nach „Krähen über Crecy“ und „Die Schlacht bei Agincourt“ hat sich Johann Baier mit seinem Buch zur Schlacht von Poitiers im Jahre 1356 nun mit dem dritten großen militärischen Ereignis der Thronfolgeauseinandersetzungen zwischen Frankreich und England befasst. Diesmal war es der Schwarze Prinz, der Sohn Edward III., der den zahlenmäßig weit überlegenen Franzosen eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte.

Der Leser wird von einem namenlosen Offizier der Walisischen Leibgarde des Schwarzen Prinzen nicht nur durch die Ereignisse begleitet, sondern Anfangs auch in die Hintergründe des Streites um den französischen Thron eingeführt. Mächtige und offensichtlich auch recht unkonventionelle Frauen spielten dabei eine große Rolle. Es begann, so hatte es der Offizier von den gebildeten Männern an Edwards Hofe gehört, mit der Hochzeit der Herzogin Élénore d‘ Aquitaine mit Henri Plantagenet, dem Comte d‘ Anjou, Comte de Maine und Duc de Normandie in der Kathedrale von Poitiers im Jahre 1152. Ein Skandal für die damalige Zeit, lag doch Éléonores Scheidung vom französischen König Louis VII. kaum zwei Monate zurück und war mit Henri  ausgerechnet der Erzfeind von Éléonores Ex ihr neuer Ehegatte geworden. Den Dispens vom Papst hatten die beiden nicht eingeholt und auch um die Erlaubnis des französischen Königs,  ihrer beider Lehnsherrn, hatten sie gar nicht erst gebeten.

Um Macht und Krone

Abgesehen von der sittlich-moralischen Komponente, hatte diese Hochzeit eine enorme Machtverschiebung in Frankreich zur Folge. Denn  die Hochzeit brachte die westlichen zwei Drittel des Landes unter die Herrschaft des Plantagenet und begründete in der Folge den Anspruch auf die französische Krone. Dass es im Rahmen des Hundertjährigen Krieges mit Edward III. und Henry V. ausgerechnet englische Könige waren, die ihre Ansprüche auf den französischen Thron militärisch durchzusetzen versuchten, liegt unter anderem an einem weiteren machtpolitischen Schachzug des normannischen Herzogs Henri Plantagenet . Er ließ sich vom englischen König Stephen adoptieren, als Erben einsetzen und wurde 1154 nach dessen Tod Henry II. König von England.

Politik der mächtigen Frauen

Dynastische Verhältnisse sind kompliziert und verworren und der verwandtschaftlich begründete Anspruch der englischen Könige auf den französischen Thron war formaljuristisch ebenso umstritten, wie der der Konkurrenten aus den französischen Adelsgeschlechtern. Am Ende trat die juristische Komponente immer hinter den Macht- und Bündnispolitischen zurück. Und so wollte auch Edward III. mit seinen französischen Bündnispartnern und militärischer Stärke die Krone des amtierenden französischen Königs Jean II. erringen. Im Hintergrund hatte auch diesmal wieder eine Frau die Fäden gezogen, Isabelle, die Mutter Edward III., auch die französische Wölfin genannt.

Totaler Krieg im Mittelalter

Als am 19. September 1356 das Heer des englischen Thronfolgers Edward am Wald von Nouaillé, nahe Poitier von einer erdrückenden Überzahl  bestgerüsteter französischer Ritter und dazugehörigem Fußvolk gestellt wurde, war dies das Ende einer bis dahin überaus erfolgreichen Chevauchée des Schwarzen Prinzen. Eine Chevauchée war ein Raub- und Zerstörungszug durch die feindlichen Territorien, mit dem Ziel, dem Gegner die wirtschaftliche Basis zum Krieg führen zu nehmen. Im Gegenzug versprachen solche schnellen Vorstöße reiche Beute, die sowohl die Moral der eigenen Truppen stärkte als auch die Kriegskasse füllte. Johann Baier setzt in seinem Buch einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Durchführung und militärisch-strategischen Grundlagen solcher Chevauchées, die zwar nicht den Werten des christlich-abendländischen Rittertums entsprachen, tatsächlich aber Bestandteil der Kriegsführung aller Parteien gewesen waren.

Eine Schlacht mit Überraschungen auf beiden Seiten

Die Chevauchée des Schwarzen Prinzen war überaus erfolgreich, bis seine Truppen nach langer Jagd von dem übermächtigen Heer Jean II. nahe Poitiers gestellt wurden. Der Versuch Edwards, sich der Übermacht durch eine listenreiche Flucht zu entziehen, scheiterte. Die Hoffnung auf Verstärkung zerschlug sich ebenfalls, so dass der Schwarze Prinz mit seinen zahlenmäßig unterlegenen Truppen die Schlacht annehmen musste. Natürlich widmet Baier auch in diesem Buch dem Schlachtverlauf ein ganz besonderes Augenmerk. Und dabei zeigt sich, dass die Franzosen aus der Niederlage bei Crecy einiges gelernt hatten. Die legendären englischen Bogenschützen waren vor Poitiers jedenfalls deutlich weniger schlachtentscheidend, als die generelle Disziplin und Zusammenarbeit der englischen Ritter und des Fußvolkes. Und nicht zuletzt hatte auch die geschickte Auswahl des Schlachtfeldes und die geschickte Verschanzung am Rande des Waldes von Nouaillé eine Rolle gespielt, die den französischen Panzerreitern viel von ihrer Überlegenheit in einer offenen Schlacht genommen hat.

Empfehlenswert, besonders als Dreierpack

„Der Schwarze Prinz und die Schlacht bei Poitiers“ kann literarisch nicht ganz an seine Vorgänger anschließen, inhaltlich ist das Buch jedoch ebenso spannend und informativ. Und obwohl es um die gleiche Auseinandersetzung geht wie in den beiden anderen Büchern, versteht es Baier hier wieder neue Aspekte und Hintergründe einzuflechten und – beispielsweise mit der Chevauchée – einen besonderen Schwerpunkt zu setzen. Aspekte, wie beispielsweise Rekrutierung und Ausrüstung der Bogenschützen oder Fragen von Logistik und Transport, werden jeweils ausführlicher in den anderen Büchern von Johann Baier behandelt, die sich insofern hervorragend gegenseitig ergänzen.

Dr. Johann Baier: Der Schwarze Prinz und die Schlacht bei Poitiers. Verlag Angelika Hörnig 2013. Gebunden, 231 Seiten.

Lesen Sie auch die folgenden GeschiMag-Rezensionen:
Die Schlacht bei Agincourt
Krähen über Crecy

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Eingeordnet unter 3 Mittelalter, Rezension

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