Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864

Die Geschichte um eine der letzten Auseinandersetzungen der Kabinette

Ganschow__Der_Deutsch_Daenische_Krieg_1864 Der Krieg von 1864 war eine der zeittypischen, von Kabinetten geführten Auseinandersetzungen  und nicht der erste der deutschen „Einigungskriege“, zu dem er im Nachhinein stilisiert wurde. Entzündet an der komplizierten Schleswig-Holstein Frage, führte die Niederlage der Dänen gegen die österreichische und preußische Armee dort zu einem „Trauma“.  Der Niedergang von der seebeherrschenden Großmacht zum nordischen Kleinstaat war für Dänemark endgültig besiegelt.

Der Krieg von 1864 hat eine lange Vorgeschichte. Die Autoren beschreiben die Entwicklung auf deutscher Seite von 1815 bis 1848 – zwischen Restauration und Vormärz – wie auch die Dänemarks und der im Fokus stehenden Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, die zum dänischen Königshaus gehörten. Die Situation eskalierte im ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg von1848/50, den die Dänen gegen die dort heimischen Deutschen gewannen. Was folgte war ein auf beiden Seiten sich steigernder Nationalismus sowie eine teilweise Unterdrückung der deutschen Bevölkerung durch die dänischen Machthaber, die den Deutschen Bund, im Wesentlichen Preußen und Österreich, auf den Plan riefen.

Ausgewogene Darstellung des Kriegsverlaufs

Der Kriegsverlauf wird in allen Einzelheiten, mit zahlreichen Originalzitaten von deutscher, wie dänischer Seite erzählt – ohne sich im Stil von Heeresberichten zu verlieren. Dabei bemüht sich der Autor dieses Kapitels, Olaf Haselhorst, immer um eine faire, ausgewogene Darstellung: Sei es bei der überstürzten Räumung der Festungsanlage Dannewerk durch die Dänen – eine wohl strategisch notwendige Entscheidung – wie bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die Preußen. Nebenbei räumt Haselhorst mit Mythen und Legenden auf. Beispielsweise mit der des preußischen Pioniers Carl Klinke, der  – so das Heldenepos – sich durch die Sprengung einer Palisade bei Düppel selbst geopfert haben soll. Laut Angaben des Großen Generalstabs fiel der „Held“ schlicht im Kampf.

Die Dänen  waren hoffnungslos unterlegen

Welch riskanten, ja tollkühnen Weg die Dänen bei der von ihnen (mit)provozierten Auseinandersetzung mit dem Deutschen Bund, die vom 1. Februar bis zum 30. Oktober dauerte, eingeschlagen haben, zeigt die völlige Unterlegenheit der dänischen Armee gegen die österreichisch-preußischen Verbände. Der dänische König Christian IX., wie sein Kabinettchef Ditlev Monrad, hofften zu lange auf die Unterstützung der Briten und Schweden, die dann ausblieb. Nicht zuletzt auch durch die geschickte Diplomatie des preußischen Kanzlers Bismarck. Aber auch zur See, wo die Jüten Preußen und Österreich deutlich überlegen waren, brillierten sie nicht. Im Gegenteil, so der Autor, die von den Dänen als Sieg gefeierte Seeschlacht vor Helgoland gegen ein österreichisches Geschwader unter Wilhelm von Tegetthoff führte letztlich zur Preisgabe der Nordsee.

Schleswig-Holstein wurde kein eigenes Bundesland

Der Sieg der Preußen und Österreicher hatte jedoch auch auf deutscher Seite seine Verlierer. Aus Schleswig-Holstein wurde im Frieden von Wien kein eigenes Bundesland unter dem Erbprinz Friedrich VIII., dem sogenannten Augustenburger.   Diese damals in der deutschen Nationalbewegung populäre Variante wurde von den deutschen Führungsmächten abgelehnt, stattdessen deren Verwaltung unterstellt. Weder konnte der Vielvölkerstaat Österreich die Entstehung eines eigenständigen Herzogtums dulden  – dies hätte Unabhängigkeitsbestrebungen im eigenen Reich als Vorbild dienen können – noch wollte Bismarck einen weiteren Mittelstaat im Deutschen Bund, der ihm dort nur Schwierigkeiten bereiten konnte. Mit der dann gefundenen politisch unbefriedigenden Lösung  – Holstein von Österreich, Schleswig von Preußen verwaltet – wurde (von Bismarck durchaus gewollt) ein Unruheherd geschaffen. Ein Anlass für den 1866 geführten Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland.

Das „rote Kreuz auf weißen Grund“ feierte sein Debüt

Wie sich das Kriegsvölkerrecht, insbesondere das Sanitätswesen vor und während des Krieges von 1864 entwickelt hatte, bringt Jan Ganschow dem Leser nahe. So das „rote Kreuz auf weißem Grund“, das als wirkungsvolles Schutzzeichen des medizinischen Personals  in diesen Gefechten sein Debüt feierte. Dies bereits  fünf Jahre nach der blutigen Schlacht zwischen Österreich und Frankreich/Italien bei Solferino, die Henri Dunant zur Gründung des internationalen Roten Kreuzes veranlasst  hatte. Auch in diesem Kapitel bringen zahlreiche Augenzeugenberichte Farbe in die Geschichte. Ganschow zeigt auch die Bemühungen um einen rechtlich „sauberen“ Krieg auf: Seekriegs- wie Landkriegsrecht werden in diesem Zeitraum kodifiziert. Die Frage der Kontributionen, die Rechte der Gefangenen und – ein weiteres Beispiel – das Kampfführungs- wie das Kampfmittelrecht versuchten die Militärjuristen  festzulegen.

Der Erinnerungskultur an diesen Krieg in Deutschland wie Dänemark widmet sich ein weiteres Kapitel. Dabei zeigt Olaf Haselhorst die unterschiedlichen Ansätze und auch weiterhin vorherrschenden unterschiedlichen Interpretationen dies- und jenseits der Grenze auf. Beispielhaft am „Löwen von Idstedt“, der , in Flensburg wieder aufgestellt, den Dänen als Symbol ihres Sieges von 1848/50 gilt, während er von der  deutschen Politik als völkerverbindendes Zeichen zu deuten versucht wird. Der Autor dazu: „Im besten Fall droht, dass sich aus der Wiederaufstellung des „Löwen“ ein weiteres Symbol des politisch korrekten Gedenkens entwickelt, das zugunsten der dänischen Sichtweise auf die Befindlichkeiten der deutschen Bevölkerung keinerlei Rücksicht nimmt.“

Insgesamt ein Buch, das den letzten aktiven Krieg der Dänen, den ersten in einer Reihe des entstehenden Deutschen Reichs, übersichtlich und gut verständlich beschreibt. Sehr gut auch die Zusammenfassung der komplexen Vorgeschichte, wie der Abriss der weiteren deutsch-dänischen Beziehungen. Ein insgesamt sehr gutes Buch zu einem zumindest in Deutschland kaum noch präsenten Krieg, der von den folgenden in den Jahren 1866 und vor allem 1870/71 in den Schatten gestellt wurde.

Ganschow, Jan; Haselhorst, Olaf; Ohnezeit, Maik: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte, Verlauf, Folgen. Ares Verlag. 2013. 336 Seiten.

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