Wenn das Geld rasant seinen Wert verliert

Kipper und Wipper im Dreißigjährigen Krieg

800px-Ausschnitt_VD17_23_244808WWenn Geld im rasanten Tempo an Wert verliert, ist dies für jede Volkswirtschaft eine Katastrophe. Auch zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bedeutete  die Inflation eine zusätzliche, enorme Belastung für die Bevölkerung, die schon durch die umherziehenden Heere und deren Plünderungen gequält wurden. Vor allem das 1622 in Böhmen gegründete Münzkonsortium heizte die Geldentwertung durch Münzverschlechterung – das Kippen und Wippen – gewaltig an.

Das Kippen und Wippen der Edelmetallmünzen war in der Frühen Neuzeit eine beliebte und bekannte Unsitte. Und es war ein Synonym für Betrug. Gekippte, am Rand beschnittene, und gewippte, durch falsches wiegen manipulierte Münzen waren weniger Wert als sie vorgaben. Allerdings handelte es sich hierbei in der Regel um Einzelfälle, gab jedoch der Zeit ihren Namen. Richtig schlimm wurde es, wenn die Münzmanipulation im großen, staatlich organisierten Maßstab durchgeführt wurde. Dann verlor das Geld seinen Wert im rasanten Tempo, mit schlimmen Folgen für die Menschen. Zumindest für die meisten. Enorme materielle Werte wurden vernichtet und es kam zu einer gründlichen Umverteilung von den vielen auf wenige.

So auch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Diese militärische Auseinandersetzung, die 1618 in Böhmen ihren Anfang genommen hatte, ging gerade in ihr viertes Jahr. Der Krieg verschlang wegen des Einsatzes von Söldnern Unsummen. Und Geld hatten die notorisch klammen Fürsten immer zu wenig. Dies galt im besonderen Maße für  den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Ferdinand II. von Habsburg.

1622 nahm das Münzkonsortium die Arbeit auf

Was lag näher, als aus dem vorhandenen Geld mehr zu machen?  Die Zeit des organisierten Kippen und Wippens begann. Da das Metall, in der Regel Silber, einer Münze ihre Kaufkraft bestimmte, brauchte doch nur heimlich weniger davon beim Prägen verwendet zu werden als bisher. Der Rest war Reingewinn. Eine systematische Herabsetzung des Silbergehaltes wurde in den Ländern der Habsburger schon vom böhmischen Statthalter betrieben. So richtig professionell begann die Münzverschlechterung am 1. Februar 1622. An diesem Tag nahm ein Konsortium, dem unter anderem der spätere Feldherr Wallenstein angehörte, seine zumindest für den Kaiser Ferdinand II. und die 15 Mitglieder segensreiche Tätigkeit auf. Sie überschwemmten das Land mit Talern – insgesamt etwa 34 Millionen Stück -,  deren Silbergehalt zu Anfang rund ein Viertel unter der bis dahin gültigen Norm lag. Später deutlich mehr.

 Die Soldaten wollten für das schlechte Geld nicht kämpfen

 Die Folgen waren verheerend. Nach einer kurzen Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, merkten viele Menschen, dass das neue, reichlich vorhandene Geld minderwertig war. Die ganz Schlauen hatten schon früh das neue Geld gegen das alte, silberreiche eingetauscht und einen schönen Gewinn gemacht. Wer konnte, verweigerte die Annahme. Handwerker und Händler kehrten zum Tauschgeschäft zurück oder erhöhen die Preise drastisch. Soldaten wollten für die schlechte Münze nicht in den Krieg ziehen. Nur für die guten, alten Münzen gab es Waren und Leistungen. Kurz: Das wirtschaftliche Leben nahm schweren Schaden. Die größten Verlierer waren die Untertanen, die feste Einkommen bezogen. Sie verarmten mit hoher Geschwindigkeit.

 Sahen die Menschen zu Anfang die Münzmeister als Betrüger, die sich ihren Teil vom Silber einfach einbehielten, wurde schnell klar, dass dies alles im Auftrag und Namen der Obrigkeit geschah. Schließlich prangte auf jeder Münze das Bild und Siegel des Herrschers. Und die Nutznießer waren die da oben. Sie konnten ihre Schulden in schlechtem, reichlich vorhandenem Geld bezahlen.

 Das wertlose Geld kam über die Steuereinnahmen zurück

 Brenzlig wurde es für die Obrigkeit, als es in zahlreichen Städten zu Tumulten kam. So wurden in Augsburg wegen der erheblichen Verteuerung des Brots, des wichtigsten Grundnahrungsmittels im 17. Jahrhundert, die Bäckerläden gestürmt. Sicher wichtiger für eine Kehrtwendung der Regierenden war aber dann die Erkenntnis, dass auch die Steuereinnahmen in schlechter Münze zu fließen begannen. Das war nicht Sinn dieser Übung.

 So wurde der auf ein Jahr begrenzte Vertrag des Konsortiums vom Kaiser nicht verlängert. Die Folge: Das neue Geld wurde hier wie ebenfalls in anderen Teilen des Reichs kräftig abgewertet. Dies bedeutete, dass die Menschen, die diesen Münzen vertraut hatten, einen Großteil ihres Vermögens verloren. Die anderen, wie insbesondere Wallenstein, hatten zum Beispiel in Land investiert. Sie wurden reich, sehr reich. Wallenstein konnte dem Kaiser 1625 auf eigene Kosten eine ganze Armee zur Verfügung stellen.

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Wallensteins Bankier

 

 

 

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Eine Antwort zu “Wenn das Geld rasant seinen Wert verliert

  1. Christian Meißner

    Dieses Thema behandelt ausführlich das Buch von Steffen Leins „Das Prager Münzkonsortium 1622“ (Aschendorff Verlag).

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