Der Schwede kommt – der Krieg geht weiter

Vom Frieden mit Christian I., Gustav Adolfs Landung im Reich und Wallensteins Entlassung

Gustav_II_Adolf_landstiger_i_TysklandAls der schwedische König Gustav Adolf  am 26. Juni 1630 in Peenemünde an Land ging, hätte er sich keinen besseren Zeitpunkt für seinen Kriegseintritt im Deutschen Reich aussuchen können. Wichtige Teile der kaiserlichen Armee waren in Italien – im Konflikt um Mantua – gebunden, der scheinbar allmächtige Wallenstein stand kurz vor seiner Ablösung und die Kurfürsten setzten zudem eine drastische Verminderung des kaiserlichen Heeres durch. Da traf der Schwede mit seiner kleinen Armee auf geringen Widerstand.

 In den Jahren 1628 und 1629 schien die Macht des Kaisers – gestützt auf Wallensteins riesige Armee – und der Liga vollkommen. Vom Bodensee bis zur Nord- und Ostsee herrschten die Katholiken. Wallenstein erhielt das Herzogtum Mecklenburg, deren Fürsten in einem rechtlich mehr als fraglichem Verfahren von Ferdinand II. enteignet wurden. Hatten sie doch zu lange und offensichtlich Christian IV. unterstützt. Aber es zeigte sich, dass die kaiserliche Landmacht ohne ausreichende maritime Unterstützung an den deutschen Küsten erhebliche Probleme hatte.

Stralsund war ohne Flotte nicht zu besiegen

Wie erheblich die Probleme waren, zeigte 1628 die Hansestadt Stralsund. Wallenstein wollte, wie in den anderen Küstenorten seines Herrschaftsbereichs auch, eine kaiserliche Garnison in die Stadt legen – die Ratsherren lehnten dies ab. Nach längerem Hin und Her entschloss sich der Generalissimus zur Belagerung. Die aber scheiterte, da es den Dänen und Schweden, dank ihrer Überlegenheit zur See, gelang, die Hafenstadt mit Soldaten und Kriegsmaterial zu versorgen. Die erste bittere Niederlage Wallensteins und ein Anfangserfolg der Schweden, die Stralsund von nun an beherrschten. Die protestantische Welt jubelte; war dies doch eine der wenigen Siege – oder besser Nicht-Niederlagen – gegen die scheinbar übermächtigen Katholiken.

Für die Schweden unter ihrem Kriegerkönig Gustav Adolf war Stralsund der Eintritt in die deutschen Auseinandersetzungen. Schon 1627/28 wurde im Stockholmer Reichstag die grundsätzliche Zustimmung zum Kriegsbeitritt gegeben und am 18. Januar 1629 folgte die Entscheidung, diesen offensiv, sprich auf deutschem Boden, zu führen. Der später oft ins Feld geführte Grund, die protestantischen Glaubensbrüder gegen die katholisch-habsburgischen Allmachtsansprüche, manifestiert im Restitutionsedikt, in Schutz nehmen zu wollen, war einfach Propaganda. Denn dieser unselige Erlass, Inbegriff des reaktionären Vorgehens Kaiser Ferdinand II., war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht.

Kurfürst Maximilian forderte Wallensteins Absetzung

Wallenstein hatte sich nach Stralsund mit zahlreichen Problemen zu beschäftigen. Gerne mit seinem neuen Herzogtum Mecklenburg. Hier konnte er sein großes Organisationstalent erneut ausleben. Weiter der Frieden mit Dänemark, dies auch mit Verve und der, wenn auch späten Einsicht, dass die Beilegung dieses Konflikts nur ohne Knebelung des Gegners zu erreichen war. Dann – wiederwillig – mit der Liga und den katholischen Kurfürsten, angeführt von Maximilian von Bayern: Sie forderten vom Kaiser schlicht seine Absetzung. Und nicht zuletzt der ungute Krieg um Mantua, in den sich Ferdinand II. von seinen spanischen Verwandten immer tiefer hineinziehen ließ – gegen das wiedererstarkte Frankreich. Und gegen Wallensteins Einwendungen.

Und es gab noch den Krieg zwischen Gustav Adolfs Schweden und den Polen, deren König Sigismund immer noch Ansprüche auf den Thron in Stockholm hoch hielt. Ein Konflikt, den der Generalissimus des Kaisers gerne sah. Hinderte dies doch den Schweden, den er für einen gefährlichen Gegner hielt, militärische Aktivitäten im Reich zu entfalten. Also galt es Gustav Adolf dort weiter zu beschäftigen – Wallenstein schickte seinen besten Feldmarschall zu Unterstützung Sigismunds. Im Frühjahr 1629 ging Arnim mit 15 000 Mann Richtung Preußen. Kein willkommener Gast bei Polens König und Parlament, gelang es einer kaiserlich-polnischen Armee trotzdem, den Schweden eine Niederlage beizubringen. Allerdings eine ohne strategische Folgen. Schlimmer: Arnims Soldaten starben bei der folgenden Belagerung Marienburgs, wohin sich die Nordländer zurückgezogen hatten, reihenweise. Er selbst trat von seinem Amt zurück.

Franzosen vermitteln Waffenruhe zwischen Schweden und Polen

 Gustav Adolf hatte aus diesem Feldzug gelernt. Er wollte diesen Kriegsschauplatz los werden. Die Franzosen, sprich der regierende, große Kardinal Richelieu, vermittelten in Person des Diplomaten Baron de Charnacé im September 1629 einen Waffenstillstand, der für sechs Jahre galt. Polen rettete seine Ehre, die Schweden sicherten sich die Hafenstädte Pillau, Elbing, Memel und deren, wie auch die auf der Weichsel anfallenden Zölle; wichtige Geldquellen für den kommenden Krieg im Reich.

Und auf diesen Krieg galt es sich für die Nordländer, jetzt endgültig vorzubereiten. Obwohl Gustav Adolf schon die Bewilligung vom Reichstag und Reichsrat hatte, debattierte er im Herbst 1629 erneut seinen möglichen Feldzug gegen den Kaiser mit seinen Ständen. Die Niederlage des Dänen Christian IV. vor Augen, wollte er die Risiken auf möglichst viele Schultern verteilen. Zudem wurde nach einem „gerechten“ Kriegsgrund gesucht, wichtig in der damaligen Zeit. Und diesen fanden die Räte und König nicht in der Religion – die wurde, wie der langjährige Kanzler Axel Oxenstierna später erklärte, nur vorgeschoben – sondern in der drohenden Hegemonie der Katholischen im Reich und vor allem an der Ostseeküste. Und die Ostsee betrachteten die Schweden als ihr Meer – dominium maris baltici.

Gustav Adolf landet mit nur 13 000 Soldaten in Peenemünde

Am 6.Juli 1630 ging der Löwe aus Mitternacht in Peenemünde an Land. Eine Flotte von 129 Schiffen hatte ihn und seine über 13 000 Soldaten innerhalb einer Woche übers Meer gebracht. Zusätzliche Söldner aus Finnland, dem Baltikum und Stralsund verstärkten die Armee, die von kaiserlicher Seite keinen Widerstand erfuhr. Zudem sollte Axel Oxenstierna – Gustav Adolfs Kanzler – Verstärkung aus Preußen zuführen; die deutschen Reiter in schwedischen Diensten ließen jedoch auf sich warten – sie meuterten wegen Soldrückständen.

Wo waren die kaiserlichen Truppen, wo war ihr Generalissimus? Warum gelang es nicht die recht schwachen Schweden zurück ins Meer zutreiben? Zum Einen: Wallenstein weilte in Memmingen, weit im Süden des Reiches. Dort erwartete er die Beschlüsse des Kurfürstentages zu Regensburg. Hauptthema auf dieser Konferenz war die Absetzung des Feldherren und die Reduzierung seiner Truppen. Zum Anderen: Die kaiserlichen Heere waren über das Reich verstreut und in Italien gebunden. So konnte Gustav Adolf, trotz erheblicher finanzieller und logistischer Schwierigkeiten, seine Position langsam sichern und ausbauen, ohne auf einen echten Gegner zu stoßen. Und der kommandierende General auf kaiserlicher Seite – Torquato Conti – unternahm mit seinen verlotterten Heerhaufen wenig bis nichts.

Wallensteins Absetzung kam zu ungünstigsten Augenblick

Die Absetzung Wallensteins hätte zu keinem schlechteren Zeitpunkt für die Sache der Katholischen kommen können. Es ist nach wie vor rätselhaft, wie vor dieser Invasion aus dem Norden die romgläubigen Kurfürsten, die Augen so fest verschließen konnten. Hass, in diesem Fall gegen Wallenstein, war sicher kein guter  Ratgeber. Denn die Erfolge Gustav Adolfs – erst langsam, ja bedächtig, dann immer furioser – holten gerade diese Fürsten mit aller Wucht und Grausamkeit in den Jahren 1631 und 1632 ein.

Aus dem Norden des Reiches verschwand mit Gustav Adolfs Siegeszug gen Süden der große Krieg für einige Jahre dorthin, wo er hergekommen war. Was blieb, waren Scharmützel kleinere Armeen und die schwedischen Besatzer, die den Weg zur Ostseeküste, und damit nach Schweden, offenhalten sollten. Für die Bevölkerung auch dies wahrlich kein leichtes Los – schließlich waren die Söldner die Herren des Landes – und die nahmen sich einfach was sie brauchten.

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Der Kriegerkönig

Wallensteins Flotte.

Christian IV.

Wie der Krieg in den Norden kam.

 

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg, Krieg im Norden Europas zu Lande und zu Wasser zur Zeit des 30 jährigen Krieges

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