Schlachten brachten im Dreißigjährigen Krieg keine Entscheidung

Nur das Treffen am Weißen Berg  hatte nachhaltige Folgen

800px-Schlacht_am_Weißen_Berg_C-K_063Die Schlachten im Dreißigjährigen Krieg führten nur scheinbar zu langfristigen Umwälzungen. Oft sah es nach einer dauernden Überlegenheit einer der Blöcke aus. Genau diese Situation bewog dann neue Mächte, sich in das tödliche Ringen im Deutschen Reich zu stürzen. Das militärische Treffen mit der nachhaltigsten Wirkung war die Schlacht am Weißen Berg. Der Sieg der Katholiken über die Böhmen war endgültig. Breitenfeld dagegen, hier schlug Gustav Adolf von Schweden die kaiserlich-bayerische Armee unter Tilly, oder auch Nördlingen, ein Desaster für die Schweden, hatten für die Machtverteilung im Reich nur eine vorübergehende Bedeutung.

 Die nachhaltigste Schlacht war auch eine der kürzesten. Am Weißen Berg schlugen die bayerischen und kaiserlichen Söldner die der Böhmen nach knapp zwei Stunden so entscheidend, dass der militärische Widerstand – in und um die Hauptstadt Prag – fast augenblicklich zusammenbrach. Dabei stand das Treffen, das die Katholiken am 8. November 1620 so souverän für sich entschieden, im Vorfeld unter keinem guten Stern. Der kaiserliche General Buquoy wollte sich nicht schlagen. Ihm schien die Stellung der Böhmen unter Christian von Anhalt auf dem Weißen Berg zu gut gewählt, um einen Erfolg der kaiserlich-bayerischen Armee zu ermöglichen.

Böhmens Schicksal wurde für dreihundert Jahre entschieden

Ganz anders Maximilian von Bayern. Der Herzog, kein militärischer Fachmann und auch kein blindwütiger Draufgänger, bestand auf dem Angriff. Und er hatte recht. Die Truppen der Katholiken erkämpften vor den Toren Prags einen überwältigenden Erfolg. Sie verloren etwa eintausend Mann, die Gegenseite rund neuntausend. Böhmens Schicksal wurde durch diesen Sieg für fast dreihundert Jahre entschieden.

1631 in Breitenfeld, nördlich von Leipzig, sah es zu Anfang nicht nach einem Triumph der vereinigten schwedisch-sächsischen Armee mit ihren 40.000 Männern aus. Zwar war die frisch zusammengestellte Truppe der Sachsen wohl allerfeinst anzuschauen in ihren neuen Uniformen. Mit dem Kampfeswillen jedoch haperte es. Ein gezielter Angriff der Tillyschen Kavallerie schlug die Sachsen schnell in die Flucht – allen voran galoppierte ihr Kurfürst Johann Georg von dannen.

Breitenfeld machte Gustav Adolf zum Kriegsgott

Dank seiner flexiblen Aufstellung und des schnellen, immer wieder eingeübten Umschaltens der Einheiten, gelang es den Schweden unter ihrem König die Lücken zu schließen und anzugreifen. Dem hatten dann die 36.000 kaiserlich-bayerischen Söldner nichts mehr entgegenzusetzen. Der schwedische Sieg war nach vier Stunden überwältigend.

Die katholische Seite erlitt erstmals in diesem Krieg eine ernstzunehmende Niederlage. Der sieggewohnte General Tilly war demoralisiert, seine Truppen zerstreut. Und schon stand der ganze südliche Teil des Deutschen Reichs Gustav Adolf  – der jetzt eine Art Kriegsgott war – offen, ja ein Marsch auf Wien, ins Herz des Feindes, war denkbar.

Nach Gustav Adolfs Tod herrschte ein militärisches Patt

Anders aber als nach der Schlacht am Weißen Berg war die Niederlage der katholischen Seite keine endgültige. Dafür reichten die militärischen Mittel der Schweden und ihrer Verbündeten schlicht nicht aus. Die Pfaffengasse – die reichen fränkischen Bistümer -, Frankfurt, Mainz und selbst Bayern fielen zwar in die Hand des Eroberers aus dem Norden, aber mit dem erneuten Erscheinen Wallensteins im Kriegstheater war der Siegeszug der Schweden beendet.

Nach dem Tod Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen (1632) herrschte zwischen den Kaiserlichen und den Schweden ein militärisches Patt. Ein Patt, das erst nach Wallensteins Ermordung endete.

Nördlingen im Sommer 1634:  Etwa 25.000 den Schweden dienende Söldner unter Bernhard von Weimar und Gustav Horn versuchten, die von den vereinigten Armeen des spanischen Kardinalinfanten Don Ferdinando und des Kaisersohns Ferdinand belagerte protestantische Stadt zu entsetzen. Die zerstrittenen Führer der schwedischen Armada begannen am Morgen des 6. September schlecht abgestimmt die Angriffe gegen die 33.00 Belagerer.

Die Schlacht bei Nördlingen machte den Kaiser scheinbar übermächtig

Das Unternehmen endete in einem Fiasko für die Schweden. Horn wurde gefangen genommen, Bernhard von Weimar floh, Nördlingen kapitulierte. Die schwedische Einflusszone im Reich brach in sich zusammen. Der Kaiser und seine Armee schienen, wie schon in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts, übermächtig. Mit dem Prager Frieden 1635 bestärkte sich der Eindruck, dass die Position Schwedens im Reich endgültig unhaltbar wäre; denn deren wichtigste ehemalige Verbündete im Reich versöhnten sich mit dem Kaiser. Der Krieg hätte zu Ende sein können.

Frankreich tritt offen in den Krieg ein

Aber nur einen Monat nach dem Friedenschluss der Protestanten mit Ferdinand II. erklärte Ludwig XIII. Spanien den Krieg. Frankreich, unter Führung Kardinal Richelieus, trat mit frischen Kräften vom verdeckten in den offenen Krieg gegen Habsburg ein. Auch im Deutschen Reich. Das Ringen trat in eine neue, noch grausamere Runde.

Das Gefecht bei Wittstock im Oktober 1636 brachte die Schweden als Sieger zurück in den Krieg; im November 1643 erlitten die Franzosen bei Rheinfelden einen schwere Niederlage; Freiburg im August 1644  – hier standen Franzosen gegen Bayern – zementierte nur die bestehenden Machtverhältnisse;  Jankau im März 1645 sah erneut die Schweden als Sieger. Dennoch, all diese und andere Schlachten, so blutig sie auch waren, führten nur noch zu kurzfristigen Erfolgen, die durch das sogenannte Kriegsglück der anderen oder schlichtes Unvermögen schnell wieder zunichte gemacht wurden.

Keiner war stark genug, den anderen final zu besiegen. Allerdings ging es mit des Kaisers Offensivkraft immer weiter abwärts. Verlassen von ehemaligen Verbündeten wie Sachsen, vom bayerischen Kurfürst Maximilian unter Druck gesetzt, willigte Ferdinand III. schließlich in die Friedensbedingungen der beiden Kronen – Frankreich und Schweden – ein. Keine Schlacht, kein Sieg, nur die allgemeine, nahezu totale Erschöpfung brachte schließlich am 24. Oktober 1648 den Frieden.

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Wittstock 1636

 Friedrich V. und Böhmen

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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