Die Ungeheuer der griechischen Mythologie

Kampf des Zeus gegen den Titanen Typhon

In der griechischen Mythologie müssen sich Götter und Helden immer wieder mit mächtigen Ungeheuern auseinandersetzen, deren Ursprung weit in die Vorgeschichte zurückreicht. Da finden sich göttliche Ungeheuer wie die Titanen, die sich mit ihren Eltern anlegen, Ungeheuer als Ergebnis merkwürdigster ehelicher Verbindungen und Ungeheuer, die scheinbar nur dazu da waren, um von göttlichen Helden getötet zu werden.

Den griechischen Ungeheurn und ihren historisch-mythologischen Hintergründen auf die Spur zu kommen, ist nicht ganz einfach. Denn die griechische Mythologie ist kein einheitliches Ganzes. Das, was uns heute beispielsweise als Schwabs schönste Sagen des klassischen Altertums entgegentritt, basiert letztendlich auf einer von Hesiod im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit entwickelten komplexen Systematik (Theogonie) unterschiedlichster kultureller und weltanschaulicher Stadien der Bevölkerung des heutigen Griechenland.

Die verschiedenen Göttergenerationen, ihre gegenseitige Ablösung und spätere teilweise Reintegration in den hellenistischen Olymp lassen sich auf die verschiedenen Besiedlungs- und Einwanderungsphasen zurückführen. Die Entstehungsgeschichte der Welt und der Götter unterliegt auf dem Weg über die minoische Kultur sicherlich auch vorderasiatischem Einfluss.

Das Chaos

Am Anfang war das Chaos, eine ungeordnete Masse, oben und unten. Aus ihm wuchs die Göttin Gaia, die Urmutter der Erde. Das Chaos unten gebar den dunklen Raum (Erebos), der später zur Unterwelt wurde. Aus dem Chaos oben gebar die göttliche Urmutter den Himmel (Uranos). Pontos und Tartaros waren ihre nächsten Söhne und – wie Uranos ebenfalls – Ehegatten der Gaia.

Aus der Verbindung der Mutter-Sohn-Ehen gingen zahlreiche weitere Götter hervor. Mit Uranos hatte sie neben anderen die Titanen, halb Mensch, halb schlangengestaltige Götter. Einer der Titanen, Kronos tötete seinen Vater und gründete eine neue Göttergeneration.

Gaia gebar von Pontos die Geschwister Kétos und Phórkys, aus deren Verbindung die geflügelten, schlangenhaarigen, mit Hauzähnen ausgestatteten Gorgonen und das Meeresungeheuer Skylla mit Hundeköpfen und Fischleib stammten. Kétos wird als Meeresungeheuer beschrieben und Phórkys ist ein greiser Meeresgott mit dem Beinamen Krataios (der Starke).

Drachenkampf

Die Ehe Gaias mit Tartaros führte zu Echidna, einem dämonischen Mischwesen aus Schlange und Frau (auch als große Meeresschlange bezeichnet) und den geflügelten Typhón mit 100 Drachenköpfen und Schlangenfüßen. Typhón wurde der Sage nach von Zeus besiegt und unter dem Ätna begraben. Als Pýton (hier ein weiblicher Drache und damit wahrscheinlich die mythologisch ältere Version) hat Typhón das der Gaia geweihte Orakel in Delphi bewacht, bis er von Apollon, einem Sohn des Zeus, also der jüngsten indoeuropäischen Göttergeneration getötet wurde.

Typhón und Echidna produzierten ihrerseits wiederum eine neue Generation von Ungeheuern:
– Ládon, Schlangendrache mit 100 Köpfen, Bewacher des Baumes mit den goldenen Äpfeln.
– Die Chimäre, ein feuerspeiendes Ungeheuer mit dem Kopf eines Löwen, dem Leib einer Ziege und dem Schwanz eines Drachen.
– Die Hydra, eine neunköpfige Wasserschlange mit giftigem Atem.
– Die Sphinx, ein dämonisches Mischwesen mit dem Kopf und der Brust einer Frau und mit geflügeltem Löwenleib.
– Kerberos, mehrköpfiger Hund, Bewacher des Tores zur Unterwelt, mit Schlangenschwanz und Schlangenkopf auf dem Rücken.

Naturgottheiten der vorgriechischen Bevölkerung

Bei den hier vorgestellten Ungeheuern bzw. Mischwesen/Drachen handelt es sich um ursprüngliche Naturgottheiten der vorgriechischen Bevölkerung. Mit der Entstehung der hierachisch geordneten griechischen Stadtstaaten bildete sich die sogenannte homerische Religion heraus. In dieser Adelsreligion hatten die Götter menschliche Gestalt angenommen. Der indoeuropäische Zeus war jetzt, nachdem er Kronos gestürzt und die Titanen besiegt hatte, der mächtigste Gott. Und ähnlich wie in den vorderasiatischen Mythologien schuf und ordnete er die Welt neu. Die alten großen Göttinnen wurden in gezähmter Form in den Götterhimmel integriert, die Athene, eine kulturgeschichtlich wesentlich ältere Göttin (kretische Schlangengöttin Atana) als Zeus, wurde aus dem Schädel des Zeus geboren und nach und nach wurden auch die Kinder der immer noch mächtigen Gaia mythologisch ins Abseits gestellt.

Der Untergang der alten Götter

Typhón wurde von Zeus besiegt und unter dem Ätna begraben, wo er noch heute wütend Feuer und Lava spuckt. Als Python, der weiblichen Personifikation des Glaubens an die große schöpferische Urmutter, wurde er noch einmal von Apollon getötet.

Herakles, der die Olympier beim Aufstand der Titanen unterstützt hatte, tötete im Rahmen seiner 12 Aufgaben am Hofe des Königs Eurystheus, Ladon und  die Hydra und entführte zudem den Kérberos zumindest zeitweise aus dem Hades. Der Held Berllerophontes tötete die Chimära, die Sphinx wurde von Ödipus vertrieben und die Gorgone Medusa wurde von Perseus getötet.

Durchdringung verschiedener Kulturen

Wenn in Rahmen dieses Beitrags eine relativ klare Linie der Ablösung der Göttergenerationen und der Kulturfolge gezeichnet wird, dann ist dies natürlich stark vereinfacht. Wie vielfältig die gegenseitige Durchdringung verschiedener Kulturen und Weltansichten in Griechenland eigentlich war, zeigt allein die Tatsache, dass es wenigstens drei Varianten der Typhon-Sage, sechs Varianten der Phyton-Sage und zwei Varianten der Hydra-Geschichte gibt. Auch die Machtübernahme durch Kronos und viele andere Ereignisse, die Hesoid so wohl geordnet und systematisiert hat, sind aus vielen verschiedenen mythologischen Quellen gespeist und in verschiedenen Versionen überliefert.

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