Christian IV.: Der populäre Dänenkönig, dem kaum etwas gelang

Kristian_IV_av_Danmark,_malning_av_Pieter_Isaacsz_1611-1616Christian IV. versuchte viel. In der Landwirtschaft, bei der Ankurbelung des Handels und sogar im Überseehandel. Vieles in seiner über fünfzigjährigen Regierungszeit endete einem Desaster, was seiner bis heute anhaltenden Popularität in Dänemark nicht schadet.  Vor allem bei den von ihm angezettelten Kriegen zog der 1577 geborene König – bis auf eine Ausnahme – immer den Kürzeren.

Der Dänenkönig war reich. Die Sundzölle, die alle Schiffe auf ihrer Fahrt zwischen Nord- und Ostsee zahlen mussten, flossen reichlich und in des Königs Taschen. Hierüber brauchte er seinem Reichsrat, mit dem er in einem dauernden Konflikt stand, keine Rechenschaft abzulegen. Und diese Gelder bildeten die Grundlage für seine kriegerischen Abenteuer.

Immerhin eine dieser Auseinandersetzungen – den Kalmarkrieg von 1611 bis 1613 gegen Schweden – beendete er siegreich. Zunächst gegen Karl IX., dann nach dessen Tod gegen den erst siebzehnjährigen Gustav Adolf, konnten die angreifenden Dänen den Krieg für sich entscheiden. Schweden musste 1 Million Reichstaler zahlen, um seine Festung Älvsborg am Kattegatt zurück zu erhalten. Viel, für das verarmte Land. Auch dieses Geld floss direkt in Christians Kassen.

Christian wollte seine dominierende Rolle im Norden ausbauen

Seine Entscheidung, sich in dem Krieg im Deutschen Reich einzumischen, traf der beratungsunwillige König gegen den Widerstand des Reichsrates. Der Däne sah hier eine Chance, sich eine dominierende Position im deutschen Norden aufzubauen und gleichzeitig die erstakenden Schweden unter ihrem Kriegerkönig Gustav Adolf in die Schranken zu weisen. Religiöse Motive spielten beim gläubigen Lutheraner hinter der Sicherung seiner Pfründe und der Macht, wie so häufig in der als Religionskrieg bezeichneten Auseinandersetzung, eine eher propagandistische Rolle. Dies zeigen beispielsweise Christians gute Beziehungen zu den Spaniern, den Spanischen Niederlanden sowie zum katholischen Polen.

Am 24. März 1625 ließ er sich zum militärischen Chef des niedersächsischen Kreises wählen und konnte damit scheinbar eine gute Ausgangsposition im Reich aufbauen. Nach mehreren wenig erfolgreichen Operationen erreichte Christians militärische Fehleinschätzung am 27. August 1626 einen ersten Höhepunkt. Nordwestlich des Harzes, bei Lutter am Barenberge, holte der Liga General Tilly die Dänen ein und zwang sie zur Schlacht. Der König verlor mehr als die Hälfte seiner Truppe und musste sich fluchtartig auf Wolfenbüttel zurück ziehen. Auch das konnte er nicht halten und landete schließlich an der Küste bei Stade.

Nur seine Schiffe retteten den König

Den Angriffen der Truppen Wallensteins und Tillys hatte der mutige, aber militärisch eher unbegabte Christian 1627 nichts Wesentliches mehr entgegensetzen. Zudem beging der Däne schwere strategische Fehler: Er ließ eine Dreiteilung seiner Armee zu, als der Gegner das eigene Staatsgebiet angriff. So blieb das Hauptkontingent seiner Armee auf der Insel Poel untätig. Thurn – der Prager Fensterstürzer, jetzt in dänischem Dienst stehend – sollte nun mit rund 8000 Mann gegen eine fünf- bis sechsfache kaiserlich-ligistische Übermacht antreten. Dies misslang vollständig. Dänemark versank im Chaos und der König flüchtete sich auf seine Inseln. Seine Armee war vollständig geschlagen, nur seine intakte Flotte – und das Fehlen einer solchen auf Wallensteins Seite – rettete ihn vor der völligen Niederlage.

Christian versuchte nun mit Hilfe seiner Flotte den Gegner zu treffen. Aber alle Landungsversuche an der deutschen Küste scheiterten, zuletzt gelang ihm wenigstens die Unterstützung Stralsunds, das sich erfolgreich gegen die Belagerung durch Wallenstein zur Wehr setzte. Doch den Schweden, die die Hansestädter ebenfalls mit Söldnern versorgt hatten, gelang es am Ende, Stralsund vertraglich an sich zu binden; für Gustav Adolf ein erster Brückenkopf im Deutschen Reich.

Christians letzter Versuch auf dem Festland Fuß zu fassen, wurde am 22. August 1628 bei Wolgast von Wallenstein vereitelt, der „Wasserkönig“ auf seine Schiffe zurück getrieben. Erst mit dem Frieden von Lübeck am 5. Juni 1629 fanden die kriegerischen Ambitionen Christian IV. gegen den Kaiser ein Ende. Für den Dänen dennoch ein guter Abschluss: Behielt er doch sein Territorium, musste sich zukünftig nur aus den Angelegenheiten des Reiches heraushalten. 8,2 Millionen Taler soll der Krieg Dänemark gekostet haben und dies bei regulären Einnahmen von 600.000 Talern im Jahr.

Christian verlor sein rechtes Auge in einer Seeschlacht

Mit Schweden lief es nicht so gütlich ab. Christians Versuche, den wachsenden schwedischen Einfluss zu begrenzen, beantworteten die nordischen Nachbarn mit einem Blitzfeldzug. Obwohl im Krieg gegen den Kaiser und seine Verbündeten voll engagiert, überrannten Lennart Torstensson und Gustav Horn 1643/44 die dänischen Truppen. Nur zur See konnte der alte „Jüte“, wie die Schweden ihn nannten, am 1. Juli 1644 in der Schlacht bei der Kolberger Heide ein heroisches Zeichen setzen – er verlor beim knappen Sieg der Dänen sein rechts Auge. Aber kaum drei Monate später unterlagen die Dänen einer schwedisch-holländischen Armada und mussten im Frieden von Brömsebro schwere Gebietsverluste hinnehmen.

Auch diese herbe Niederlage schadete Christians Ansehen beim Volk nicht. Ebenso wenig wie sein misslungener Versuch, die Bauern zu befreien, oder die Abschaffung der Zünfte, vom König erst vollmundig verkündet und dann in weiten Teilen zurückgenommen, als er Nachteile für sich entdeckte. Dank guter Selbstdarstellung, konnte er für diesen, wie weitere Fehlschläge den Adel des Landes verantwortlich machen. Christian fügte seinen Missgriffen noch einen weiteren hinzu: Wie viele Seemächte der Zeit glaubte auch er eine Ostindien-Kompanie gründen zu müssen, um an den südostasiatischen Reichtümern partizipieren und die Flagge Dänemarks auf den Weltmeeren zeigen zu können. Das Geld verschlingende Unternehmen wurde nach Christians Tod eingestellt.

Der König gönnte sich eine Freizügigkeit, die er Anderen verweigerte

Auf einem Gebiet war der König dagegen sehr erfolgreich: Immerhin 23 Kinder soll der keinen Genüssen abgeneigte Däne von zahlreichen Mätressen hinterlassen haben. Eine Freizügigkeit, die er selbst seinem Adel nicht gewähren wollte. Denn abgesehen von seiner Person hielt Christian die Fahne der Keuschheit hoch. Dem Alkohol muss er, wie sein sächsischer Zeitgenosse, Kurfürst Johann Georg, im Übermaß zugesprochen haben.

Als Christian am 28. Februar 1648 starb, hatte Dänemark seinen dominierenden Einfluss im Ostseeraum an Schweden verloren, der Adel hatte im Land deutlich an Einfluss gewonnen. Dennoch gilt der König nach wie vor als beliebtestes Oberhaupt des Landes.

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Eingeordnet unter Allgemein, Krieg im Norden Europas zu Lande und zu Wasser zur Zeit des 30 jährigen Krieges, Schwerpunkthemen

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