Die Vasa – Das Flaggschiff Gustav II Adolf von Schweden

Dreihundert Jahre lang lag das schwedische Kriegsschiff auf dem Grund vor dem Stockholmer Hafen, bis sie für ein Wrack nahezu unversehrt geborgen wurde. Als holländische Schiffsbaumeister 1625 begannen, die Vasa für König Gustav II Adolf von Schweden zu bauen, gehörte Schweden zu den mächtigsten Nationen Europas.

Das Schwedische Reich umfasste immerhin das heutige Schweden, Finnland, Teile von Russland einschließlich Lettland und Litauen. Nur Polen fehlte noch, um aus der Ostsee ein schwedisches Binnenmeer zu machen. Neben drei weiteren zu dieser Zeit in Auftrag gegebenen Kriegsschiffen sollte auch die Vasa für die Durchsetzung der Großmachtinteressen durch die schwedische Flotte beitragen.

Entstehung der Vasa

KastenGeschi2

Gustav II Adolfs Flaggschiff Vasa
Gebaut 1626/27 auf der Stockholmer Werft Skeppsgården.
Gesunken 10.08.1628 im Stockholmer Hafen
Länge über alles: 61 Meter
Breite: 11,7 Meter
Tiefgang: 4,80 Meter
Wasserverdrängung: 1200 Tonnen
Bewaffnung:
48 24-Pfünder
8 3-Pfünder
2 1-Pfünder (vermutlich als sogenannte Pivotgeschütze auf drehbarer Lafette)
6 Stormstycken (kurzes, leichtes Geschütz für kurze Distanz)
Baukosten laut Kalkulation ca. 42.000 schwedische Reichstaler (ohne Geschütze), Gesamtkosten ca. 100.000 schwedische Reichstaler

 

Gustav Adolf selbst hatte immer wieder Einfluss auf den Bau der Vasa genommen und mehrere Veränderungen am Baukonzept verlangt. Das war allein deshalb möglich, weil zu jener Zeit Schiffe nicht nach festen Plänen gebaut wurden und auch keine Standards für Proportionen existierten. So wurde aus dem geplanten Schiff mit einem Kanonendeck auf Anweisung Gustav Adolfs ein Schiff mit zwei Kanonendecks. Später sollte auch noch die Bewaffnung verändert werden. All diese Maßnahmen veränderten natürlich auch die Statik und den Schwerpunkt des Schiffes, was am Ende zu einer Katastrophe führen sollte.

Untergang der Vasa

Am 10. August 1628 segelte das prächtige Schiff, verziert mit mehr als 700 Statuen unter dem Jubel der Zuschauer auf seiner Jungfernfahrt aus dem Hafen, legte sich bei einer leichten Brise ein wenig zur Seite und sank mit gehissten Segeln und wehenden Flaggen auf den rund 30 Meter tiefen Grund vor dem Stockholmer Hafen.

Unter anderem wegen der zu schweren Bewaffnung auf dem oberen Kanonendeck hatte die Vasa einen hohen Schwerpunkt, der sich das Schiff bereits bei geringer Segelfläche und ein wenig Wind stark zur Seite neigen ließ. Die geöffneten Pforten des unteren Kanonendecks lagen so dicht über der Wasserlinie, dass sie bei der Windbö sofort Wasser übernahmen.

Der Ballast zur Stabilisierung des Schiffes betrug gerade einmal 120 Tonnen an Steinen, rund 400 Tonnen wären aber nötig gewesen. Dann hätten die unteren Stückpforten jedoch ständig unter der Wasserlinie gelegen.

Die Bergung der Vasa

Nach vierjähriger Vorbereitung wurde die Vasa 1961 wieder gehoben. Sie befand sich in einem hervorragenden Zustand. Denn das Schiff war auf ebenem Kiel gesunken und der Rumpf nicht auseinandergebrochen.

Dennoch war die Bergung eine Herausforderung. Denn noch nie zuvor war ein 300 Jahre alter vollständiger Schiffsrumpf  im Stück gehoben worden. Würde das Schiff auseinanderbrechen? Würde der Ballast durch den Schiffsboden fallen? Was würde passieren, wenn das Holz der Luft ausgesetzt wurde? Diese und viele andere Fragen beschäftigten die Wissenschaftler und Ingenieure und natürlich den Entdecker der Vasa und Initiator der Bergung, Anders Franzén.

Man entschied sich schließlich dafür, Stahltrossen unter dem Wrack hindurchzulegen, diese an abgesenkten Pontons zu befestigen und den Rumpf schließlich durch Auspumpen des Wassers aus dem Pontons anzuheben.

Die Pontons mit dem Wrack wurden dann in seichteres Wasser geschleppt, wieder abgesenkt, die Trossen nachgespannt und das Wrack wieder angehoben. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis das Schiff nur noch in siebzehn Metern Tiefe lag. Zwei Winter verbrachte die Vasa in dieser Position, während Taucher den Rumpf abdichteten und weitere Pläne für die Zukunft geschmiedet wurden. 1961 schließlich wurde das königliche Schiff ausgepumpt und auf eigenem Kiel in ein Trockendock zur Konservierung und Restaurierung geschleppt.

Auch diese stellte eine gewaltige Herausforderung dar, denn auch die Konservierung eines vollständigen Schiffes war damals ein Novum in der Archäologie.

Die Vasa als wissenschaftliche Sensation

Die Hebung der Vasa war aus verschiedenen Gründen ein Meilenstein in der Archäologie. Denn hier wurden nicht nur für auch für spätere Funde wichtige Hebungstechniken erdacht und entwickelt, auch die heute fast selbstverständliche Konservierungstechnik hochkomplexer Holzkonstruktionen nahm damals ihren Anfang.

Und nicht zuletzt war natürlich die Vasa selbst eine wissenschaftliche Sensation. Denn über Schiffe des 16. und 17. Jahrhundersts wusste man damals nur wenig. Nun aber konnte man nicht nur komplette und detaillierte Konstruktionspläne von Kriegsschiffen des 17. Jahrhunderts erstellen. Man hatte sechs erhaltene Segel, hervorragende zeitgenössische Holzschnitzereien, Zimmermannswerkzeuge, Töpferwaren, Kleidungsstücke und vieles andere mehr, eine ganze Zeitkapsel des Lebens im 17. Jahrhundert gefunden.

Heute ist das rekonstruierte und konservierte Schiff das Zentrum des 1990 eröffneten Stockholmer Vasa- Museums, das letztendlich um den einmaligen Fund herum gebaut worden ist, zu bewundern. Im wohl meistbesuchten Museum Schwedens wird durch zahlreiche Ausstellungen das Leben, die Schifffahrt und der Schiffbau des 17. Jahrhunderts vermittelt.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Archäologie, Ausstellungen, Schifffahrtsgeschichte, Unterwasserarchäologie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s