Wallenstein als einfältiger Sternengläubiger – schwer vorstellbar

Keplers Horoskop für Wallenstein

Keplers Horoskop für Wallenstein

Auch heute noch gilt Wallenstein Vielen als der klassische Vertreter eines an die Allmacht der Sterne Glaubenden. Neben Wallensteins Feinden hat später Friedrich Schiller dieses Bild wesentlich geprägt. Aber es war  nicht Schiller der Historiker, sondern Schiller der Dramatiker, der dies tat. Er ließ Wallenstein nach Erhalt einer Zukunftsschau durch seinen Sternendeuter Seni, wie er ihn nannte, ausrufen: „Jetzt muss gehandelt werden, schleunig, eh die Glücks-Gestalt mir wieder wegflieht überm Haupt,…“

War der mächtigste Feldherr der damaligen Zeit tatsächlich abhängig von den Voraussagen der Astrologen?  Traf er seine strategischen Entscheidungen nach den Konstellationen der Planeten? Schwer vorstellbar, bei einem Mann, der solange er halbwegs bei Gesundheit war, als der rationale, machtorientierte Mensch schlechthin galt.

Zuerst: Die Astrologie wurde im 17. Jahrhundert als Wissenschaft oder doch nahe daran angesehen. Astrologen brauchten damals gute mathematische Kenntnisse, um den Lauf der Planeten zu berechnen. Nur so war beispielsweise ein Geburtshoroskop, die sogenannte Nativität, zu erstellen. Kapazitäten auf dem Gebiet der Astronomie wie Johannes Kepler, tummelten sich auf diesem Sektor. Hier war, häufig im Gegensatz zu ihrer eigentlichen Profession, Geld zu verdienen.

„Es ist wohl“, schrieb Kepler daher, „diese Astrologie ein närrisches Töchterlein; aber, lieber Gott, wo wollte ihre Mutter, die hoch vernünftige Astronomie, bleiben, wenn sie diese närrische Tochter nicht hätte?“ Damit meinte er vor allem die gute Bezahlung für die Sternendeuterei.

Zum Zweiten: Wallenstein brauchte sicher für viele seiner Entscheidungen und Erkenntnisse die Astrologie nicht. Er wusste ohnehin zum Beispiel um die Bedeutung seines Fürstentums Friedland. Ebenso, dass die Ausweitung des Krieges nach Italien durch den Kaiser kapitaler Unsinn war, wie auch der Erlass des sogenannten Restitutionsedikts.

Vor allem seine Gegner unterstellten Wallenstein den Glauben an die Astrologie

Von Wallenstein selbst ist hinsichtlich der Bedeutung der Astrologie auf seine Entscheidungen kaum etwas überliefert. Umso mehr von seinen Gegnern, die ihm mit diesen Hinweisen schaden wollten. So fragte Maximilian von Bayern, sicher einer seiner ärgsten Feinde, was denn von einem zu erwarten sei, der „seine actiones und der Katholischen Religion Wohlfahrt mehrer auf die betrieglich Astrologia, alß auf daß Vertrauen zu Gott fundiert…”? Aber auch Maximilian von Bayern, permanent den Einflüsterungen seiner Jesuiten ausgesetzt, traf seine Entscheidungen meist nach der Staatsraison. Für etwas anderes war er, bei aller Katholizität, viel zu schlau und zu machtbewusst.

Richtig ist, dass Wallenstein sich bereits im Jahr 1608 jenes berühmte Horoskop von Johannes Kepler hat stellen lassen. Ein Horoskop, das er über die Jahre immer wieder anschaute, mit Randbemerkungen versah. Manche Autoren gehen sogar davon aus, dass er sein Leben danach ausrichtete. Doch gaben die Planetenkonstellationen kaum Rat zu Alltäglichem und nur wenig mehr Auskunft zum Großen und Ganzen und über den Charakter des  Auftraggebers. Auch traten einige Angaben nie ein – so eine Verwicklung Wallensteins in einen Aufruhr –  oder waren falsch datiert, wie seine erste Heirat.

Keplers Horoskope waren geschickt formuliert

1625 ließ er sich von Kepler erneut die Folgen der Gestirnkonstellation voraussagen. Jetzt stellte der berühmte Mathematiker für das Jahr 1634 eine für des Fürsten Schicksal ungünstige Konstellation der Planeten Saturn und Mars fest. Was dies konkret bedeutete, darüber schwieg Kepler. 1634 wurde Wallenstein in Eger ermordet. Kepler war, was die Genauigkeit seiner Voraussagen betraf, vorsichtig. So stellte er seinem ersten Werk für Wallenstein den Leitspruch voran: „Sintemal alles, was der Mensch vom Himmel zu hoffen hat, da ist der Himmel nur Vater, seine eigene Seele aber ist die Mutter dazu.“

Da war Giovanni Battista Senno – Schillers Seni – von anderem Kaliber. Er scheute nicht vor konkreten Aussagen zurück, die er den Planeten zu entnehmen glaubte. Die „junge Sumpfblüte aus Padua“ (Golo Mann) wurde 1629 als 27jähriger durch Octavio Piccolomini  am Hof des Friedländers eingeführt. Er blieb bis zum bitteren Ende des Feldherrn in dessen Nähe. Wie es dieser „Scharlatan und Speichellecker“ schaffte, das Vertrauen eines im höchsten Maße misstrauischen Machtmenschen zu gewinnen, ist schwer verständlich. Er leistete offensichtlich das, was Kepler verweigerte und verachtete: Deutungen für den täglichen Gebrauch.

Und Wallenstein scheint Sennos Dienste anerkannt zu haben. Wurde doch dem Italiener eine sechsspännige Kutsche gewährt sowie zahlreiche Diener. Zudem erhielt er ein hohes Gehalt. Senno hat dies nicht gedankt: Er verkaufte sein Wissen um Wallensteins Pläne, so wird berichtet, an dessen Feinde.

Zuletzt: War Wallensteins unschlüssiges Verhalten, sein Zögern, ab dem Jahr 1633, oder sein angeblicher Hochverrat, auf die Deutereien seines italienischen Gehilfen zurückzuführen? Wahrscheinlicher ist, dass vor allem sein von Krankheit zerrütteter Geist seinen schwankenden Kurs gegen Freund und Feind erklärt. Am Ende, als die fortgeschrittene Syphilis ihn zunehmend außer Gefecht setzte, auch geistig, da war die Sternendeuterei möglicherweise ein Licht in seinem Dunkel. Da mag er mehr als ein Ohr für die Prophezeiungen eines Senno gehabt haben.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

2 Antworten zu “Wallenstein als einfältiger Sternengläubiger – schwer vorstellbar

  1. Lieber Herr Gindle,

    ihre Betrachtung ist auch für ‚Astrologen‘
    höchst interessant..!

    => http://www.astrologix.de/forum/ForumID13/79.html#

    Mit besten Grüßen
    Mythopoet

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