Albrecht von Wallenstein: Von einem guten Ökonom

421px-Wallenstein_Hondius_1625Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein ist vor allem als kaiserlicher Feldherr und Organisator großer Heere im Dreißigjährigen Krieg berühmt und berüchtigt geworden. Der böhmische  Edelmann, der durch Heirat, durch die Wirren nach der Niederschlagung des böhmischen Aufstands 1620 und durch geschickte Transaktionen zu Reichtum gekommen war, liebte Land. Das hatte er mit vielen seiner Standesgenossen gemeinsam. Wallenstein wusste jedoch mit dem Besitz etwas anzufangen. Er war ein hervorragender Wirtschaftler. Darin unterschied er sich deutlich von den meisten seiner Standesgenossen.

Paradebeispiel für Wallensteins ökonomisches Denken und Planen war das im Nordosten Böhmens gelegene, über 118 000 Hektar große Friedland. Dieses Territorium, das sich aus 64 konfiszierten Gütern der unglücklichen Verlierer des böhmischen Aufstands zusammensetzte, wurde zu Wallensteins Lebzeiten als „terra felix“, glückliches Land, bezeichnet.  Und das war es wohl auch.

Die wirtschaftlichen Grundlagen für die einmalige Prosperität des Landstrichs legte der Böhme  ab 1623. Wallenstein kümmert sich persönlich um nahezu jedes Detail in Friedland. Sei es die Aussaat, sei es die Viehzucht – so lag ihm die Heilung kranker Hühner am Herzen – und vor allem das Gewerbe. Er förderte die heimische Leinenerzeugung, wie den Bergbau, die Metall-, die Lederverarbeitung nach Kräften. Neuen, potentiell ertragreichen Geschäftsfeldern war der Grundherr immer aufgeschlossen. Er führte, Kosten hin oder her, beispielsweise die Seidenindustrie ein. Maulbeerbäume wurden dafür angepflanzt. Auch dazu erließ er detaillierte Vorgaben.

Wallenstein entfaltete eine rege Bautätigkeit

Gitschin, die Hauptstadt Friedlands, sollte vorzeigbar, ja beispielhaft werden. Wallenstein warb bei seinen hohen Offizieren, seinen Verwandten und seinen Beamten darum, dass sie in die Residenzstadt zogen. Handwerkern aus dem Reich, aus Holland oder Frankreich räumte er finanzielle Vergünstigungen ein. Der Erfolg lies nicht auf sich warten. Eine rege Bautätigkeit setzte ein. Stadtviertel für die so wichtigen Tuchmacher entstanden, der Bau des Jesuitenklosters und der St. Jakob Kirche begannen. Daneben ließ der Böhme das schon riesige Schloss kräftig erweitern. Und er investierte in Bildung: Ein Gymnasium für geeignete Zöglinge entstand.

Wallenstein dachte modern. Nicht wie seine Standesgenossen, die die Kuh zwar melken, sie aber vom lieben Gott füttern lassen wollten. Er sah die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Gewerbe und Finanzen. Und er handelte danach. In Summe brachte ihm sein Friedland so um die 700 000 Gulden im Jahr ein. Wallensteins Prinzip: Alles was im Land hergestellt werden kann, soll dort hergestellt werden. Nicht Waren sollten importiert werden, sondern Menschen. Spezialisten galt es, nach Friedland zu locken, die dann diese Produkte im Land herstellen konnten. Es entstand eine strenge Produktionsgemeinschaft, in der belohnt, aber auch bestraft wurde, wenn es nicht so lief wie Wallenstein es wollte.

Das Bier musste aus Friedland stammen

Das im Lande ausgeschenkte Bier musste natürlich aus fürstlich, friedländischen Brauereien stammen. Der Konsum auswärtigen Gerstensaftes war bei strenger Strafe untersagt. Aber die Qualität war gut und der Preis des Volksgetränks musste so gewählt werden, dass „der arme Mann seine Notdurft um ein leidliches haben könne.“

Zwar konnte Wallenstein sich nur etwa zwölf Monate ohne andere Aufgaben um seinen Besitz kümmern, die aber nutzte er intensiv. Auch später, während der Feldzüge, verlor er Friedland nie aus den Augen. Schreiben über Schreiben mit detaillierten Anweisungen gingen an den Landeshauptmann. Der musste für die schnelle und genaue Ausführung der Orders sorgen. Zahlreich die Anmerkungen, dass sonst widrigenfalls „Euer Hals dabei draufgeht.“

Wallenstein führte ein streng absolutistisches Regiment. Er duldete keinen Widerspruch gegen seine Anweisungen. Der Kleinadel, der sich über die Beschränkung seiner Rechte beschwert hatte, wurde brüsk zurechtgewiesen. Der rührte sich danach nicht mehr. Diebe ließ er streng bestrafen, Hersteller nicht ordnungsgemäßer Ware züchtigen, Landstreicher aufgreifen, säubern und zur Arbeit zwingen. Kaiser Ferdinand II. erhob  Friedland am 12. März 1624 zum selbständigen Fürstentum. Ein wichtiger Schritt in Wallensteins Karriere.

Friedland sicherte den Kreit des Feldherren

Als Wallenstein 1625 zu seinem großen Feldzug gegen den dänischen König Christian IV. und dessen Verbündete aufbrach, wechselte die Rolle des Fürstentums. Es diente als Garant für die Zahlungsfähigkeit des Feldherrn. Wallenstein hatte so bei seinen Obristen den benötigten Kredit, um seine riesige Armee aufzubauen.. Und Friedland lieferte jetzt alles, was eine Armee zum Kriegführen brauchte: Nahrung, Kleidung, Stiefel, Waffen, Pulver, Blei. Pünktlich und in ausreichenden Mengen. Welch ein Unterschied zu anderen Heeren.

Über die Lieferungen wurde genau Buch geführt. Da es die Armee des Kaisers war, musste dieser alles bezahlen – zumindest in der Theorie. Ferdinand II. zahlte nicht in Geld – er hatte keins. Er zahlte mit weiteren Fürstentümern: Sagan und Mecklenburg.

Friedland und seine Einwohner wurden weitestgehend von den Kriegswirren verschont. Es gab keine Einquartierungen, keine marodierende Soldateska. Ein weiterer Grund für das Attribut „glückliches Land“. Friedland und Wallenstein, das war eine Einheit. Nicht zuletzt deshalb sprach man auch vom „Friedländer“, wenn von Wallenstein die Rede war.

Weitere Artikel zu Wallenstein und anderen wichtigen Personen des Dreißigjährigen Krieges finden Sie  im Buch

Lenker, Warlords, Profiteure.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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