Johann Georg von Sachsen: Der Calvinistenhasser, Nimrod und Kaiserfreund

469px-Johann_Georg_I_SaxonyWallensteins Bild vom sächsischen Kurfürst war klar und eindeutig: „Was ist er für ein Vieh, was führt er für ein Leben!“. Auch in Kreisen der Diplomaten war der sächsische Hof und hier Johann Georg berüchtigt wegen seiner exzessiven Saufgelage. Daher der Spitzname „Bierjörge“. Der schwedische König Gustav Adolf meinte über ihn, die Seele dieses Kurfürsten sei nicht in der Lage etwas Männliches oder Kräftiges zu erfassen.

Neben übermäßigen Saufen und Essen war der Sachse einer der größten Jäger seines Standes. Der Nimrod behauptete von sich, über 150 000 Tiere mit eigener Hand getötet zu haben. Ein schöner Rekord, galt er doch als der erste Weidmann unter seinen nicht minder blutrünstigen Kollegen. Kaiser Ferdinand II. zum Beispiel widmete sich diesem Zeitvertreib ebenfalls mit großer Lust.

Johann Georg führte im Rahmen seiner Intelligenz ein makelloses Leben

Der Kurfürst hatte auch andere Seiten. Er entwickelte Interesse an Schmuck, Goldarbeiten und der Musik. Hier machte er sich einem Namen durch die mehr oder weniger intensive Förderung des Komponisten Heinrich Schütz. Privat führte er, wie C. V. Wedgwood so schön schreibt, „im Rahmen seiner Intelligenz“  und gemäß seiner Grundsätze ein makelloses Leben.

Johann Georg war das allgemein anerkannte Oberhaupt der Lutherischen im Reich. Seine Prinzipien können so zusammengefasst werden: Orthodoxes Luthertum, Kaisertreue und Calvinistenhass. Der Hass gegen die Glaubensbrüder wurde insbesondere von seinem Hofprediger Hoe von Hoenegg wach gehalten. Der sächsische Kurfürst war daher folgerichtig auch kein Mitglied der protestantischen Verteidigungsvereinigung, der Union.

Geboren 1585 in Dresden, regierte er seit 1611 Sachsen. Er war neben Maximilian von Bayern einer der Wenigen, die den gesamten Dreißigjährigen Krieg erlebten und dessen Verlauf mitbestimmt haben. Johann Georg und Maximilian hätten die Chance gehabt, eine dritte Partei im Reich zu gründen. Eine Partei, die, überkonfessionell, auf Friedenssicherung hätte ausgelegt sein können. Aber sowohl bei Maximilian (Kurfürstenwürde, Oberpfalz) wie auch bei Johann Georg (Lausitz) standen dem egoistische, machtpolitische Gründe im Wege.

Er half, die böhmische Rebellion niederzuschlagen

Die kaiser- und reichstreue Haltung des Kurfürsten zeigte sich ganz deutlich bei seiner aktiven Teilnahme an der Niederschlagung der böhmischen Rebellion 1620, wo er einen schönen Gewinn in Form der Ober- und Niederlausitz einstrich. Hier war es gegen den protestantischen Adel und den calvinistischen Friedrich V. gegangen. Johann Georg hatte damit keine Probleme.

Erst  das Restitutionsedikt von 1629, das die Herausgabe der von Protestanten übernommenen Klöster und Stifte forderte, beunruhigte Johann Georg. Selbst dies führte nicht dazu, dass er den schwedischen König freudig im Deutschen Reich begrüßte. Die Katastrophe von Magdeburg und als der katholische Heerführer Tilly danach sein Sachsen zu erobern begann, führte zu einem Umdenken. 1631 schloss er mit Gustav Adolf halbherzig eine Allianz. Bei Breitenfeld – dem grandiosen Sieg des Schweden – blamierten sich die Sachsen durch ihre Flucht gleich bis auf die Knochen.

Er blieb nur solange er musste auf Seiten der Schweden

Johann Georg blieb genau so lange er musste Verbündeter der Schweden. Nach Gustav Adolfs Tod 1632 ließ er mit Wallenstein über einen Friedensschluss verhandeln. Nach Nördlingen – der schweren Niederlage der Schweden –  wechselte er geschwind die Partei. Der Prager Frieden 1635 brachte ihn für die nächsten Jahre an die Seite des Kaisers zurück.

Hans Georg von Arnim, sein Feldherr, der so sehr für eine einvernehmliche Lösung im Reich gearbeitet hatte, konnte diesem Frieden nicht zustimmen. Mit seiner Ehre war es nicht vereinbar, den Bundesgenossen von gestern – die Schweden –  aus dem Vertrag auszuschließen. Johann Georg fiel die Desavouierung der Schweden umso leichter, als der Kaiser ihm für vierzig Jahre die Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg überließ. Das verhasste Restitutionsedikt war damit für Sachsen faktisch außer Kraft gesetzt.

Seinem Land tat der Kurfürst keinen Gefallen. Insbesondere mit dem erneuten Erstarken der Schweden ab 1636 wurde Sachsen in den nächsten Jahren kräftig gezaust. Ob nun von den feindlichen Truppen oder den Verbündeten – den Menschen machte es kein Unterschied. 1645 kam die Wende: Johann Georg schied aus dem großen Krieg aus. Er schloss einen Waffenstillstand mit den Schweden, der 1646 zum Frieden von Eilen führte. Der Kaiser sollte gefälligst ohne ihn weiterkämpfen.

Johann Georg, der in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges wohl mehr getrieben wurde als das er selbst der Antreibende war, starb 1654 friedlich im Kreis seiner Familie. Es ist davon auszugehen, dass er mit sich zufrieden war.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/12/07/maximilian-von-bayern-schlauer-als-die-meisten-fursten-aber-gierig/

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