Der Wechselhafte und Schillernde: Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg

371px-Franz_Albrecht_von_Sachsen-LauenburgDer Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg ist eine heute kaum noch bekannte historische Person. Das war zu seinen Lebzeiten – im Dreißigjährigen Krieg –  ganz anders. Denn er war in zwei Fällen mittendrin in den wichtigsten Ereignissen seiner Zeit: Beim Tod Gustav Adolfs von Schweden 1632 und bei Wallensteins Ende zwei Jahre später.

 Das Urteil über Franz Albrecht ist – wie so vieles an ihm selbst – schillernd. Einerseits wird er als jähzornig und nachtragend geschildert. Auf der anderen Seite galt er als gutmütig. Über seine intellektuellen Fähigkeiten sind einige Urteile vernichtend: Sein Tagebuch zeige seine geistige Enge wie seine einfältige Selbstbezogenheit. Andere schildern ihn als einen hellen, frechen, lebenslustigen Menschen.

Er begann seine Karriere bei den böhmischen Rebellen

Franz Albrecht wurde als einer der jüngeren Söhne des Herzogs Franz II. von Sachsen-Lauenburg geboren. Wie viele seiner Brüder wählte er die militärische Laufbahn. Er begann seine Karriere 1618  – mit zwanzig Jahren – unter den böhmischen Rebellen, trat aber bald in kaiserlichen Dienst. Sein erster Seitenwechsel; viele sollten noch folgen.

Nach zahlreichen Zwischenstationen – so zog er 1625 unter Wallenstein gegen den dänischen König –   war der Herzog 1630 beim Feldzug gegen Mantua auf kaiserlicher Seite dabei. Dort mischte er sich unklugerweise Weise in eine Auseinandersetzung zwischen  einem General und einem Obristen ein und zog  gegen den General den Degen. Die Folge dieses schweren Vergehens: 1631 musste Franz Albrecht schwer beleidigt den kaiserlichen Dienst verlassen. Im folgenden Jahr tauchte der sächsische Herzog dann auf der Gegenseite, bei den Schweden auf. Dort zwar nicht im regulären Dienst, sondern als eine Art Freiwilliger. Der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna war sich nicht sicher, ob diesem Neuzugang wirklich zu trauen sei.

Franz Albrecht war bei Gustav Adolfs Tod in unmittelbarer Nähe

Bei Lützen, am 16. November 1632, war Franz Albrecht dann in unmittelbarer Nähe, als der schwedische König, Gustav Adolf, von mehreren Schüssen getroffen, auf dem Schlachtfeld starb. Grund genug, dem vormals kaiserlichen Offizier einen heimtückischen Mord zu unterstellen. Zumal der Lauenburger floh, als er sich und den sterbenden König von kaiserlichen Reitern umzingelt sah. Und zwar in die falsche Richtung. Erst am anderen Morgen soll er wieder aufgetaucht sein. Blutverschmiert und vom Pulver geschwärzt. Kein Wunder, dass die Schweden ihn feindselig empfingen. In seinem Tagebuch hält der Herzog – wohl wahrheitswidrig –  fest: Am 16. sei der König in seinem Arm erschossen worden.

Schon am 4. Dezember wurde Franz Albrecht bei den Sachsen vorstellig, den halbherzigen Verbündeten der Schweden.  Die ernannten ihn gleich zum Feldmarschall unter Arnim von Boitzenburg. Eine Beleidigung für die Schweden. Und ab Juli 1633 war der Lauenburger vor allem damit beschäftigt, Frieden stiftend zwischen Kursachsen und Wallenstein zu wirken. Kein Verhalten, das die Schweden gutheißen konnten.

Franz Albrecht versuchte Wallenstein mit Hilfe Bernhards von Weimar zu retten

Franz Albrecht scheint dem in Pilsen dunkel vor sich hinsinnenden Wallenstein gut getan zu haben. Und umgekehrt ging von dem Generalissimus wohl eine Faszination aus, der der Lauenburger erlag. Willig ließ er sich für dessen Anliegen und Aufträge einspannen. So traf er sich am 21. Februar 1634 mit dem im Dienst Schwedens stehenden Bernhard von Weimar, der Regensburg besetzt hielt, und den er in letzter Minute zu einer Vereinigung seiner Truppen mit denen Wallensteins überreden wollte. Ohne Erfolg. Für den Herzog von Friedland, so Weimar, werde er keinen Hund satteln lassen. Auf dem Rückweg wurde Franz Albrecht von Dragonern des Oberst Butler, der gerade sein mörderisches Werk an Wallenstein vollendet hatte, gefangengenommen. Zu Unrecht, wie der Herzog meinte. Sei er doch in ausländischen, sprich Kur-Sachsens Diensten tätig gewesen.

Dennoch wurde der Lauenburger, wie andere aus Wallensteins Umfeld, in Haft gesetzt. Anders als diesen, gelang es ihm, den Arrest auf das angenehmste zu gestallten. Diener und Gesellschafter – insgesamt fünfzig Personen – sorgten für sein Wohlleben und seine Kurzweil. Auch anders als der ebenfalls angeklagte Ulrich Graf Schaffgotsch, entging er einer Verurteilung. So schnell er den Tod des schwedischen Königs vergessen hatte, so verzieh der Lauenburger im Handumdrehen den Kaiserlichen den Mord an Wallenstein und sein persönliches Ungemach.

Der Lauenburger starb als Feldherr in Schlesien

Nach einem eher ruhigen Leben in seiner Heimat wurde er 1639 von Hans Georg von Arnim, der erneut als Feldherr die sächsischen Armee übernommen hatte, in dessen anti-schwedische Pläne hineingezogen. Der Tod Arnims 1641 veranlasste Kaiser Ferdinand III., Franz Albrecht als Armeeführer in Schlesien zu berufen.

Über dem Tod des Lauenburgers 1642 hing dann ein Hauch von Tragik. Er starb bei dem Versuch die schlesische Stadt Schweidnitz zu entsetzen. Der schwedische General Königsmark schnitt ihm dabei den Weg ab, und obwohl Franz Albrecht tapfer gekämpft haben soll – vier Pferde wurden unter ihm erschossen -, verlor er die Bataille. Lebensgefährlich verletzt, starb der so lebenslustige Herzog wenige Tage später in schwedischer Gefangenschaft. Unter großen Schmerzen, wie es hieß.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/12/20/ein-politischer-mord-zum-frommen-des-hauses-habsburg-wallensteins-tod/

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.