Matthias Gallas: Der Trunkenbold und Heerverderber

Gallas_klDer Tiroler Matthias Gallas war in der Zeit, als er das Oberkommando der kaiserlichen Streitkräfte innehatte, ein General, wie die Feinde ihn lieben. Während er unter Wallenstein passable Ergebnisse ablieferte, schaffte es Gallas in seinen späteren Jahren mehrfach seine ganze Armee zu ruinieren, ohne dem Gegner größeren Schaden zu zufügen. Den Titel „Heerverderber“ hatte er sich redlich erarbeitet. 

Dabei hatte Matthias Gallas, 1584 als Sohn eines altgedienten Soldaten in Trient geboren, das Militärwesen von der Pike auf erlernt. 1606 schob er als sogenannter Doppelsöldner in den Niederlanden Dienst, 1618 befehligte er als Hauptmann die Festung Riva – hier traf er erstmals auf Johann Aldringen. In der Schlacht bei Stadtlohe gegen den protestantischen Feldherrn Christian von Braunschweig (den „tollen Halberstädter) soll er sich ausgezeichnet haben.

Es war dann Johann Aldringen, der schon bei der Aufstellung der ersten wallensteinschen Armee dabei war, der Gallas 1629  zu einem Wechsel vom bayerischen ins kaiserliche Lager verhalf. Gallas und Aldringen verband so etwas wie eine Soldatenfreundschaft, bis hin zur Verschwörung gegen Wallenstein. Reich und berühmt wurden die beiden auf dem von Wallenstein so verabscheuten Italienfeldzug im Jahr 1630. Die gemeinsame Plünderung Mantuas und eine Doppelhochzeit festigten die Bande zwischen den beiden so unterschiedlichen Offizieren. Auch beim zweiten Generalat des Friedländers waren Gallas und Aldringen an führender Stelle dabei.

Gallas wurde Stellvertreter Wallensteins

Während Aldringen nach der Schlacht um Nürnberg gegen Gustav Adolf von Schweden 1632 als Nachfolger Tillys die Führung des bayerischen Heeres übernahm, avancierte Gallas unter Wallenstein zum Generalleutnant und Stellvertreter des Friedländers. Dies trotz erheblicher militärischer Fehlleistungen bei der Schlacht von Lützen gegen die Schweden.

Gallas, eine derbe, versoffene und mit bescheidener Bildung gesegnete Natur, war bei den Verhandlungen Wallensteins mit Sachsen dabei und berichtete darüber eifrig dem kaiserlichen Umfeld. Er war dümmer als seine Mitverschworenen und begriff lange nicht, was gegen den Friedländer tatsächlich gespielt wurde. Als er dann mit einer dreisten Lüge dem Umfeld Wallensteins entkommen war und verstand, dass die Absetzung, ja Ermordung des Generalissimus und seiner Getreuen auf der kaiserlichen Tagesordnung stand, wechselte er schnell die Tonart. Aus  der Anrede „Seine Hoheit“ wurde „dieser Verbrecher“, wenn es um seinen Förderer und Vorgesetzten ging.

Die Charakterlosigkeit hat sich für ihn gelohnt. Gallas erhielt bekanntlich das größte Stück aus den Hinterlassenschaften der in Eger Ermordeten. Auch bei der Militärkarriere ging es für den Tiroler geschwind voran. Aber Gallas war als Offizier nur unter Wallenstein halbwegs erfolgreich. Ohne dessen strategisches Können scheiterte er fast auf der ganzen Linie.

1637 zog Gallas als oberster Feldherr gegen den schwedischen General Banér ins Feld und ruinierte seine Armee völlig. Offenbar sah jetzt selbst er ein, dass er untauglich für den Job war. Jedenfalls nahm Gallas 1639 seinen Abschied. Dass er 1643 erneut an die Spitze des kaiserlichen Heeres berufen werden konnte, ist eine der vielen rätselhaften Entscheidungen des kaiserlichen Hofs unter Ferdinand III.. Das Ergebnis war entsprechend: Der Tiroler versagte gegen den schwedischen Feldherr Torstensson komplett. Nach Monaten des erfolglosen hinter den Schweden Herziehens, wurde er von ihnen bei Aschersleben vernichtend geschlagen. Weniger als ein Drittel der kaiserlichen Armee soll übriggeblieben sein.

Gallas wurde mit Schimpf und Schande abgesetzt

Was folgte war eine Absetzung in Schimpf und Schande. Er wurde zum Gespött ganz Europas. Aber offensichtlich hielt die Erinnerung an das Desaster am kaiserlichen Hof nicht lange vor. Denn zwei Jahre später sollte der Heerverderber erneut zum Oberbefehlshaber berufen werden. Nur sein körperlicher Zustand, bedingt durch seinen unmäßigen Zuspruch zum Alkohol und anderen Genüssen, hinderte ihn am Amtsantritt.

Als er im April 1647, sein Ende kommen sah, bat er Kaiser Ferdinand III. noch um eine Unterredung. Der verweigerte dem Sterbenden einen letzten Besuch und schickte seine Räte. Ferdinand, der Gallas zu Unrecht so gefördert hatte, verspürte nur noch Verachtung für seinen ehemaligen Feldherrn.

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