Octavio Piccolomini: Der Intrigant und Verräter

OTTAVI~1Piccolomini machte Dank Albrecht von Wallenstein Karriere und verriet ihn doch. Mit einigen seiner wichtigsten Heerführer hatte des Kaisers Generalissimus kein glückliches Händchen. Kränkung und Gier, aber sicher auch die nach wie vor vorhandene Macht und Aura des kaiserlichen Hauses, machte vor allem Octavio Piccolomini zu einem gefährlichen Feind des Friedländers.

Der von Wallenstein so hoch geschätzte Piccolomini hinterging seinen Vorgesetzen in dessen letzten Lebensmonaten auf üble Weise. Hatte er früher schon eifrig Berichte an Kardinäle nach Rom geschickt, trat er 1633/34 mit Wien in verleumderische Korrespondenz. Er berichtete über den Treueschwur der wallensteinschen Offiziere, dem sogenannten ersten Pilsener Revers, und lieferte auch gleich die richtige Auslegung für die Feinde des Generalissimus mit.

Piccolomini stammte aus großer Familie

Der 1599 geborene, aus einer großen Familie stammende Octavio Piccolomini – Päpste, Geographen und Feldherren zählten zu seinen Ahnen – trat 1627 als Oberst und Chef der Leibgarde in Wallensteins Dienste. Er brachte gleich ein Gastgeschenk mit: Den zwielichtigen Sternendeuter Giovanni Battista Senno, der den Offizier später gegen Bares mit intimen Wissen über den Friedländer versorgte.

Piccolomini hatte 1627 schon eine ansehnliche Kriegslaufbahn hinter sich. So war er bei der ersten großen Schlacht des Dreißigjährigen Krieges, 1620 am Weißen Berg vor Prag, dabei gewesen. Später kämpfte er an der Seite Gottfried Heinrich Pappenheims gegen die Franzosen in Italien.

Wallenstein ignorierte die Piccolomini betreffenden Warnungen

Was den misstrauischen und berechnenden, aber mit schlechter Menschenkenntnis begabten Generalissimus dazu bewog, Piccolomini sein besonderes Vertrauen zu schenken, ist unklar. Ob es die gleiche Planetenkonstellation, die sogenannte Nativität, unter der sie beide geboren worden waren oder ganz andere Gründe eine Rolle spielten, es stellte sich am Ende für Wallenstein als fataler Fehler heraus. Die Warnungen seiner unmittelbaren Umgebung vor dem Italiener ignorierte der Feldherr geflissentlich.

Zu Beginn des zweiten Generalats Wallensteins gehörte Piccolomini noch nicht zur ersten Garde seiner Offiziere. Erst mit der Schlacht bei Lützen im November 1632, in der der Italiener den linken Flügel nach dem Tod Pappenheims übernahm, wurde er zum Generalwachtmeister ernannt. Allerdings unter einem Feldmarschall Heinrich Holk, den Piccolomini von ganzen Herzen hasste. Eine Zurücksetzung, die er Wallenstein nicht vergaß.

Die zögernde Kriegsführung des Generalissimus im Jahr 1633, wie dessen undurchsichtigen Verhandlungen mit Sachsen,  mag bei dem Italiener Zweifel gesät haben, ob Wallenstein noch die Interessen des Hauses Habsburg und damit die des Kaisers vertrat. Und als einer der Kriegsprofiteure teilte der aktivste der Verschwörer, sicher nicht die Friedenswünsche seines Chefs.

Er beherrschte die Kunst der Verstellung

Der Italiener gehörte in den Jahren 1633/34 zur engsten Umgebung des Feldherrn und stand hoch in dessen Gunst. Die Hinterhältigkeit, mit der er diese Rolle ausnutzte, seine Kunst der Verstellung, brachte ihn den Ruf des Oberintriganten ein. Beispielhaft seine Äußerung über den Böhmen:  „Ich weiß, wie viel ich der Güte und Leutseligkeit jenes Herrn (Wallenstein) schulde, und bin begierig, dies durch Taten wahrer Erkenntlichkeit zu bezeugen.“ Was der Italiener dann tat, war das Gegenteil dieser Ankündigung.

Im Januar 1634 schickte Piccolomini einen ausführlichen Bericht über Wallensteins angebliche Umsturzpläne nach Wien. Der Friedländer wolle, so berichtete er, zusammen mit den Schweden und Franzosen den Krieg weiter führen, den Kaiser gefangen nehmen und das Erzhaus Habsburg ausrotten. Für sich selbst sehe Wallenstein das Königsamt in Böhmen vor. All das, und noch weitere abenteuerliche Hirngespinste wurden am Kaiserhof, wo schon seine Feinde und viele ehemalige Freunde gegen Wallenstein wühlten, zu gerne geglaubt.

Piccolomini fühlte sich betrogen

Piccolomini, der so maßgeblich am Sturz seines Chefs gearbeitet hatte, fühlte sich nach dessen Tod um Lohn und Anerkennung betrogen. In Wien angekommen glaubte er eine starke negative Stimmung gegen die Exekutoren zu spüren. Von einer Verschwörung der Italiener und Spanier gegen Wallenstein war auf einmal die Rede.  Und bei der Armee gab es ähnliche Gerüchte. Piccolomini, der auf Ferdinands Befehl hin zwar einen Bericht über die Causa Wallenstein abfasste, weigerte sich später diesen zu autorisieren. Wahrscheinlich weil er um den fehlenden Wahrheitsgehalt vieler seiner Nachrichten wusste. So fanden die kaiserlichen Räte auch von dieser Seite keine Unterstützung, Wallenstein nach seiner Ermordung als Verräter bloß zu stellen.

Piccolomini war bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges an vielen Feldzügen in vorderer Linie beteiligt, um kurz vor Ende dessen Ende 1648 noch den Oberbefehl über das kaiserliche Heer zu übernehmen. Er galt als guter Soldat und Organisator, hatte aber nicht das Zeug zum großen Heerführer. Zum Ende des Krieges fiel ihm  noch die Rolle des Friedensengels zu. Er organisierte die Demobilisierung der kaiserlichen Armee. Sein Ende soll ein für seinen Stand ungewöhnliches gewesen sein: Beim Versuch einen Bauern zu retten, der unter einem Heuwagen lag, stürzte er vom Pferd. Am 11. August 1656 starb Piccolomini nach schwerem Leiden.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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