Die Mörder Wallensteins und ihr Schicksal

Ermordung-wallensteins-in-eger-anonymer-kupferstich_1-640x370Der Zufall machte sie zu Mördern Wallensteins und damit zu bekannten und vor allem reichen Figuren im Wechselspiel des Dreißigjährigen Krieges: den Iren und Oberst Walter Butler, den schottische Stadtkommandanten von Eger, Johann Gordon, und den Hauptmann Walter Deveroux, Ire auch er. Der später erfolgreichste der Meuchler war der Schotte Walter Leslie.

Kaum war am Abend des 24. Februar 1634 der Meuchelmord im winterlichen Eger getan, beeilten sich die Söldner dem neuen Oberkommandierenden Matthias Gallas und Kaiser Ferdinand II. von ihrer Ruhmestat zu berichten – ihr mutiges, aufrechtes Handeln musste ins rechte Licht gerückt werden. Schließlich ging es um viel Geld. Der ermordete ehemalige Generalissimus und seine Getreuen waren reich, sehr reich. Insgesamt gab es um die 14 Millionen Gulden zu verteilen. Schon als Wallenstein noch in seinem Hauptquartier in Pilsen war, und nichts von seiner Absetzung ahnte, beschlagnahmten und durchwühlten die kaiserlichen Kommissare seine Güter und sein Stadtpalais in Prag.

Den eigentlichen Drahtzieher der Absetzung und Hinrichtung Wallensteins, Octavio Piccolomini, erreichte die Nachricht vom Mord bereits am 27. Februar. Er war von den drei Großexekutoren (Gallas und der Luxemburger Aldringen) auch der erste vor Ort in Eger. Er wollte die Getöteten an einem unehrenhaften Ort verscharren lassen. Gallas verhinderte dies.

Leslie wurde sofort in den Grafenstand erhoben

Wien wurde am 2. März von der blutigen Tat unterrichtet. Groß waren der Jubel und die Erleichterung, den scheinbar so mächtigen Reichsrebellen los zu sein. Als Walter Leslie zusammen mit einem Vertrauten Butlers am 3. März vor Kaiser und Räten ihre Heldentat schildern konnten, wurde Leslie vom Kaiser sofort in den Grafenstand erhoben und zum Kammerherrn gemacht.

Walter Butler fühlte sich dadurch beleidigt. Mit einem Mal stand er im Schatten. Gordon und vor allem Leslie ernteten den Ruhm ihres ach so mutigen Anschlags. Butler drohte, den kaiserlichen Dienst zu quittieren und bei den Polen zu dienen. Der Ire wollte als der eigentliche Treiber der Exekution anerkannt – und belohnt werden. Butler hatte damit Erfolg. Die Herrschaft Hirschberg, ein Stück Land im Wert von über 200 000 Gulden wurde ihm aus der Hinterlassenschaft Wallensteins zugesprochen. Es folgte die Ernennung zum Grafen und Kammerherren, wobei Ferdinand II. ihm persönlich den Kammerherrn-Schlüssl überreicht haben soll. Außerdem wurde er Eigentümer des bisher von ihm lediglich befehligten Regiments. Damit war für den Oberst die Hierarchie wieder hergestellt. Er hatte mehr aus der Beute bekommen als seine Mit-Heroen. Gordon und Leslie mussten sich mit Gütern im Wert von je 120 000 Gulden bescheiden.

Leslie machte eine erstaunliche Karriere

Der schottische Calvinist Walter Leslie, der Klügste und Kühnste der drei Heroen (Golo Mann), machte, zum Katholizismus konvertiert, in der kaiserlichen Armee eine erstaunliche Karriere. Er stieg bis zum Feldmarschall und Vizepräsident des Hofkriegsrates (1650) auf. Seine Laufbahn beendete er als Botschafter in Konstantinopel. Leslie starb 1667 in Wien; er konnte Geld und Ehren immerhin 33 Jahre lang genießen.

Hauptmann Walter Deveroux, der Mann, der Wallenstein die Hellebarde in den Körper gerammt hatte, tat sich am schwersten, seine Belohnung zu kassieren. Erst 1636 wurden ihm drei Güter in den Erblanden überschrieben. Viel Zeit, sich daran zu ergötzen, hatte er nicht: Er starb 1639.

Walter Butler blieb die kürzeste Zeitspanne, sich seines Reichtums und seiner Titel zu erfreuen. Er nahm noch im September 1634 an der Schlacht bei Nördlingen teil und eroberte danach die eine und andere Stadt in Württemberg. Bei der Übergabe von Schondorf war er schon sterbenskrank. Im Dezember raffte ihn die Pest dahin.

Gordon musste lange auf seine Belohnung warten

Johann Gordon, der zögerlichste der Mörder von Eger, lebte mit seinem neu gewonnenen Reichtum immerhin bis 1649. Die Übertragung seiner Belohnung hatte sich allerdings wegen seines calvinistischen Glaubens in die Länge gezogen. Da waren die katholischen Beamten doch sehr streng.

Die drei Großexekutoren und Intriganten, Octavio Piccolomini, Matthias Gallas und Johann Aldringen, wurden reichlich aus der Hinterlassenschaft der Toten bedacht. Den Vogel schoss Gallas ab, gefolgt von Piccolomini. Aldringen, der sich schon sehr früh über die Verteilung der Beute intensiv Gedanken gemacht hatte, bekam nicht einmal soviel wie Butler. Der Luxemburger konnte nicht ahnen, dass  er es für sich nicht lange brauchen würde. Bereits am 22. Juli 1634 wurde er beim Rückzug aus Landshut hinterrücks erschossen. Es gab Gerüchte, die eigenen Leute hätten ihn aus dem Weg geräumt.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/12/20/ein-politischer-mord-zum-frommen-des-hauses-habsburg-wallensteins-tod/

 

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