Ein politischer Mord zum Frommen des Hauses Habsburg: Wallensteins Tod

Flugblatt_ermordung_wallensteinDie Szene muss gespenstig gewesen sein. Die Leiche des einst allmächtigen, von vielen gefürchteten Generalissimus des Kaisers, Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein, wurde nachts, in einem Teppich gewickelt, die Treppen des Pachelbel-Hauses im böhmischen Eger heruntergeschleift. Es war der 25. Februar 1634. Sein Kopf soll dabei auf jeder Stufe aufgeschlagen sein. Seine Mörder störte dies nicht.

Wie konnte es dazu kommen? Wallenstein, der Herzog von Friedland und Mecklenburg,  nahm sein zweites Generalat nach wochenlangen Hilfeschreien aus Wien an. Der Schwedenkönig Gustav Adolf hatte seinen Siegeszug durch das Reich gestartet und Kaiser Ferdinand II. rechnete mit dem Schlimmsten. Da konnte nur der erst 1630 geschasste Herzog helfen.

Wallenstein kam 1631 zurück ins Amt

1631 kam Wallenstein nach langem Bitten und Flehen Ferdinands II. zurück ins Amt – vorläufig. Welche Vollmachten der Generalissimus dann im April 1632 von Fürst Eggenberg im Namen des Kaisers erhielt, ist unklar. Über diese Göllersdorfer Vereinbarungen gibt es nichts Schriftliches – dafür aber viele Gerüchte. Sie berechtigten Wallenstein auf jeden Fall auch zu Friedensverhandlungen mit Sachsen.

Dem Herzog gelang es recht zügig den Siegeszug der Schweden zu stoppen. Nach dem Tod Gustav Adolfs in der Schlacht von Lützen 1632, verlegte sich der Generalissimus auf eine eher passive militärische Strategie, mit der er vor allem die mit Schweden verbündeten Sachsen zum Frieden bewegen wollte. Verhandlungen und Waffenstillstand wechselten sich ab.

Ein großes teueres Heer in den eigenen Landen zu unterhalten und es dann nicht einzusetzen, führte zu Verwunderung, ja Fassungslosigkeit bei Wallensteins zahlreichen Feinden am Kaiserhof. Auch seine Generäle waren nicht glücklich. Wenn der Heerführer dann überraschend zuschlug, wie in Steinau im Oktober 1633 gegen die Schweden unter Graf Thurn (der bekannte Fensterstürzer aus Prag), schuf das neues, gesteigertes Misstrauen. Denn Wallenstein hatte dem gefangenen, immer noch zum Tode verurteilten böhmischen Rebellen die Freiheit geschenkt.

Der Vorwurf des Hochverrates stand im Raum

Die Stimmung schlug vollends um, als der Friedländer erst die Einnahme von Regensburg durch die von Bernhard von Weimar geführten Schweden für unmöglich hielt, und dann, nach dessen Erfolg, die Rückeroberung einfach aufgab. Wallensteins Argumente für den Abbruch waren militärisch sicher stichhaltig. Mitten im Winter bestand die Gefahr, das Heer zu ruinieren. So marschierte die Armee Anfang Dezember 1633 in die Winterquartiere nach Böhmen. Und dies gegen den ausdrücklichen Befehl des Kaisers. Wien war außer sich. In diesen Tagen muss die Entscheidung gegen Wallenstein gefallen sein. Ferdinand II. verlangte von seinen Räten ein Gutachten, wie zu verfahren sei. Das Gutachten erhielt der Kaiser Mitte Januar 1634. Das Ergebnis: Der Generalissimus gehört wegen Befehlsverweigerung abgesetzt. Ein Geheimer Rat sollte zudem prüfen, ob Hochverrat vorliege.

Der Pilsener Revers wurde falsch verstanden

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Die Generäle und Obersten hatten am 12. Januar 1634 dem schwerkranken Wallenstein in Pilsen einen Treueschwur geleistet, damit dieser auf keinen Fall sein Amt niederlege. Dieser erste Pilsener Revers wurde in Wien möglicherweise absichtlich kräftig missverstanden und schlug ein wie eine Bombe. Hinzu kam das üble Phantasieprodukt des Octavio Piccolomini, das angebliche Hochverratspläne des Herzogs in den grellsten Farben schilderte. All dies bestärkte die Feinde des Friedländers (Freunde hatte er keine mehr), ihn schnellstens los zu werden. Auch der eingesetzte Geheime Rat – mit Hans-Ulrich von Eggenberg, Maximilian von Trauttmansdorff und dem Bischof von Wien, Anton Wolfradt, – sprach sich gegen den Feldherrn aus. Der Vorwurf lautete: notorische Reichsrebellion.

Wallenstein sollte gefangen oder getötet werden

Am 24. Januar 1634 wurde Wallenstein, erstmal unter strenger Geheimhaltung, für abgesetzt erklärt. Er sei gefangen zu nehmen oder zu töten. Matthias Gallas, einer der wenigen Eingeweihten, sollte sich zusammen mit Octavio Piccolomini ihres ehemaligen Chefs bemächtigen. Beide Generäle hielten das in Pilsen für zu gefährlich und verließen am 11. und 15. Februar unter Vorwänden Wallensteins Hauptquartier.

Der Generalissimus ahnte unterdessen nichts von dem, was Wien und der Kaiser gegen ihn planten. Erst am 18. Februar wurde die Absetzung öffentlich, drei Tage später erfuhr Wallenstein davon. Was blieb war Flucht, nachdem klar war, dass die Armee ihrem Gründer und Capo nicht mehr gehorchte. Mit einer kleinen Truppe und den verbliebenen Getreuen – Christian von Ilow, Adam Ermann Trĉka und Wilhelm Kinsky – ging der Zug nach Eger. Dort traf der todkranke Herzog am 24. Februar 1634 ein. Die Stadt im Nordwesten Böhmens wurde von Oberstleutnant Johann Gordon kommandiert. Beim Einzug der Flüchtenden dabei: Oberst Walter Gordon, er war unterwegs zu Wallenstein gestoßen.

Deveroux bohrte Wallenstein seine Hellebarde in den Leib

Butler und Gordon wussten, dass Wallenstein abgesetzt war. Was war jetzt zu tun? Gordon war unschlüssig, der Ire Butler, unterstützt vom Schotten Walter Leslie, einem Untergebenen Gordons, drangen auf Exekution. Die drei Heroen, wie sie sich später nannten, luden die Begleitung Wallensteins ins Schloss, und ermordeten Ilow, Trĉka, Kinsky, nebst einem Oberst Niemann und einigen Dienern. Butler zog dann mit zwei Getreuen vor das Pachelbel-Haus, in dem der Herzog schlief. Hauptmann Deveroux übernahm die Bluttat: Er bohrte Wallenstein seine Hellebarde in den Magen. Der einst so Gefürchtete war tot.

War die Exekution rechtens? Oder schlicht Mord an einem Unbequemen? Die Wiener Räte fanden keine stichhaltigen Beweise für eine „notorische Reichsrebellion“ – so sehr sie sich auch mühten. So bleibt als Urteil: Es war Meuchelmord (Helmut Diwald). Oder mit Golo Mann: Ein kaiserlicher Strafakt  – später nannte man dies „politische Justiz“.

 

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/12/28/matthias-gallas-der-trunkenbold-und-heerverderber/

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/12/22/die-morder-wallensteins-und-ihr-schicksal/

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

Eine Antwort zu “Ein politischer Mord zum Frommen des Hauses Habsburg: Wallensteins Tod

  1. Wolf Thieme

    Wallenstein wurde nicht mit einer Hellebarde durchbohrt, sondern mit einer Partisane, einer Art Spieß mit Haken. Ein Ex. hängt in seinem unveränderten Todeszimmer in Eger.

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