Maximilian von Bayern: Schlauer als die meisten Fürsten, aber gierig

422px-Joachim_von_Sandrart_009Wenige prägten den Dreißigjährigen Krieg wie der bayerische Herzog, und spätere Kurfürst, Maximilian. Neben dem sächsischen Kurfürst Johann Georg war er der einzige deutsche Herrscher von Bedeutung, der während der ganzen Zeit des grausamen Ringens sein Land regierte. Insgesamt stand er über 50 Jahre an der Spitze seines Staates.

Maximilian tat dies im tiefen Bewusstsein, einer bedeutenden Dynastie, den Wittelsbachern, und der einzig wahren Religion, dem Katholizismus, anzugehören. Anders als viele seiner Standeskollegen, war der Bayer intelligent, diszipliniert, verstand etwas vom Regieren und wusste sein Geld zusammenzuhalten. Aber der Herzog war auch ehrgeizig, oft viel zu ehrgeizig.

Maximilian baute die Schulden seines Vaters schnell ab

Maximilian übernahm die Regierung in Bayern bereits 1595 – da war er 22 Jahre alt. Zuerst zusammen mit seinem Vater Wilhelm V., dann ab 1597 in alleiniger Verantwortung. Während Wilhelm die finanziellen Mittel nur so durch die Finger flossen, verstand sich der junge Herzog auf das Wirtschaften. Den väterlichen Schuldenberg von 1,6 Millionen Gulden verwandelt er bis 1612 in einen Staatsschatz von rund 900.000 Gulden. Sein Credo lautete: Nur wer viel Land und Geld habe, werde respektiert in der Welt.

Auch auf militärischem Gebiet – das ja direkt vom Geld abhängig war – wusste er sich Achtung zu verschaffen. So bei der Reichsexekution gegen die evangelische Stadt Donauwörth (1606), dann im Salzkrieg gegen den aufmüpfigen Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raithenau (1611) und vor allem durch das von ihm geführte katholische Militärbündnis, die Liga.

Sieger in der Schlacht am Weißen Berg vor Prag

Seinen ersten großen Auftritt im Dreißigjährigen Krieg hatte Maximilian, als er mit der ligistischen Armee unter seiner Führung dem frisch gekrönten Kaiser Ferdinand II. in der Schlacht am Weißen Berg 1620 Böhmen und die Krone sicherte. Maximilians Vetter Friedrich V.  – für kurze Zeit König der Böhmen – floh aus Prag; der Aufstand der böhmischen Herren brach zusammen.

Der Preis, den der bayerische Herzog dafür von Ferdinand verlangt hatte, war hoch. Für die Kosten – die er auf 12 Millionen Gulden bezifferte und die der Kaiser nicht bezahlen konnte – forderte er Oberösterreich als Pfand. Das habsburgische Erbland hatten die Bayern quasi im Vorbeigehen den dortigen rebellierenden protestantischen Ständen abgenommen. Damit aber nicht genug: Maximilian hatte Ferdinand in dessen Not auch das Versprechen abgepresst, die Kurfürstenwürde des vertriebenen Friedrich V. für sein Haus verliehen zu bekommen.

Die Kurwürde bedeutete Maximilian außerordentlich viel

Die Kurwürde war Maximilian außerordentlich wichtig. Zum einen, da sie bis ins 14. Jahrhundert zu Bayern gehörte. Zum anderen würde Maximilian als Kurfürst zur Klasse der wichtigsten Fürsten im Reich gehören. Schließlich waren es diese sieben Erlauchten, die den Kaiser wählten. Und bei solchen Gelegenheiten ließ sich ein schöner politischer Druck auf den Kandidaten und dessen Haus – sprich Habsburg –  aufbauen.

Der Widerstand gegen die Kurübertragung war jedoch stärker als erwartet. Da gab es zuerst den nächsten Verwandten Friedrichs V., Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der Ansprüche anmeldete. Als relativ machtloser Fürst wurde er jedoch schnell ruhiggestellt. Dann der sächsische Kurfürst, ein anderes Kaliber. Johann Georg hatte den Kaiser bei der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes zwar unterstützt, bei der Kurübertragung an Bayern war er jedoch sehr skeptisch.

Klar in Opposition stand der Kurfürst von Brandenburg. Als Schwager Friedrichs und Calvinist fürchtete er – zu Recht – den steigenden Einfluss der katholischen Partei. Der Erzbischof und Kurfürst von Mainz – Erzkanzler des Reiches –  zeigte sich indifferent. Er wollte vor allem eins: Das Kurfürstenkollegium sollte über solche Fragen entscheiden, nicht der Kaiser. Ablehnung kam auch aus Spanien. Die dortigen Machthaber ahnten, dass dieser Machtzuwachs der Katholiken im Reich von den Protestanten nicht kampflos hingenommen werden würde. Damit lagen sie richtig.

Ferdinand II. setzte sich 1621 über alle Bedenken hinweg und machte Maximilian heimlich zum Kurfürsten. Das Geheimnis blieb nicht lange Eines. Ein abgefangenes Briefpaket machte die Sache publik – und damit noch komplizierter. Es dauerte dann, begleitet von vielen diplomatischen Verrenkungen und Drehungen, bis 1623 die offizielle Kurübertragung an Maximilian erfolgte. Der Schönheitsfehler: Offiziell wurde nur seine Person mit dieser Würde bedacht, nicht seine Erben.

Ein tiefer Griff in die Trickkiste

Nur mit dieser Einschränkung war die Sache in Regensburg durchzusetzen. Aber auch hier wieder der Griff in die Trickkiste. Eine geheime Urkunde, ausgestellt von Kaiser Ferdinand, sicherte Maximilian die Erblichkeit des Titels zu. Erst 1628 glaubte sich Maximilian wirklich am Ziel: Die erbliche Übertragung der Kur an sein Haus wurde nun offiziell verkündet. Allerdings nicht mit einer pompösen Schau, wie in der Münchener Residenz dargestellt. Sie erfolgte schlicht schriftlich.

Die Kur-Übertragung war eine schwere Verletzung des Reichsrechts und ein politischer Missgriff erster Ordnung. Bayern wurde wegen der Verteidigung der Kurfürstenwürde immer tiefer in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges verstrickt. Erst mit dem Friedensschluss 1648 war diese dann endgültig gesichert.

Zunächst schienen sich jedoch Maximilian und Ferdinand auf der Siegerstraße zu bewegen. Die bayerisch-ligistische Armee unter ihrem General Johann Tserclaes von Tilly eroberte 1621 die Pfalz und schlug im folgenden Jahr die protestantischen Heere unter Ernst von Mansfeld, Christian von Braunschweig und Georg Friedrich von Baden-Durlach. Heidelberg, Stammsitz seines pfälzischen Vetters Friedrich V., stürmte Maximilians Armee am 16. September 1622. Die Stadt wurde geplündert, die wertvolle Bibliothek, die Palatina, dem Papst geschenkt und nach Rom gebracht.

Wallenstein betritt die Bühne

Und auch als der dänische König Christian IV. glaubte, sich in den Krieg einmischen zu müssen, rannten ihn die katholischen Heere über den Haufen und besetzten 1626 die ohne Schiffe zugänglichen Teile seines Landes.  Allerdings waren es nun nicht mehr die Bayern alleine, die die Siege errangen. Denn mit einer neuen kaiserlichen Armee hatte Feldherr Albrecht von Wallenstein die Bühne des großen Krieges betreten. In dem Maße, wie der böhmische Generalissimus  – bald Herzog von Friedland, Sagan und Mecklenburg – an Macht gewann, büßte Maximilian die Seine im katholischen Lager ein. Keine gute Grundlage für eine ersprießliche Zusammenarbeit zwischen kaiserlicher und bayerisch-ligistischer Armee. Auch die Beziehung zwischen Wittelsbach und Habsburg litt unter der Verstimmung.

So war es denn maßgeblich der bayerische Einfluss, der Wallenstein 1630 sein Generalat kostete. Auf dem Kurfürstentag in Regensburg im August des Jahres erzwang Maximilian die Entlassung des kaiserlichen Feldherrn. Dies zu einem Zeitpunkt, als ein neuer, gefährlicher Gegner, der schwedische König Gustav Adolf, im Reich erschien. Der lutherische Wasa war im Juli auf Usedom gelandet, und griff nach kurzer Frist massiv in den Krieg ein. Die angebliche Einschätzung Kaiser Ferdinands II., „ham ma halt ein Feindl mehr“, erwies sich als folgenschwerer Irrtum. Insbesondere Maximilian und vor allem seine Bayern spürten das bald sehr deutlich.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

Bayerns Bauern im Aufstand gegen Maximilian

Donauwörther Fahnenschlacht

https://geschimagazin.wordpress.com/2013/01/14/johann-georg-von-sachsen-der-calvinistenhasser-nimrod-und-kaiserfreund/

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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