Friedrich V.: Aus dem König von Böhmen wurde der „Winterkönig“

Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz ging ob seiner kurzen Regierungszeit in Böhmen als „Winterkönig“ in die Geschichte ein. Vom 8. November 1620 an lebte er im Exil, denn zurück in die Pfalz konnte er nicht mehr: Die hatten die Spanier unter ihrem Feldherren Spinola inzwischen teilweise erobert. Den Rest erledigte später die Armee seines Vetters Maximilian von Bayern.

Die Flucht des gewesenen böhmischen Herrscherpaares führte sie zuerst nach Breslau. Hier in Schlesien hofften sie Unterstützung zu finden, um sich für die Niederlage zu rächen. Doch niemand wollte für die Vertriebenen kämpfen. So zogen Friedrich und Elizabeth samt ihrer Kinderschar weiter nach Brandenburg.

Friedrich wurde mit Hohn überschüttet

Kein Fürst der Zeit wurde von der Publizistik so mit Hohn und Spott überzogen wie der vertriebene Friedrich. Von des Pfalzgrafen Urlaub, vom Kehraus aus Böhmen und der Pfalz, vom Winter- und Suppenkönig und anderen Schmähungen war in der zeitgenössischen Flugschriftenliteratur die Rede. Weit schlimmer als diese Beleidigungen traf ihn sicher der Verlust von Teilen seiner Pfalz Und der nächste Schlag folgte 1621: Der Kaiser, Ferdinand II., verhängte über Friedrich die Acht. Ein unerhörter Vorgang gegen einen Kurfürsten des Deutschen Reiches.

Treibende Kraft hinter dieser kaiserlichen Maßnahme war Maximilian von Bayern, der Sieger am Weißen Berg. Er hatte sich von Kaiser Ferdinand II., bevor er mit seiner Armee nach Böhmen zog,  die Übertragung der Kurwürde seines pfälzischen Vetters zusichern lassen. Maximilian wollte für sich und sein Haus den Aufstieg in die erste Liga der Fürsten.

Kostgänger der Niederlande und Englands

Friedrich war nach der Achterklärung auch bei den brandenburgischen Verwandten kein gern gesehener Gast mehr. Die Familie zog daher weiter in die Niederlande. Sie war jetzt von den finanziellen Zuwendungen der Haager Ratsherren und des englischen Königs, Elizabeths Vater, abhängig.

Im Jahr 1622 machte sich Friedrich noch einmal auf, mit Hilfe des Söldnerführers Ernst von Mansfeld wenigstens Teile seiner Erblande zu retten. Doch auch diese Hoffnung machte der bayerische General Tilly nachhaltig zunichte. Angeekelt von der weiteren Vorgehensweise des nicht zimperlichen Mansfelds, kehrte Friedrich via Heidelberg – hier leerte er noch schnell sein Schloss von allem Wertvollen und Transportierbaren – in die Niederlande zurück.

Trotz der mitgebrachten Schätze, das Geld reichte nie. Die Haus- und Hofhaltung des Paares, orientiert an kurfürstlichen und königlichen Maßstäben, überstieg regelmäßig die Einnahmen. Und das trotz der Zuwendungen aus England und den Niederlanden. Vor dem Palast lärmende Gläubiger, die ihre Bezahlung verlangten, gehörten zum Alltag des Ex-Königs.

Friedrich versuchte die Pfalz zurück zu gewinnen 

Bis zum Erscheinen des schwedischen Königs Gustav Adolf auf dem deutschen Kriegsschauplatz, versuchten Friedrich und seine Ratgeber mit allen diplomatischen Finessen die alten Titel und Lande zurückzugewinnen. Die Haltung des Pfälzers war dabei ebenso konsequent wie starr. Er, so ließ er argumentieren, habe keine Auseinandersetzung mit dem Kaiser, sondern nur mit dem Erzherzog Ferdinand gehabt. Für die Acht bestand seiner Ansicht nach daher keine Rechtsgrundlage. Damit auch nicht für den Verlust der Kurwürde und der Pfalz.

Maximilian und der Kaiser sahen dies naturgemäß anders. Zudem schufen die Beiden Fakten: 1623 wurde, nach langem hin und her, Maximilian die Kurwürde seines Vetters übertragen. Damit hatte die katholische Seite im Kur-Kollegium die überwältigende Mehrheit. Und die Oberpfalz war vom Kaiser zur Begleichung seiner Schulden an den Bayer übertragen worden.

Gustav Adolf dachte nicht an eine Wiedereinsetzung des Pfälzers

Erst als der Protestant Gustav Adolf im Jahr 1631 seinen scheinbar unwiderstehlichen Siegeslauf antrat, keimte bei Friedrich erneut die Hoffnung auf, dass sich für ihn alles zum Guten wenden könnte. Und in Tat schien es so. Der schwedische König empfing den Pfälzer mit aller Zuvorkommenheit. Mehr aber auch nicht.  Denn eine Wiedereinsetzung Friedrichs in seine alten Rechte, das passte nicht in das politische Kalkül des Eroberers aus dem Norden. Gustav Adolf bot ihm die Pfalz lediglich als schwedisches Lehen an. Das war jedoch keineswegs, das, was der ehemalige Kurfürst wollte. Der Pfälzer konnte noch einen letzten Triumph erleben: Zusammen mit Gustav Adolf zog er am 17. Mai 1632 in das eroberte München ein, seines Vetters Hauptstadt. Dort bediente sich er sich an den von Maximilian in seiner Residenz zurückgelassenen Schätzen.

Auf dem Rückweg in die Niederlande machte Friedrich in dem von den Schweden besetzten Mainz halt. Hier zog er sich Ende Oktober eine gefährliche Infektion zu, die ihn zusehends schwächte. Die Nachricht vom Tod Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen am 17. November 1632 dürfte ihm den Rest gegeben haben. Friedrich V. wurde nur 36 Jahre alt. Der einst so strahlende König von Böhmen und Kurfürst von der Pfalz starb elend und einsam am 29. November 1632 in Mainz. Er hatte zwölf Jahre vergeblich versucht, sein Kurfürstentum, seinen Kurfürstentitel und seine Ehre wieder zu erlangen.

Friedrich V. war ein Fürst, der nur durch seine Geburt und Abstammung, nie durch seine Fähigkeiten und Leistungen, eine gewisse Bedeutung für seine Zeit erlangt hat. Er bleibt daher als der verspottete Winterkönig im historischen Gedächtnis.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/11/27/friedrich-v-von-der-pfalz-ein-politisches-leichtgewicht-auf-bohmens-thron/

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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