Friedrich V. von der Pfalz: Ein politisches Leichtgewicht auf Böhmens Thron

Seine Mutter ahnte schlimmes, als Friedrich V., Kurfürst der Pfalz und Oberhaupt der protestantischen Union, im Oktober 1619 nach Prag aufbrach, um dort das Amt des Königs von Böhmen anzutreten. Das konnte nur Krieg bedeuten. Wie leicht mochte dabei auch die Pfalz und das schöne Heidelberg Schaden nehmen.

Es waren schwierige Zeiten. Nach dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 hatten sich die religiösen Spannungen im Deutschen Reich verschärft. Bislang waren die kriegerischen Auseinandersetzungen im Wesentlichen auf Böhmen beschränkt geblieben. Doch die beiden  Kampfbünde, protestantische Union und katholische Liga, standen sich zunehmend feindseliger gegenüber.

Nachdem die böhmischen Stände zuerst den Habsburger Ferdinand zu ihrem König gewählt hatten, um ihn dann am 19. August 1619 wieder abzusetzen, fiel die Wahl acht Tage später auf den pfälzischen Kurfürsten. Von ihm versprachen sich die rebellischen Böhmen tatkräftige Unterstützung gegen das katholische Erzhaus. Damit war der Plan des pfälzischen Kanzlers und Strippenziehers, Christian von Anhalt scheinbar gelungen, eine machtvolle Basis für den von ihm angestrebten Sturz der Habsburger zu erlangen. Aber noch zögerte Friedrich V., die Krone anzunehmen.

Die Mehrzahl seiner Räte war dagegen und auch seine Mutter, Louise Juliane. Sein mächtiger katholischer Vetter, der bayerische Herzog Maximilian, riet gleichfalls dringend ab. Die Böhmen jedoch drängten ebenso wie Christian von Anhalt, Friedrichs wichtigster politischer Kopf. Um den 25. September fällte der Pfälzer schließlich die Entscheidung, sich dieser „göttlichen Berufung“ zu fügen. Ein in diesen Zeiten gern in Anspruch genommenes Argument. Am 7. Oktober zogen Friedrich und seine Gemahlin, die englische Königstochter Elizabeth Stuart, mit einem Tross von mehr als 150 Wagen gen Prag.

Friedrich V. fehlten die geistigen Fähigkeiten

Friedrich, damals 23 Jahre alt, galt schon seinen Zeitgenossen als politisches Leichtgewicht. Ihm fehlten für ein Herrscheramt die Erfahrung und die Entscheidungskraft, viele meinten auch die geistigen Fähigkeiten. Schon sein Erzieher, der Herzog von Buillon, sagte von Friedrich: „Das Höchste was wir mit dem Prinzen erreichen können ist, dass er gutem Rat folge“.

In Prag prallten dann Friedrichs wie Elizabeths leichte Art und die böhmische Lebenssicht mit voller Wucht aufeinander. Es war nicht so, dass der neue König nicht die besten Absichten gehabt hätte. Aber seine Attitüde, sich nicht um die Meinung Anderer zu kümmern, ließ ihn von einem in den nächsten Fettnapf springen. Sei es sein Nacktbaden in der Moldau, das permanente Festefeiern oder seine Ausritte in grellbunter Kostümierung. Elizabeth, Tochter des englischen Königs Jakob I., trug mit ihrem Verhalten nicht zur Besserung des Ansehens des Herrscherpaares bei. Ihre tief dekolletierten Kleider sorgten für moralische Entrüstung und sie, die nie ein Wort Deutsch gelernt hatte, verweigerte sich natürlich der böhmischen Landessprache.

Die „Säuberung“ des Veitsdoms sorgte bei den Böhmen für Hass

Den Hass der Böhmen zog sich das junge Paar endgültig zu, als  der mitgeführte calvinistische Hofprediger meinte, am Prager Veitsdom die reine Lehre verwirklichen zu müssen. Abraham Scultetus ließ die mittelalterliche Kirche von allen Plastiken, Bildern, Altären säubern und die Kunstschätze mutwillig zerstören. Waren die Böhmen schnell mit ihrem neuen Oberhaupt unzufrieden, so merkte auch Friedrich bald, dass er als König kaum Entscheidungen treffen durfte. Er musste alles mit den Ständen besprechen und sich von ihnen genehmigen lassen.

Derweil braute sich Unheil vom Reich kommend zusammen. Maximilian von Bayern, Friedrichs so viel energischerer und schlauerer Vetter, zog am 23. Juli 1620 mit einem stattlichen Heer via Oberösterreich gen Böhmen. Er handelte auf Bitten von Kaiser Ferdinand II., der sich nicht mit dem Verlust eines seiner Erbländer  – zumal eines so reichen wie Böhmen – abfinden wollte. Jetzt zeigte sich erneut, welch ein politisches Leichtgewicht Friedrich V. war. Zu sehr hatte er sich auf Christian von Anhalt verlassen, dessen großartige Koalitionspläne sich in der Stunde der Gefahr als Luftschlösser entpuppten. Die protestantische Union hielt still, der englische König half nicht und auch Bethlen Gabor, der calvinistische Fürst von Siebenbürgen, war keine wirkliche Unterstützung.

Die Schlacht am Weißen Berg entschied das Schicksal Friedrichs V.

Am 8. November 1620 stand das zusammengewürfelte Heer der Böhmen den Katholiken am Weißen Berg vor den Toren Prags gegenüber. Anhalt ließ seinen König wissen, es käme sicherlich nicht zur Schlacht. Aber wieder irrte er. So saßen der König und seine Gemahlin mit englischen Gesandten zu Tisch und die Runde war guter Dinge, während sich vor den Toren der Stadt in nur etwa zwei Stunden Böhmens Zukunft entschied. Als Friedrich von der vollständigen Niederlage seiner Truppen hörte, blieb ihm nur noch die überstürzte Flucht. Er ging als „Winterkönig“ in die Geschichte ein und lebte von nun an im Exil.

Lesen Sie zu diesem Thema auf GeschiMag:

https://geschimagazin.wordpress.com/2012/11/29/friedrich-v-aus-dem-konig-von-bohmen-wurde-der-winterkonig/

 

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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