Japan und die Europäer im 16. und 17. Jahrhundert

Es war zunächst wohl eher Zufall, der die Portugiesen, die kaum 50 Jahre zuvor erstmals Indien erreicht hatten, 1543 nach Japan verschlagen hatte. Dieser Zufall aber brachte die Kenntnis von einem reichen Land, das enorme Handelsgewinne versprach, in das 1511 als portugiesischer Stützpunkt eroberte indonesische Malakka.

Innerhalb weniger Jahrzehnte nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien, hatte sich das kleine Portugal gewaltsam Stützpunkte entlang der afrikanischen Küste, am arabischen Meer, an der Malabarküste Indiens und in Südostasien auf Java, den Molukken und eben Malakka angeeignet. Damit hatte es die Araber aus dem Asienhandel verdrängt diesen selbst übernommen.

Nachdem die Portugiesen 1557 auch auf dem chinesischen Festland Fuß fassten und Macao gründeten, entwickelte sich ihr Handel mit Japan, der sich auf den Hafen von Nagasaki konzentrierte.

Europäische Technologie für japanischen Bürgerkrieg

Japan war in jener Zeit in einen 100 Jahre währenden Bürgerkrieg verstrickt, in dessen Rahmen verschiedene Samuraifamilien um die Vorherrschaft auf den Inseln rangen. Die Technologie der Portugiesen, die Kanonen, Gewehre und stabilen Schiffe machten auf die japanischen Fürsten durchaus Eindruck, ließ sie sich doch für die inneren Auseinandersetzungen militärisch nutzen.
Als schließlich 1600 die Tokugawa-Familie die Oberhand gewann und die innenpolitisch relativ friedliche rund 250- jährige Tokugawa-Zeit anbrach, begannen auch die Japaner, den Überseehandel für sich zu entdecken. Anfang des 17. Jahrhunderts konnte man im portugiesischen Manila aber auch im Malaiischen Archipel, in Siam und Malakka japanische Hochseeschiffe sehen.

Go-shuin sen, Rotsiegelschiffe wurden sie genannt, denn sie besaßen einen Handelspass mit großem rotem Siegel des Shogun. Japanischen Quellen zufolge sollen 1617 rund 200 japanische Seeschiffe, teils mit Portugiesischen Piloten unterwegs gewesen sein.

Missionare als Geheimagenten?

Der einträgliche Handel der Portugiesen mit Japan wurde immer wieder durch die im engen Zusammenhang mit den portugiesischen Aktivitäten stehende christliche Mission durch die Jesuiten gestört. Die nämlich verfolgten durchaus auch machtpolitische Interessen und gerieten dadurch immer wieder in Konflikt mit den auf Souveränität bedachten Shogunen. 1587 und 1614 wurden Gesetze gegen das Christentum erlassen.

Wohl gerade weil diese wegen der Verflechtung von Mission und Handel nicht konsequent angewendet wurden, wuchs die Furcht der Shogune, die christlichen Patres bereiteten eine militärische Invasion vor.

Shogun vernichtet japanische Hochseeflotte

1635 verbot ein Dekret, allen Japanern, sich ins Ausland zu begeben und jene, die sich dort aufhielten, durften nicht mehr zurückkehren. Aus Angst, See- und Kaufleute könnten mit dem christlichen Glauben infiziert werden und diesen nach Japan tragen, wurden ein Jahr später auf Befehl des Shogun sämtliche japanischen Seeschiffe vernichtet.

1638 musste ein Aufstand christlicher Bauern und herrenloser christlicher Samurai niedergeschlagen werden, Anlass genug, nunmehr alle Portugiesen aus Japan auszuweisen.

Natürlich galt der Ausschluss auch für die Spanier, die 1580 unter Philipp II die iberische Halbinsel zwangsvereinigt hatten und inzwischen kräftig am Asienhandel beteiligt waren. So blieben nur noch die Holländer, die von einer künstlichen Insel im Hafen von Nagasaki aus nun den Japanhandel betreiben durften.

Japan hatte sich gegenüber dem Ausland für die folgenden rund 200 Jahre isoliert. Die Isolation endete erst 1853 mit dem Einlaufen der Flotte des amerikanischen Kommodore M.C. Perry in die Bucht von Tokio.

Nachrichten aus China und Holland

Ein Fenster zur Aussenwelt aber hatten sich die Japaner offengehalten. Über Chinesen, die sich als einzige Ausländer in Japan aufhalten durften und den holländischen Handelsstützpunkt, erfuhren Shogune und Hofbeamten weiterhin, was in der Welt vorging.

Die Niederländer hatten sich ohnehin einmal im Jahr in die Hauptstadt Jedo, dem heutigen Tokio, zu begeben, dem Shogun  und den Hofbeamten Geschenke zu machen und über Fortgang und Bedingungen des Handels zu verhandeln.

Begleiter der Gesandschaft waren regelmäßig auch die Ärzte, die in der niederländischen Handelsstation Dienst taten. Darunter waren die Deutschen Engelbert Kaempfer (in Japan1690 bis 1692), Philipp Franz von Siebold (in Japan1823 bis 1830 und 1859 bis 1862) und 1647 Dr. Caspar Schambergen.

Die Japaner lernten dabei die niederländisch-deutsche Medizin kennen und schätzen und die Deutschen Mediziner vermittelten uns wertvolle Informationen über das Japan der Tokugawa-Zeit. Bis ins 19. Jahrhundert blieben die Niederschriften Kaempfers der bedeutendste Bericht über Japan. Erst durch „Nippon“, das siebenbändige Werk Siebolds, das 1832 bis 1858 erschien, wurde er abgelöst.

 

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