Das Prager Blutgericht: Die Rache der Sieger in Böhmen

Damit hatten die böhmischen Herren nicht gerechnet. Sie gingen von der Milde Kaiser Ferdinand II. aus, zumal ihr Bezwinger Herzog Maximilian von Bayern ihnen die Schonung ihres Lebens zugesagt hatte. Aber der erst vor kurzem zum Kaiser gewählte Habsburger wollte ein Exempel statuieren, wollte Böhmen vollständig unterwerfen.

Alles hatte am 23. Mai 1618 begonnen, als aufgebrachte böhmische Adlige versuchten die Vertreter der kaiserlichen Macht mit einem Sturz aus einem Fenster der Prager Burg umzubringen. Die damit in Gang gesetzte Rebellion gegen das Haus Habsburg nahm, kaum vorbereitet, später schlecht organisiert, einen eher kläglichen Lauf. Auch der pfälzische Kurfürst und Calvinist Friedrich V., von den rebellischen Ständen zum König erwählt, konnte das Unheil nicht aufhalten. Die von ihm erwartete und von seinem Kanzler Christian von Anhalt als sicher zugesagte internationale militärische Unterstützung, blieb aus oder kam sehr spärlich.

Ferdinand fand Unterstützung bei Maximilian von Bayern

Ferdinand II. fand dagegen die machtvolle Hilfe des bayerischen Herzogs Maximilian. Zusammen mit dem kaiserlichen General Buquoy schlug dieser am 8. November 1620 in nur zwei Stunden die Böhmen vor den Toren Prags. Die Niederlage war – wie nur wenige im Dreißigjährigen Krieg – eine totale; Friedrich V. floh, die Rebellion war zu Ende. Ein für allemal.

Die Prager wurden vollständig ausgeplündert. Die kaiserliche und bayerische Soldateska konnte sich reichlich bedienen. Und in der wohlhabenden Moldaumetropole gab es viel zu holen. So die Hinterlassenschaft des eilig getürmten Königs. Eigentlich sollte es nur die Rebellen treffen. Aber wer von den Räubern hatte schon Zeit und Lust, zu fragen, ob der potentielle Beutelieferant etwa gut katholisch sei?

Die besiegten böhmischen Adligen gaben sich zuerst hochfahrend

Die böhmischen Herren begriffen zu Anfang nicht, dass eine neue Zeit angebrochen war, die ihnen jegliche Macht aus den Händen nahm. Sie gaben sich den Siegern gegenüber hochfahrend, so als seien am Aufstand nicht wirklich beteiligt gewesen. Ihr Ziel war, das Ihre in Sicherheit zu bringen, Leib, Leben und Besitz. Und ihre religiösen Freiheiten sollten natürlich auch nicht angetastet werden. Maximilians rüde Antwort brachte sie auf den Boden der Tatsachen. Nun verlegten sich die sonst so stolzen Adligen auf das Bitten und Flehen. Wilhelm von Lobkowitz, einer der Haupträdelsführer, verstand sich darauf am besten. Tränenreich versicherte er, von nun an dem Kaiser Ferdinand II. die Treue halten zu wollen. Ihm rettete dies das Leben.

Kleriker und Wiener Räte forderten äußerste Härte gegen die Rebellen

Die Reue kam für viele der Gefangenen zu spät. Maximilian, der in einem seiner seltenen Anfälle von Milde, den böhmischen Herren anfänglich ihr Leben zugesichert hatte, änderte schnell seine Meinung. Er empfahl Ferdinand mit ganzer Härte gegen die Rädelsführer vorzugehen. Auch die katholischen Kleriker, am schlimmsten ein Kapuzinerpater Sabinus, forderten geifernd die Köpfe der Häretiker.  Ferdinands Räte plädierten gleichfalls für äußerste Strenge. Einerseits aus Staatsräson, andererseits auch mit Blick auf den schönen Gewinn, der sich aus den Ländereien der  Rebellen und deren Mitläufer für sie selbst ziehen lassen werde.

Der Kaiser folgte gerne den Ratschlägen

Ferdinand folgte gerne den Ratschlägen seiner Kleriker und Räte. Im Januar 1621 ließ er die Reichsacht über Friedrich V. verkünden, wenige Wochen später die Führer des Aufstands verhaften. Insgesamt gingen um die fünfzig Rebellen in den Kerker. Nur den Grafen Thurn, den Haupträdelsführer, und Wenzel von Ruppa erwischten die kaiserlichen Büttel nicht. Beide hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht Thurn zuletzt bis nach Konstantinopel.. Den Grafen Andreas Schlick dagegen lieferte der sächsische Kurfürst aus.

Der Gerichtshof fällte siebenundzwanzig Todesurteile

Der flugs zusammengestellte Gerichtshof nahm seine Arbeit auf und fällte harte Urteile. Allen Angeklagten wurden ihre Güter entzogen, siebenundzwanzig zum Tode verurteilt. Damit aber nicht genug: Einigen sollten bei lebendigem Leib die rechte Hand abgehackt und die Zunge herausgerissen, andere sogar gevierteilt werden. Ferdinand, der sich eine Bestätigung der Urteile vorbehalten hatte, soll sich damit – zumindest kurzfristig – gequält haben. Seine weltlichen Ratgeber sprachen sich für die Ausführung des Richterspruchs aus – in seiner ganzen Härte. Sein Beichtvater verweigerte einen Ratschlag; der Kaiser möge nach seinem Gewissen entscheiden. Nach durchbeteter Nacht unterschrieb Ferdinand am 23. Mai 1621 die Urteile, milderte jedoch die meisten hinsichtlich der zusätzlichen Grausamkeiten ab.

Der Henker verrichtete sein Werk am 21. Juni 1621

Das blutige Werk, so ließ der Kaiser seinen Statthalter Karl von Lichtenstein wissen, solle schnell getan werden. Am 21. Juni 1621 war es dann so weit. Auf dem Platz vor dem Altstädter Rathaus in Prag sollten die Verurteilten vom Leben zum Tode befördert werden. Die Stadttore waren geschlossen, die Richtstätte bewachten Soldaten Wallensteins. Der erste war Graf Schlick. Er hielt sich tapfer. So auch die anderen. Selbst der Rektor der Prager Universität, dem der Henker noch die Zunge abschnitt bevor er ihm den Kopf abhackte. Das ganze Theater der Rache dauerte wohl vier Stunden und der Scharfrichter schlug vier Schwerter stumpf.

Damit nicht genug der Rache:  Zwölf der Köpfe nagelten die Schergen an den Altstädter Brückenturm. Dort blieben sie, bis der sächsische Feldherr Hans Georg von Arnim sie bei seinem Einmarsch in Prag 1631 abnehmen ließ.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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