GeschiMag im Gespräch mit Norman Nekro

„Norman Nekro schreibt historische Romane, Krimis sowie Mystery- und Grusel-Thriller. Aus seiner Feder stammt auch die in der Nach-Napoleon-Ära spielende Gruselserie »Froebius! Im Bannkreis des Unheimlichen«.

Dieses „Autorenprofil“ beinhaltet bereits so ziemlich alles, was auch bei gründlicherer Internetrecherche über Norman Nekro an persönlichen Informationen aufzutreiben ist. Selbst die Gepenster und Dämonen seiner Froebius-Serie (siehe auch die Rezension „Froebius“ auf GeschiMag) geben wesentlich mehr von sich Preis, als ihr literarischer Schöpfer. Um so erfreulicher, dass er sich zu einem Gespräch mit Wolfgang Schwerdt bereit erklärt hat, das den Lesern von GeschiMag ein wenig mehr über den Autor und sein Werk verrät.

GeschiMag: Herr Nekro, allein die Schwierigkeit, etwas Persönliches über sie zu erfahren, lässt auf ein Pseudonym schließen. Das ist in Autorenkreisen ja auch nicht wirklich unüblich. Dabei macht jeder Kollege andere Gründe für sich geltend, welches sind eigentlich Ihre?

Norman Nekro: Mein „Zivilberuf“ ist Wirtschaftsjournalist im Handelsbereich. Dort schreibe ich unter bürgerlichem Namen, der inzwischen in den betreffenden Branchen einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Um hier eine klare Abgrenzungslinie zu ziehen, habe ich mich entschlossen, meine literarischen Arbeiten unter Autorenpseudonym zu veröffentlichen.

GeschiMag:Im Internetzeitalter steht und fällt der Erfolg mit der persönlichen Präsenz im Netz. Sie sind da recht zurückhaltend. Andererseits nutzen Sie die neuen Möglichkeiten des Selfpublishing, sind also nicht unbedingt ein Fortschrittsverweigerer. Ein wenig widersprüchlich wirkt das schon.

Norman Nekro: Ich kann hier wiederum nur auf meine Berufstätigkeit verweisen. Sechs mal im Jahr als redaktionelle wie verlegerische One-Man-Band eine professionelle Fachzeitschrift recherchieren, schreiben und produzieren, plus die zugehörige Webseite pflegen plus wöchentlichen Newsletter herausgeben plus Reisen, Reisen, Reisen – bei einem solchen Aufgabenkatalog bleibt mir nur wenig Zeit, um mich intensiv um die Feinheiten des social networking zu kümmern.  Da ich inzwischen aber fast 40 Jahre im Beruf bin, wird man sich ausrechnen können, dass diese Lebensphase in absehbarer Zeit abgeschlossen sein wird und ich, worauf ich mich sehr freue, nur noch schriftstellerisch tätig sein werde. Dann werden auch Norman Nekros Web-Aktivitäten deutlich sichtbar zunehmen – vor allem, weil ich mich in so manchem Literaturforum endlich auch mal zu Wort melden möchte.

GeschiMag: Ihre Froebius-Geschichten zeichnen sich durch einen historisch außerordentlich präzisen Detailreichtum aus. Der Leser darf sich zu recht in die materielle, die geistige und die soziale Welt der nachnapoleonischen Ära versetzt fühlen. Wie und wo recherchieren Sie und was reizt Sie eigentlich an dieser speziellen Zeit?

Norman Nekro:  Ihre hochinteressante Ambivalenz! Im frühen 19. Jahrhundert traten die Naturwissenschaften endgültig aus dem Dämmerlicht von Alchemie und Astrologie heraus und konzentrierten sich immer stärker auf die seriöse wissenschaftliche Forschung. Gleichzeitig war der Umgang mit dem Okkulten in weiten Bevölkerungskreisen Volkssport und die phantastische Literatur, ich möchte hier nur Mary Shelley’s 1818(!) geschriebenen Weltklassiker „Frankenstein“ nennen, feierte erste grandiose Triumphe. Für mich gibt es keine bessere Ära, um den ewigen Kampf zwischen der Rationalität und  den Urängsten des Menschen literarisch zu beleuchten. Natürlich müssen die Leserinnen und Leser in der nachnapoleonischen Ära „ankommen“, was bedeutet, dass das geschilderte Ambiente bis ins letzte Detail zu stimmen hat. Das stellt den Autor manchmal vor solch kuriose Fragestellungen wie: „Mit was hat sich Froebius seine langstielige holländische Tonpfeife angezündet? Hatte er schon Schwefelhölzer – oder gar ein Feuerzeug…?“ Die entsprechenden Recherchen nutzen sowohl die Holzbuchklasse der einschlägigen Fachliteratur als auch das Netz, wobei immer der konkrete Romantext den Anlass dazu liefern muss. Denn ich lasse mich beim Schreiben von der Handlung treiben, weil ich nur so die besten Einfälle für den Weitergang bekomme. Sämtliche narrativen Feinheiten von vornherein exposémäßig einzuplanen, ist nicht mein Ding. Das muss sich aus sich heraus entwickeln. Ich hab’s mal per Exposé probiert, das Ergebnis war ein lieb- und fantasieloses Geschreibsel stur nach Fahrplan…

GeschiMag: Professor Froebius steht für die moderne, aufgeklärte Wissenschaft des 19. Jahrhunderts und er gerät mit dieser Haltung ständig in Konflikt mit der dämonischen Realität. Auch Ihre anderen Werke, wie die köstlichen Kurzgeschichten der „Divina commedia“ oder  der Krimi „Das Versuchskaninchen“ haben einen vielschichtigen Hang zum Morbiden und zum Jenseits. Andererseits wirkt keines Ihrer Werke so als hätten Sie selbst eine besondere Nähe zum Okkultismus. Gibt es da eine Art Seelenverwandtschaft zu Froebius?

Norman Nekro: Mit Sicherheit spiegelt der Protagonist einer literarischen Erzählung immer auch ein wenig die seelischen Befindlichkeiten seines Autors wider. Und Professor Froebius ist mir als Person  alles andere als unsympathisch. Vielleicht gerade deshalb, weil er ja kein „Geisterjäger“ sein will, wie ihn das konventionelle Gruselroman-Genre mit den immer wieder gleichen Facetten archetypisch festgelegt hat. Warum Norman Nekro auch in anderen Geschichten außerhalb der Froebius-Serie gern in die zwielichtige Grenzzone zwischen dem, was wir „Realität“ nennen und dem, was man höchstens noch ahnen kann, eintaucht, hängt vielleicht mit seiner emotionellen Abwehr gegen die heute übliche mechanistische Weltsicht, andere nennen sie „naturwissenschaftliche Betrachtungsweise“,  zusammen. Die Vorstellung, dass unsere Welt und das ganze Universum wie ein seelenloses Uhrwerk funktionieren soll, ist mir einfach zu öd, zu langweilig, zu fad. Da nutze ich gern die Phantasie als starkes Werkzeug, das Grenzen sprengen und dem Geist ein wenig Freiheit jenseits der Naturgesetze verschaffen kann.

GeschiMag:Ihr Autorenprofil besagt, dass Sie auch Autor von historischen Romanen sind und ordnen die Froebius-Geschichten – im Gegensatz zu mir – offensichtlich nicht diesem Genre zu. Wo sind denn aber dann Ihre Romane, die Sie als historisch bezeichnen, außer dem noch in Arbeit befindlichen „Die Templer und das Grabtuch“ konnte ich unter Ihrem Namen keinen finden.

Norman Nekro: Kleine Korrektur: Die Froebius-Folgen sind von mir bei Amazon als „Historische Romane“ getaggt und so verstehe ich sie auch. Mein Autorenprofil soll im übrigen ein Programm sein, kein Katalog. Das heißt: Ich kündige damit an, dass von Norman Nekro noch einiges aus dem historischen Bereich kommen wird. Erstes Beispiel ist der von Ihnen erwähnte Grabtuch-Thriller, dessen voraussichtlicher Titel „Linnen“ lauten wird. Er beginnt 1307, dem Jahr der Zerschlagung der Templer, und soll eine neue Mystery-Serie eröffnen, die, anders als „Froebius!“, in der Jetztzeit angesiedelt ist und in der ein adeliger Auftragskiller und der Geheimdienst des Vatikan wichtige Rollen spielen.  Als zweites liegt ein „lupenreiner“ historischer Roman aus der Völkerwanderungszeit in der Pipeline. Vor gut zwanzig Jahren hatte ich zu diesem Thema bereits ein Holzbuch mit dem Titel „Geiserich – Vandale ohne Vandalismus“ veröffentlicht. Es handelte sich damals aber um kein Werk der Belletristik, sondern um eine im journalistischen Reportagestil geschriebene Biografie des legendären Vandalenkönigs.

GeschiMag: Darauf bin ich während meiner Recherchen auch gestoßen. Und Sie können sich vorstellen, dass dieses historische Sachbuch für ein Geschichtsmagazin von besonderem Interesse ist. Haben Sie vor, das Buch zu überarbeiten und zu relaunchen? Immerhin ist die Auflage ja vergriffen und das Buch nur noch gebraucht erhältlich. Bei den heutigen Möglichkeiten doch sicher eine Überlegung wert.

Norman Nekro:Ich würde lieber heute als morgen den „Geiserich“ als eBook-veröffentlichen, weil ich denke, dass diese Biografie nicht wenige historisch interessierte Leserinnen und Leser finden dürfte. Hat doch kein Geringerer als Altmeister Rudolf Pörtner – dessen Mega-Bestseller „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ Anfang der 60er Jahre den Erfolg populärwissenschaftlich verfasster Geschichts- und Archäologiethemen in Deutschland überhaupt erst auslöste – das Buch in einer bedeutenden überregionalen Tageszeitung  mit den Worten rezensiert: „Der ‚Geiserich’ ist leicht zu lesen, verrät solide Quellenkenntnis und verschafft einen ereignisprallen Zugang zum Phänomen der Völkerwanderungszeit“. So weit, so gut. Aber jetzt kommen rechtliche Gründe ins Spiel, die mich an der digitalen Veröffentlichung meines Erstlingswerkes hindern. Ein Grund mehr übrigens, weshalb ich mit der traditionellen Buchbranche nichts mehr zu tun haben will und meine heutigen Bücher ausschließlich im eBook-Selbstverlag  veröffentliche. Dieser Weg ist für mich alles andere als ein „Plan B“, den man einschlägt, wenn man bei den konventionellen Verlagen abgeblitzt ist. Er ist meine erste Wahl, die ich gezielt so getroffen habe, um freie Hand in allen Entscheidungen, die meine Bücher betreffen, zu haben.

GeschiMag: Sicherlich dürfen wir auf „Die Templer und das Grabtuch“ gespannt sein. Aber wie sieht es mit weiteren Episoden des Froebius aus? Ich hatte das Gefühl, mit dem Todestagverkäufer sind Sie endgültig in der Froebius-Welt angekommen. Die ersten beiden Stories erscheinen mir – trotz ihrer literarischen Qualität – allein aufgrund ihrer Kürze als eine Art Herantasten an dieses Genre. Liege ich da sehr falsch?

Norman Nekro:  Das kommt auf den Blickwinkel an. Band 1 der Froebius-Saga mit den beiden Kurzgeschichten „Dämonengeburt“ und „Das Blutkreuz der Templer“ wird ausdrücklich als „Pilotfilm zur Serie“ deklariert, der den Leserinnen und Lesern einen ersten Einblick in die Froebius-Welt bieten soll. Also ein „Herantasten“ dürfte hier eher von Seiten der Konsumenten vorliegen, denn von der des Autors. Die beiden Folgebände – „Die Flammenmönche“ und „Der Todestagverkäufer“ – sind dagegen vollwertige, in sich abgeschlossene Geschichten. Seien Sie versichert, dass ihnen weitere folgen werden. Und was ihre Länge betrifft: Das moderne, zukunftsorientierte und schnelle Medium eBook erfordert ebenso neue Formate, damit es auf dem Reader oder dem Smartphone problemlos und schnell konsumiert werden kann. Eine der ersten Voraussetzungen dafür ist meiner Ansicht nach, dass gewisse Maximallängen nicht überschritten werden sollten. Ein 600 Seiten-Wälzer als eBook macht keinen Spaß mehr, sondern Arbeit!

GeschiMag: Herr Nekro, ich bedanke mich  für das Gespräch.

Zur Autorenhomepage von Norman Nekro.

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