1633: Bayerns Bauern im Aufstand gegen Maximilian

Am Ende ging die Rebellion aus, wie sie immer für die Bauern ausging. Viele wurden niedergemacht oder verurteilt und es änderte sich nichts. Die bayerischen Bauern, die sich 1633/34 gegen die Einquartierungen der „eigenen“ Soldaten in ihrem Landstrich erhoben, kamen nur etwas besser weg als sonst üblich.

Es waren schwere Zeiten für Bayern. In den ersten Jahren des Dreißigjährigen Kriegs war das Land zwar von den Schrecken der Kämpfe verschont geblieben. Doch 1632 kam der schwedische König Gustav Adolf mit seinen Armeen und verwüstete den westlichen Teil des Kurfürstentums. Jetzt 1633 hatte der in schwedischen Diensten stehende Bernhard von Weimar Regensburg erobert.

Die Bauern hatten schon genug erduldet

Unruhig wurde es im Lande, als bereits in Bayern untergebrachte kaiserliche Soldaten die Bauern in der Gegend von Rosenheim auch noch zu Frondiensten zwingen wollten. Das Landvolk hatte seiner Meinung nach schon genug zu erdulden gehabt: schlechte Ernten, durchziehende, alles kahlfressende Truppen, Konfiszierung durch den eigenen Landesherren  Jetzt brachen die Dämme, die Bauern zwischen Isar und Inn rotteten sich zusammen.

Der Aufstand brach in der Gegend von Erding los

Der Aufstand begann in der Gegend von Erding mit einem Überfall auf eine Wagenkolonne der Soldaten. Von dort breite er sich schnell aus. Die Losung der überall zusammenströmenden Bauern lautete: Jagt die Soldaten über die Isar zurück! Am 4. Dezember 1633 schlossen die Aufständischen, die immer betonten, nicht gegen ihren Landesherren Maximilian, sondern gegen die ihnen aufgedrängten Söldner ginge es, die Stadt Wasserburg ein. Nach kurzen Gefechten kam es zu Verhandlungen. Und Kurfürst Maximilian ließ vorerst Milde wallten. Not gedrungen hielt er jedoch an den Einquartierungen fest, wollte allerdings für mehr Ordnung und Gerechtigkeit sorgen.

Das halbverhungerte bayerische Heer brauchte ebenfalls Winterquartiere

Davon spürte das nach wie vor aufgebrachte Landvolk jedoch nichts. Es kam sogar noch schlimmer. Johann Aldringen, der Oberbefehlshaber des bayerischen Heeres, kehrte aus dem Südwesten des Reiches mit seiner halbverhungerten, zerlumpten Armee, zurück und brauchte dringend Winterquartier. Natürlich wollte die Söldner niemand haben: weder Maximilian von Bayern, noch Salzburg und schon gar nicht die Oberösterreicher. Aber irgendwo mussten sie hin.

Neue Soldaten strömten also in die darbenden Gemeinden und wollten versorgt werden. So kam es Ende Dezember 1633 zu erneuten Zusammenrottungen der bayerischen Untertanen zwischen Isar und Inn. Sowohl die Zahl der bewaffneten Bauern als auch deren Gewaltbereitschaft war inzwischen deutlich gestiegen.  Truppenteile wurden angegriffen, Beamte misshandelt.  In den Gemeinden Ebersberg, Aibling, Mühldorf war es am schlimmsten. Die Forderung blieb: Schluss mit den Einquartierungen.

Die Soldateska im eigenen Land bedeutet nichts Gutes

Ob Freund oder Feind, die Soldateska im eigenen Land bedeutete nichts Gutes. Das schlecht oder gar nicht bezahlte Militär bedeutete immer Raub, Vergewaltigungen und Folter. Dabei war die Obrigkeit, bis hinauf zum Kurfürsten, über die Exzesse ihrer verrohten Söldner durchaus wohl informiert, konnte aber wenig unternehmen. Im Januar 1634 wurde die Situation dramatisch. Kurfürst Maximilian wollte die Rebellion seines Landvolks nicht länger hinnehmen. Er drohte mit gewaltsamer Unterdrückung. Doch die Bauern blieben stur: Vor dem Ende der Einquartierungen wollten sie nicht auseinander gehen.

 Gemetzel bei Ebersberg: 200 tote Bauern

Diese sagte Maximilian nur für die Gebiete östlich des Inn zu, nicht jedoch für den Landstrich im Westen des Flusses. Das reichte den Bauern nicht. Und der Kurfürst machte jetzt ernst. Vor Ebersberg griff das Militär am 18. Januar eine größere Bauernschar an. Gegen die kriegsgeübten Söldner hatten die Landbewohner keine Chance. Die Flüchtenden wurden mit Kanonen beschossen und niedergemetzelt. Über 200 Tote blieben zurück. Das war das Ende des Aufstandes.

Das gerichtliche Nachspiel gegen die Rädelsführer verlief, nach den Maßstäben der Zeit, relativ glimpflich. In Burghausen wurden beispielsweise von 170 Angeklagten lediglich drei zum Tode verurteilt. Eine Anklage gegen Soldaten gab es nicht. Die, so sagte der Kurfürst, brauche er dringend.

Dieser Aufstand gegen die fürstliche Autorität blieb bis 1918 der einzige, den die bayerische Geschichte kennt.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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