Die Geschichte der SS Great Britain

800px-SS_Great_Britain_by_TalbotMit dem Bau der SS Great Britain sollte die Vormachtstellung der schnellen amerikanischen Paketsegler auf der Nordatlantikstrecke gebrochen werden. Denn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrschten die relativ kleinen amerikanischen Schnellsegler mit ihren Liniendiensten die Nordatlantikstrecke zwischen Amerika und England.

Komfortabel waren die schnellen Segler lediglich für die Passagiere, die es sich leisten konnten, eine der wenigen Kabinen mit bequemem Bett, Holzkohleofen und Verpflegung mit Frischfleisch und Wein zu buchen. Die 1839 auf Kiel gelegte SS Great Britain, von Reedern aus Bristol bei dem damals wohl genialsten Ingenieur seiner Zeit in Auftrag gegeben, sollte den erfolgreichen Amerikanern das einträgliche Passagiergeschäft wegnehmen.

Isambard Kingdom Brunel und die SS Great Britain

Isambard Kingdom Brunel, der auch am Bau des legendären Riesenschiffes Graet Eastern, das 1857 vom Stapel lief, beteiligt war, setzte bei der Konstruktion der SS Great Britain von Anfang an auf Dampfantrieb (daher auch das SS von Steam Ship vor dem Schiffsnamen). Allein das war bereits revolutionär, denn Dampfantrieb wurde bislang nur bei kleinen Küstenschiffen eingesetzt. Brunel aber plante mit der Great Britain einen riesigen Schaufelraddampfer für den Transatlantik-Dienst. Das Schiff sollte am Ende um ein Drittel länger werden, als das größte britische Linienschiff.

Für ein Übersee-Passagierschiff revolutionär war auch die Tatsache, dass die Great Britain ganz aus Eisen gebaut wurde. Zwar hatte Brunell bei der Great Britain zunächst Holzplanken auf einem Eisengerüst geplant, angesichts einer Fahrt auf einem Eisenrumpf- Schaufelraddampfer von Bristol nach Antwerpen 1838 entschied er aber die Great Britain ganz aus Eisen zu bauen

SS Great Britains sechsblättrige Schiffsschraube

Es war 1840, als mit der „Penny Black“ die erste Briefmarke der Welt herausgegeben wurde, da besuchte das experimentelle mit einem Propeller angetriebene Schiff „Archimedes“ Bristol. Dadurch angeregt, warf der als exentrisch geltende Ingenieur Brunel die Konstruktionspläne der Great Britain kurzerhand bereits während der Bauphase über den Haufen. Die ursprünglich geplanten Schaufelräder wurden storniert, die Dampfmaschinen völlig überarbeitet, eine neue Konstruktion für den Schraubenantrieb entwickelt und eingebaut. Und selbstverständlich war die sechsblättrige Schiffsschraube mit einem Gewicht von 4 Tonnen der erste Großpropeller, der jemals gebaut worden war.

Der erste Transatlantikliner: die Great Britain

Als Passagierschiff setze die Great Britain völlig neue Maßstäbe. 26 Einzel- und 113 Doppelbettkabinen mit vier Salons von einer Länge zwischen etwa 20 und 30 Metern, mit diesem Angebot konnte das neuartige Passagierschiff nach seinem Stapellauf im Jahre 1843 nahezu schlagartig die amerikanische Konkurrenz aus dem Feld schlagen. 1845 startete die Great Britain ihre erste Transatlantikfahrt und erreichte innerhalb von weniger als 15 Tagen New York. Trotz aller Kinderkrankheiten versah die einen ordentlichen Dienst, bis sie auf ihrer fünften Reise 1846 an Irlands Küste strandete und erst nach einem Jahr geborgen werden konnte.

Das Arbeitstier SS Great Britain

140.000 Pfund hatte der Neubau der Great Britain gekostet. Nach der Havarie und Bergung mussten die Eigner das für damalige Verhältnisse unglaublich stabile Schiff für gerade einmal 18.000 Pfund verkaufen. Die Great Britain wurde von den neuen Besitzern repariert, umgebaut, die Maschinen modernisiert und ab 1852 im Australiendienst eingesetzt. Inzwischen hatte sich in der Welt vieles verändert. 1844 sendete Morse seine erste Telegrafennachricht. 1845 begann die große Hungersnot in Irland und 1846 wurde Florence Nightingale aktiv. 1851 begann der Goldrauch in Australien. Und so beförderte die Great Britain auf ihren 32 Australienreisen unzählige Auswanderer und Abenteurer nach down under und brachte Tonnen von Gold wieder mit nach Hause. Im 1844 ausgebrochenen Krimkrieg brachte das Schiff 44.000 Soldaten auf die Krim.

Great Britain meets Great Eastern

Mehr als 3 Jahrzehnte versah die Great Britain ihren Dienst, bis sie 1880 verkauft und zu einem Segler umgebaut wurde. Während dieser Zeit hatte  Bessemer sein Verfahren zur Stahlproduktion, bekannt unter Bessemer-Birme, patentieren lassen, und war das erste transatlantische Telegrafenkabel verlegt worden, übrigens mit Brunels erfolglosen Monsterschiff Great Eastern. 1859 wurde die Welt durch Darvins Veröffentlichung „Der Ursprung der Arten“ aufgewühlt und 1861 hatte der Amerikanische Bürgerkrieg begonnen.

Das Ende der Karriere der SS Great Britain auf den Falklands

Als 1886 das Schiff nach einer Havarie bei einer Cap Hoorn-Umrundung schließlich auf den Falklandinseln landete und dort bis 1970 fast vergessen auf einem Strand lag, waren längst wieder zahlreiche Ereignisse und Innvovationen des aufregenden 19. Jahrhunderts geschehen. So zum Beispiel Die Eröffnung der Brooklyn Bridge 1883 oder das denkwürdige Jahr 1882, als Australien erstmals England zu Hause beim Cricket besiegte, oder als Heinz mit seiner Ketchup- Erfindung die amerikanische Esskultur revolutionierte, oder das 1884 eingereichte Patent von Dr. John Kellog und seinen Corn Flakes und nicht zuletzt natürlich Coca Cola..

Die Heimkehr der legendären SS Great Britain

1970 wurde das immer noch in einem erstaunlich gutem Zustand befindliche Schiff nach Bristol in das Dock, in dem sie gebaut wurde überführt. Heute liegt das altehrwürdige Schiff, die SS Great Britain, als Dampfschiff restauriert in ihrem Heimatdock in Bristol und stellt als Zeitzeuge und Dokument fast eines Jahrhunderts industrieller Revolution einen musealen Publikumsmagneten dar.

 

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Eingeordnet unter 19. Jahrhundert, 5 Neuzeit, industrielle Revolution, Schifffahrtsgeschichte

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