SCHUHTICK im LVR-LandesMuseum

Die älteste Sandale Europas, Biedermeierstiefel, Schuhe von Sophia Loren, Lady Gaga, Jürgen Klinsmann oder Heidi Klum – 400 Ausstellungsstücke erzählen in der neuen Erlebnisausstellung im LVR-LandesMuseum Bonn die Geschichte und Geschichten von Schuhen. Vom 20. September bis zum 13. März 2013 spannt „Schuhtick“ einen Bogen durch die Epochen und über die Kontinente – von der Fußbekleidung der Neandertaler über römische Sandalen bis hin zu aktuellen Designerschuhen.

SCHUHTICK ist eine Ausstellung, die seit 2008 nacheinander in den beteiligten Museen zu sehen war: Nach dem LWL-Museum für Archäologie, dem Westfälisches Landesmuseum Herne, dem Überseemuseums Bremen, den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim ist sie nun im obengenannten Zeitraum beim fünften Kooperationspartner, im  LVR-LandesMuseum Bonn zu bewundern.

Wenn die Veranstalter dabei den Begriff Erlebnisausstellung verwenden, dann ist das sicher nicht hochgestapelt. Zumindest die vorherigen Ausstellungen zeichneten sich neben dem interessanten Thema durch wahrlich originelle Begleitveranstaltungen aus. Was sich Die LVR-Leute dazu ausgedacht haben, können Sie  demnächst auf der Homepage des Museumserfahren.
Als Vorgeschmack bieten wir von der GeschiMag-Redaktion mit folgender Rezension schon einmal einen tiefen Blick in den Inhalt des Begleitbandes zur Ausstellung. Und im Anschluss können Sie den GeschiMag-Bericht zur Ausstellung in Herne, 2009 lesen, der auch einen Eindruck von dem vermittelt, was sich hinter dem Begriff Erlebnisausstellung auch in Bonn möglicherweise verbergen könnte.
Die Ausstellung Schuhtick 2009 in Herne
Antike Sandalen, Klinsi-Treter und Regenbogenschuhe in Herne
Auf 800 Quadratmetern zeigt das Ausstellungsprojekt im Museum für Archäologie in Herne alles über Schuhe, von der Urzeit bis Heute.
Welch eine Vorstellung: bei einem Glas Prosecco zieht eine Gruppe von Frauen durch 800 Quatratmeter Schuhmuseum. Sie plaudern in lockerer Atmosphäre mit der kompetenten Projektmitarbeiterin über die Frage, warum wohl Bräute in einigen Kulturen mit besonderen Schuhen in die Ehe gegangen sind oder welches Schuhwerk eine französiche Königin zur Hinrichtung trug. Und tatsächlich dürfen die Frauen selbst historische Schuhe anprobieren, ob aus der Steinzeit, dem Mittelalter oder der Römerzeit.
Schuhtick für Frauen
Das eben Beschriebene ist weder der Traum vernachlässigter Ehefrauen, noch der Albtraum engagierter Museumsleute, sondern unter dem Titel „Schuhtick für Frauen“ Teil des Begleitprogramms der Ausstellung des westfälisch- lippeschen Landesmuseums für Archäologie in Herne mit dem einfachen Namen „Schuhtick“.
Wer aber meint, die Schuhausstellung sei naturgemäß ohnehin nur etwas für Frauen, liegt mit der Einschätzung völlig falsch.
Der älteste Schuh Europas
Hobbyarchäologen und –historiker kommen hier ebenfalls voll auf ihre Kosten. So zum Beispiel wegen der auf Anfang des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung datierten Bastsandale aus Sipplingen. Dieser älteste europäische Schuh, der in Wechselausstellungen gezeigt werden kann, wurde im Schlick des Bodensees gefunden. Wahrscheinlich hatte die Sandale einem frühen Bauern gehört und dokumentiert den handwerklichen Stand der jungsteinzeitlichen Menschen. In einer mehrwöchigen Prozedur wurde die Fußbekleidung aus Rinde und Bast von Lindenbäumen gefertigt.
Lotosschuhe des Alten China
Wohl kaum zum Anprobieren geeignet sind die Lotosschuhe des Alten China. Seit dem 10. Jahrhundert war es Tradition in den adeligen Familien, den Mädchen im Kleinkindalter die Füße abzubinden. Damit wurde das Wachstum der Füße mit dem Ziel unterbunden, eine Fußlänge von 7,5 Zentimetern, den sogenannten Goldenen Lotus, zu erreichen. Erst mit der Gründung der chinesischen Republik wurde dieses Verfahren unter Strafe gestellt.
Agententreter, Eiszeitstiefel und Kardinalsschuhe
Spezialanfertigungen für Spione, Fellstiefel der Eiszeitjäger, die Pumps Marlene Dietrichs, die Designer –Sandale von Salvatore Ferrango für die Schauspielerin und Sängerin Judy Garland oder die roten Schuhe des Kardinals von Galen, zu allen Exponaten gibt es ausführliche Informationen über Herstellung, Zweck, Ursprung, eben zur Kulturgeschichte. Aber es werden auch immer wieder interessante und persönliche Geschichten erzählt.
Clemens August Kardinal von Galen beispielsweise (1878 – 1946) benötigte für seine Amtskleidung rote Lederschuhe. Rotes Leder aber war in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren kaum zu beschaffen. Dass dem Kardinal dennoch die Blöße eines unvollständigen Ornats erspart blieb, verdankte er einer Dame, die ihre über den Zweiten Weltkrieg hinweg gerettete rote Handtasche stiftete. Ein Ahlener Schuster verarbeitete die Tasche dann zum Oberleder für die natürlich ebenfalls in der Ausstellung zu besichtigenden Kardinalsschuhe.
Sonderausstellung Schuhtick in Herne, Bremen und Mannheim
Bis zum 05.07.2009 ist die Ausstellung im Museum für Archäologie noch in Herne zu besichtigen. Dann wird sie ab dem 19.09.2009 bis zum 28.03.2010 im Überseemuseum Bremen ihre Heimstatt finden, um schließlich vom  15.05. bis zum 14.11.2010 im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum ihre Besucher zu begeistern.
In Herne ist die Sonderausstellung Schuhtick Dienstag, Mittwoch, Freitag von 9 Uhr bis 17 Uhr, Donnerstag von 9 bis 19 Uhr und Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Jeweils einmal monatlich an einem Donnerstag übrigens von 17 bis 18 Uhr haben Ehemänner sturmfreie Bude, dann nämlich heißt es „Schuhtick für Frauen“, die am 15.01. 2009 beginnende neue Führung durch die Ausstellung mit der alles bewegenden Frage: „Was trug Frau?“
Nähere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der SCHUHTICK-Homepage.
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Eingeordnet unter Ausstellungen, Geschichte im Querschnitt

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