Rezension: Die schwierigen Beziehungen zwischen Bayern und Österreich

Die Beziehungen zwischen Österreich und Bayern waren immer eng, oft aber schwierig. Unter dem Titel „Verbündet – Verfeindet – Verschwägert“ zeigen Ausstellungen in beiden Ländern und die gleichnamigen Begleitbände Stationen dieser komplexen Nachbarschaft. Beginnend mit dem 6. wir der Bogen bis zum 19. Jahrhundert geschlagen.

Was später zum Herzogtum Österreich wurde, gehörte bis ins 10. Jahrhundert als Ostland zum Herzogtum Bayern. Unter dem Geschlecht der Babenberger etablierte sich „Ostrriche“ oder „Ostarrichi“, ab 1147 auch Austria genannt, als eines der wirtschaftlich stärksten Gebiete des deutschen Reiches. Lebensader dieser beiden Fürstentümer war die Donau, Haupthandelsgut das Salz, das stromabwärts nach Osten gelangte. Ab dem 14. Jahrhundert wurde insbesondere Wein aus der Wachau als Gegenfracht geladen.

Schlachten und Heiraten wechselten sich ab

Ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder schlugen dann die Wittelsbacher und Habsburger auf, als sein 1180 in Bayern bzw. 1282 in Österreich und der Steiermark an die Macht kamen. Es begann eine Zeit der Annäherung, abgelöst durch harte machtpolitische Gegensätze, die sich unter anderem in der Schlacht bei Mühldorf, 1322, entluden , wieder gefolgt von Heiratsbündnissen. Alles mit dem Ziel, wie Bernd Schneidmüller in einem Übersichtsartikel herausarbeitet, Rang und Amt der eigenen Familie zu erhöhen. Dabei scheuten sich die Habsburger auch nicht, „unorthodoxe“ Mittel anzuwenden. So bei der Fälschung des sogenannten Freiheitsbriefes im 14. Jahrhundert, der ihnen zahlreiche Privilegien einräumte.

Die ambivalente Beziehung zwischen Habsburg und Wittelsbach setzte sich fort: Die verwandtschaftlichen Beziehungen wurden zwar immer enger, die Rivalitäten, beispielsweise bei den zahlreichen Erbfolgekriegen, heftiger. So setzte der Kaiser den bayerischen Kurfürsten Max Emanuel während der spanischen Erbfolgekriege wegen seines Seitenwechsels zu Frankreich zweimal (1706 bis 1715) in die Reichsacht. Zudem wurde Bayern von den Österreichern besetzt.

Unter Napoleon waren die Wittelsbacher erneut auf der Habsburg feindlichen Seite. Nach der Niederlage des französischen Kaisers gelang es Bayern sich trotz seines Ranges als bestenfalls zweitrangige Macht gegen Gebietsansprüche Österreichs zu behaupten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging dann endlich das Verhältnis beider Staaten und Dynastien in ein gut nachbarschaftliches über – das nicht zuletzt erneut durch Heiraten (Stichwort Sissi) der erzkatholischen Fürstenhäuser untereinander gestützt wurde.

Die Rivalität zeigte sich auch in der Bautätigkeit

Welche Anstrengungen – neben den kriegerischen Auseinandersetzungen – die beiden regierenden Häuser unternahmen, sich als führend oder wenigstens ebenbürtig darzustellen, zeigen die Ausstellungsbände an der Medienstrategie der Habsburger und Wittelsbacher: Der Bayer Max Emanuel stylisierte sich da als der Türkensieger und Kaiser Leopold I. als die Sonne, die den Halbmond verdunkelt. Auch welcher Aufwand bei Festumzügen zu Ehren des kaiserlichen Besuchs in München oder bei den jeweiligen Hochzeitsfesten getrieben wurde, wird dokumentiert. Ebenso die regen Bautätigkeiten beider Fürstenhäuser – immer in Nachahmung Ludwigs XIV. -, die an die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten der Länder oder darüber hinaus gingen.

Beide Bände sind reich illustriert. Die Bilder geben einen sehr guten Einblick in die jeweilige Zeit, zeigen Prunk und Pomp der Regierenden und der ebenfalls nicht zurückhaltend agierenden katholische Kirche. Aber auch das Leid der Soldaten wie der Bevölkerung in den jeweiligen Kriegen, bleibt nicht außen vor. Insgesamt eine Darstellung der Beziehung zweier Fürstenhäuser und deren Länder, die sich zu lesen lohnt.

Wolfgang Jahn und Evamaria Brockhoff (Hrsg.): Bayern und Österreich. Verbündet Verfeindet Verschwägert. 2 Bände. Konrad Theis Verlag. 2012. 208/326 Seiten.

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