Rezension: Dreißigjähriger Krieg – ein Kampf um Glaube und Macht

Dreißig Jahre tobte der Krieg im Deutschen Reich. In dreißig Artikeln geben Historiker und Spiegelredakteure in dem Buch „Kampf um Glauben und Macht“ einen umfassenden Überblick über die Jahre 1618 bis 1648. Allerdings liegt das Werk auch als Heft in der Reihe „Spiegel-Geschichte“ vor.

Zwei Einleitungs- bzw. Klammerartikel geben einen guten Einstieg in das komplexe Thema Dreißigjähriger Krieg. Johannes Satzwedel stellt in seinem Beitrag die Frage „was war und wohin führte“ diese Auseinandersetzung? Eine eindeutige Antwort kann auch er nicht anbieten, er beleuchtet jedoch die unterschiedlichen Interpretationen, das dieses „Knäuel fürchterlicher Ereignisse“ in der Wissenschaft erfahren hat. Und der Autor startet am Ende den Versuch, dem dreißigjährigen Ringen auch Positives abzugewinnen. So beispielsweise die Etablierung der Staaten als souveräne Mächte, den endgültigen Abschied vom Gedanken der Universalmonarchie und – für Europa – sicherlich „den Nachweis, wie wenig konfessionelle Lehrsätze als Leitbilder der Macht taugen.“

Ein Interview mit dem Jenaer Historiker Georg Schmidt bietet zu vielen Fragen eine gute Ergänzung: So hinsichtlich der Führung der Armeen im Dreißigjährigen Krieg oder die Rolle Herzog Maximilians von Bayern hinsichtlich der Verlängerung der Auseinandersetzung nach dem Jahr 1622.

Die Geschichten über weniger bekannte Begebenheiten machen das Buch interessant

Farbig ist das Buch immer dann, wenn, wie beispielsweise im Kapitel „Sturz in die Katastrophe“ neben den bekannteren Themen (Prager Fenstersturz oder der Rebellion der Holländer gegen die Spanier), lokale oder weniger prominente Ereignisse erzählt werden. So die der Partisanenkämpfe der Harzer Schützen gegen die kaiserliche Soldateska. Am Ende unterlagen die meisten der Bauersoldaten zwar den professionellen Kriegern, aber so ganz konnte der Widerstand von den Kaiserlichen nie gebrochen werden. Oder die Geschichte der einfachen Leute im zweiten Kapitel mit der prägnanten Überschrift „Gejagt wie das Wild in den Wäldern“. Die spärlichen erhaltenen Aufzeichnungen dieser Bevölkerungsschicht fasst die Spiegel-Autorin Eva-Maria Schnurr eindrucksvoll zusammen.

Die zentralen Personen und Ereignisse dürfen bei einem Buch nicht fehlen, das sich in der Hauptsache an Leser wendet, die sich kaum oder nur am Rande mit dieser geschichtlichen Periode befassen. So wird der kometenhafte Aufstieg von Albrecht von Wallenstein bis hin zu seiner Ermordung geschildert, es gibt eine Abhandlung über den bayerischen-kaiserlichen Feldherrn Johann von Tilly, dem wie es hier heißt vom Siegerpech verfolgten. Und natürlich wird der schwedische König und Feldherr Gustav Adolf gewürdigt. Die Eroberung Magdeburgs durch Tilly, die Hexenverfolgung und das aufblühende Zeitungsgewerbe seien als weitere Beispiele genannt.

Eine runde, gelungene Darstellung der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Insgesamt eine runde, gelungene, immer gut lesbar geschriebene Darstellung der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Auch für tiefer an der Periode Interessierte, die einzelne Sachverhalte nachvollziehen möchten. Allerdings ist dies mit dem gleichnamigen Spiegel-Geschichte Heft ebenso möglich. Das hat sogar zwei Pluspunkte: Bei identischem Inhalt ist es deutlich preiswerter; dank vierfarbigem Druck und reichhaltigerem Bildmaterial zudem optisch ansprechender.

Dietmar Pieper und Johannes Saltzwedel (Hrsg.): Der Dreißigjährige Krieg. Europa im Kampf um Glauben und Macht. 1618 – 1648. DVA 2012. 286 Seiten.

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Eingeordnet unter 4 Frühe Neuzeit, Dreißigjähriger Krieg

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